Stahlindustrie investiert in klimafreundlichere Produktionsformen. Mehr als 220 Millionen Euro hat die Feralpi Group am Standort Riesa aufgewendet, um sein CO2-reduziertes Walzwerk in Betrieb zu nehmen. Doch ob sich grüner Stahl in Europa durchsetzt, entscheidet sich maßgeblich auf politischer Ebene. Feralpi Stahl unterstreicht diesen zentralen Punkt auf der wire 2026, der Weltleitmesse für Stahldraht und -kabel in Düsseldorf. Das italienische Familienunternehmen verbindet technologische Lösungen mit einem klaren Appell an die deutsche und europäische Industriepolitik.
Im Segment des Bewehrungsstahls bewegt sich die Branche aktuell zwischen vorsichtiger Markterholung und anhaltendem Preisdruck: Während Infrastrukturprogramme ab 2026 Impulse setzen werden, belasten hohe und volatile Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten und globaler Wettbewerbsdruck weiterhin, dass die Markterholung Fahrt aufnimmt. Insbesondere die hohen Strom- und Gaspreise entwickeln sich zunehmend zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor für das energieintensive Elektrostahlgeschäft.
Giuseppe Pasini, Präsident der Feralpi Group:
„Die entscheidende Frage ist nicht, ob wir Stahl klimafreundlicher produzieren können – das zeigen wir bereits. Entscheidend ist, ob Europa die richtigen Rahmenbedingungen schafft, damit die Produktion hierbleibt. Ohne entschlossenes Handeln verliert Europa industrielle Wertschöpfung. Entscheidend sind wettbewerbsfähige Energiepreise, Handelsschutz und klare Kriterien zur Stärkung des Standorts.“
Uwe Reinecke, General Manager von Feralpi Stahl:
„Wir tragen Verantwortung für unseren Standort in Riesa und für die Menschen, die hier arbeiten. Für die Zukunft der Stahlindustrie mit ihren hochqualifizierten Arbeitsplätzen bildet verlässlich verfügbare und gleichermaßen bezahlbare Energie die Geschäftsgrundlage. Die Energiepreise bestimmen unsere Wettbewerbsfähigkeit maßgeblich – und damit, ob wir in Riesa wirtschaftlich produzieren können.“
Grüner Stahl ist bereits Realität
Feralpi Stahl zeigt heute schon am Standort Riesa, wie die Transformation der Stahlbranche weiter vorankommt. Das neue Spooler-Walzwerk vermeidet dank elektrisch betriebener Prozesse CO2-Emissionen im Scope 1 vollständig. Hinzu kommt der hohe Recyclinganteil auf der Elektrostahlroute von über 98 Prozent.
Das emissionsfrei arbeitende Walzwerk erweitert das Produktportfolio um innovative Lösungen wie warmgespoolten Coils. Sie bieten insbesondere bei automatisierten Anwendungen verschiedene Effizienzvorteile in der Stahlherstellung. Die CO₂-Emissionen dieser warmgespoolten Coils liegen – je nach Produktgröße – zwischen 289 und 386 Kilogramm pro Tonne Stahl und damit deutlich unter denen konventioneller Produktionsverfahren.
Die Erfahrungen aus dem Markt sowie moderne Anwendungen in anspruchsvollen Infrastrukturprojekten belegen, dass es für CO₂-reduzierten Stahl bereits heute eine Nachfrage gibt. Der Anfang ist gemacht. Entscheidend ist jedoch, ob sich diese Entwicklung auch dauerhaft in Europa durchsetzt, oder ob Produktion und Investitionen in außereuropäische Regionen verlagert werden. Das würde unsere industrielle Eigenständigkeit in Europa weiter schwächen.
(Quelle: Feralpi)