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04.03.2021

2020 Umsatz und Profitabilität negativ beeinflusst von herausfordernden Marktbedingungen

Vorsichtige Anzeichen einer Erholung im Q4 2020 sichtbar

Swiss Steel Group, ein weltweit führendes Unternehmen für Speziallangstahl, hat am 3. März 2021 für das Geschäftsjahr 2020 eine um 16,1 % niedrigere Absatzmenge von 1’535 Kilotonnen im Vergleich zu
1’830 Kilotonnen in 2019 gemeldet. Der Rückgang beim Umsatz fiel mit 23,2 % auf EUR 2’288,4 Mio. prozentual höher aus. Das bereinigte EBITDA fiel auf EUR – 68,9 Mio. nach EUR 51,2 Mio. im Vorjahr. Die Nettoverschuldung belief sich auf EUR 639,9 Mio., signifikant tiefer als im Vorjahr mit EUR 798,7 Mio. Mit EUR – 100,8 Mio. war der Free Cash Flow zwar negativer als in 2019 mit EUR – 7.8, das Nettoumlaufvermögen konnte jedoch im Wesentlichen bedingt durch Lagerabbaumassnahmen im Vergleich zum Vorjahr um rund EUR 75 Mio. auf EUR 698,1 Mio. verringert werden.

Nach einem schwierigen Geschäftsjahr 2019 konnten zu Beginn des Geschäftsjahres 2020 erste Anzeichen einer Verbesserung der Nachfragesituation verzeichnet werden. Diese Erholung wurde durch die COVID-19-Krise
drastisch unterbrochen. Die in verschiedenen Ländern und Regionen eingeführten Eindämmungsmassnahmen führten zu einer weltweiten Rezession. Der massive Nachfrageeinbruch hinterliess deutliche Spuren sowohl beim Volumen als auch bei den Preisen. Insbesondere wirkte sich das vollständige Herunterfahren fast sämtlicher Geschäftsaktivitäten grosser europäischer Automobilproduzenten als auch ihrer Zulieferer drastisch auf die Nachfrage aus. Die Drosselung der Produktion, Kurzarbeitsprogramme sowie die Flexibilisierung der Kostenstruktur konnten dem Rückgang des Verkaufsvolumens nur bedingt entgegen wirken. Auch wenn sich gegen
Ende der zweiten Jahreshälfte die Nachfragesituation normalisierte, mussten im Geschäftsjahr 2020 Verluste hingenommen werden.

Mit Blick auf das Gesamtjahr 2020 konnten die von der Pandemie verursachten Nachfrageeinbrüche nicht aufgeholt werden. Mit 1’535 Kilotonnen wurde um 16,1 % weniger Stahl verkauft als im Vorjahr (2019: 1’830 Kilotonnen). Im Gesamtjahr 2020 lag der durchschnittliche Verkaufspreis je Tonne mit EUR 1’490,8 um 8,5 % unter dem Vorjahr (2019: EUR 1’628,9 je Tonne). Zu Beginn der COVID-19-Krise sind die für die Stahlpreisentwicklung wichtigen Rohstoffpreise stark eingebrochen. Während sich die Rohstoffpreise im Verlauf des Geschäftsjahres 2020 stetig erholten, blieben die Basispreise unserer Stahlprodukte aufgrund des hohen Preisdrucks auf tiefem Niveau.

Im Gesamtjahr 2020 ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahr aufgrund der schwachen Absatzzahlen um 23,2 % auf EUR 2’288,4 Mio. zurück. Der Umsatzrückgang zeigt sich über alle Produktkategorien hinweg, wobei der
Rückgang beim Qualitäts- & Edelbaustahl um 28,1 % am stärksten ausfiel. Bei dieser Produktkategorie wirkten sich der Einbruch der Automobilindustrie sowie der Nachfragerückgang aus dem Maschinen- und Anlagebau im ersten und zweiten Quartal besonders stark aus. Geografisch betrachtet mussten in allen Märkten rückläufige Umsätze hingenommen werden.

Im Gesamtjahr 2020 lag das bereinigte EBITDA mit EUR – 68,9 Mio. deutlich unter dem Vorjahr (2019: EUR 51,2 Mio.). Die Einmaleffekte beliefen sich auf EUR 30,1 Mio. und sind unter anderem auf Beratungsleistungen im Rahmen von Effizienzsteigerungsprogrammen, Restrukturierungsmassnahmen und die COVID-19 Schutzmassnahmen zurückzuführen. Das EBITDA belief sich auf EUR – 99,0 Mio. und war damit niedriger als im Vorjahr
(2019: EUR – 12,5 Mio.).  Im Gesamtjahr betrug die bereinigte EBITDA-Marge – 3,0 % (2019: 1,7 %) und die EBITDA-Marge – 4,3 % (2019: – 0,4 %).

Im Gesamtjahr 2020 stieg das Finanzergebnis auf EUR – 48,9 Mio. (2019: EUR – 57,5 Mio.). Aufgrund der im ersten Quartal 2020 erfolgten Kapitalerhöhung reduzierte sich die Nettoverschuldung, was wiederum zu geringeren Fremdfinanzierungskosten führte. Durch staatlich garantierte Bankkredite mit einer Verzinsung unter dem marktüblichen Zinssatz konnte zudem ein Teil des Fremdkapitals zu günstigeren Konditionen finanziert werden.

Die laufenden Steuern enthalten einen positiven Einmaleffekt von EUR 13,1 Mio. aus der Verrechnung von Verlusten des aktuellen Geschäftsjahres mit Gewinnen der Vorjahre in den USA. Diese Steuererstattung wurde im
Rahmen des lokalen COVID-19 Hilfspaketes gewährt. Ausserdem wurden latente Steuern auf Verlustvorträge der Steuergruppe Frankreich und der Business Unit Swiss Steel im Umfang von EUR 7,3 Mio. aktiviert.

Im Gesamtjahr 2020 musste aufgrund der durch COVID-19 bedingten schlechten operativen Ergebnisse sowie der Wertminderung ein Konzernverlust von – 310,2 Mio. hingenommen werden. Dieser lag dennoch unter dem Vorjahr (2019: EUR – 521,0 Mio.), was auf die signifikant höhere Wertminderung im Vorjahr zurückzuführen ist.

Im vierten Quartal 2020 wurde mit 445 Kilotonnen um 14,7 % mehr Stahl verkauft als im Vorjahresquartal (Q4 2019: 388 Kilotonnen). Dieser Anstieg war auf die um 20,8 % höhere Absatzmenge beim Qualitäts- & Edelbaustahl zurückzuführen. In dieser Produktgruppe spiegelt sich auch die moderate Erholung der Nachfrage aus der Automobilindustrie wider. Verstärkt wurde der Effekt durch die Automobilkrise im Vorjahresquartal, welche sich durch Lagerabbau in der Lieferkette negativ auf das Absatzvolumen ausgewirkt hatte.

In den beiden Produktgruppen RSH-Stahl (rost-, säure- und hitzebeständiger Stahl) und Werkzeugstahl hingegen wurden geringere Mengen verkauft als im gleichen Quartal des Vorjahres. Trotz Anzeichen der Erholung in den wichtigsten Segmenten und der Stabilisierung des Ölpreises mit positiver Entwicklung der operativen Bohrlöcher, blieb insgesamt die Nachfrage auch im vierten Quartal noch auf tiefem Niveau.

Der durchschnittliche Verkaufspreis je Tonne Stahl lag im vierten Quartal 2020 bei EUR 1’358,4 und damit deutlich unter dem im Vorjahresquartal (Q4 2019: EUR 1’595,4 je Tonne) erzielten Durchschnittspreis. Obwohl die
Rohstoffpreise im vierten Quartal insgesamt erneut angestiegen sind, konnten keine Erhöhungen der Verkaufspreise realisiert werden. Der Preisrückgang ist einerseits auf den anhaltend hohen Preisdruck, anderseits auf den veränderten Produktmix mit einem grösseren Anteil der Produktgruppe Qualitäts-& Edelbaustahl mit tieferem durchschnittlichen Verkaufspreis zurückzuführen.

Aufgrund der tiefen Preise sank der Umsatz im vierten Quartal um 2,3 % im Vergleich zum Vorjahresquartal auf EUR 604,5 Mio. Während der Umsatz in der Produktgruppe Qualitäts- & Edelbaustahl um 7,3 % stieg, sank der Umsatz mit RSH-Stahl um 6,5 % und jener mit Werkzeugstahl um 18,9%. Regional betrachtet konnte in Europa der Umsatz um 1,3 % gegenüber dem Vorjahresquartal gesteigert werden, was die Erholung der Automobilindustrie widerspiegelt. Getrieben war diese Umsatzerhöhung vor allem durch höhere Absatzmengen in Italien. In der von der Öl- und Gasindustrie abhängigen Region Amerika mussten weiterhin starke Umsatzeinbussen hingenommen werden. Durch Anpassung der Kostenstruktur an den Nachfragerückgang sowie weitere Fortschritte im Transformationsprogramm lag das bereinigte EBITDA im vierten Quartal 2020 mit EUR 4,1 Mio. über dem Vorjahresquartal (Q4 2019: EUR 1,4 Mio.). Die Einmaleffekte beliefen sich auf EUR 13,0 Mio. und enthielten unter anderem Restrukturierungsaufwendungen von 7,9 mEUR bei der Business Unit Ascometal sowie angefallene Kosten für die Umbenennung in Swiss Steel Group. Die Einmaleffekte eingeschlossen, lag das EBITDA bei EUR – 8,9 Mio. (Q4 2019: EUR – 15,1 Mio.). Die bereinigte EBITDA-Marge stieg im vierten Quartal auf 0,7 % (Q4 2019: 0,2 %) und die EBITDA-Marge auf – 1,5 % (Q4 2019: – 2,4 %).

Die Abschreibungen und Wertminderungen lagen im vierten Quartal mit EUR 19,9 Mio. unter dem Vorjahresquartal (Q4 2019: EUR 37,6 Mio.). Darin enthalten sind im vierten Quartal Wertminderungen der Business Unit
Ascometal von 3,0 mEUR (Q4 2019: 15,3 mEUR).

Das Finanzergebnis ist im vierten Quartal mit EUR – 14,2 Mio. (Q4 2019: EUR – 19,4 Mio.) weniger tief ausgefallen als im Vorjahresquartal. Im vierten Quartal resultierte ein Ergebnis vor Steuern (EBT) von EUR – 43,0 Mio.
(Q4 2019: EUR – 72,2 Mio.) und ein Konzernverlust von EUR – 42,4 Mio. (Q4 2019: EUR – 75,9 Mio.). Der Free Cash Flow konnte im vierten Quartal mit EUR – 18,9 Mio. deutlich verbessert werden (Q4 2019: EUR
– 48,6 Mio.).

Die Nettoverschuldung lag mit EUR 639,9 Mio. unter dem Wert vom 31. Dezember 2019 (EUR 798,7 Mio.). Grund dafür ist in erster Linie die im ersten Quartal 2020 erfolgte Eigenkapitalerhöhung. Trotz anhaltender negativer operativen Ergebnisse konnte der Anstieg der Nettoverschuldung im Laufe des Jahres aufgrund eines strikten Managements des Nettoumlaufvermögens begrenzt werden.

Für 2021 wird für die Weltwirtschaft und unsere Endmärkte eine Erholung vorausgesagt, bei der jedoch nicht unmittelbar wieder das Niveau vor der Pandemie erreicht wird. Dieser moderat positive Ausblick für 2021 basiert einerseits auf dem Start des COVID-19-Impfprogramms zu Beginn des Jahres und der Aussicht auf eine Rückkehr zur Normalität in den nächsten Monaten. Auf der anderen Seite verunsichern die Ausbreitung von Mutationen des ursprünglichen Virus und weitere strenge Abschottungsmaßnahmen Verbraucher und Unternehmen und schaffen ein hohes Maß an Unsicherheit. Daher sind die wirtschaftlichen Folgen einer möglichen nächsten Infektionswelle zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht vollständig abschätzbar und von hoher Unsicherheit geprägt.

Wir glauben, dass der Verlauf der COVID-19-Pandemie und der Erfolg der damit verbundenen staatlichen Unterstützungsprogramme die tatsächliche Entwicklung der Märkte bestimmen werden. Diese Faktoren können sich drastisch und sehr kurzfristig ändern. Die Erwartungen sind daher sehr unsicher.

Mit der weiteren Stärkung der Finanzierungsstruktur der Swiss Steel Gruppe durch die geplante Kapitalerhöhung, die von den Aktionären am 22. Dezember 2020 genehmigt wurde, erwarten wir einen weiteren wichtigen Meilenstein zu erreichen. Die damit gewonnene unternehmerische Freiheit und die deutlich verbesserte Eigenkapitalquote werden es uns ermöglichen, die laufende Transformation mit gestärkter Widerstandskraft und Zuversicht voranzutreiben, um unseren Turnaround-Plan umzusetzen.

CEO Clemens Iller kommentierte: „Nach einem COVID-19 bedingt sehr schwierigen Jahr setzte nach der Sommerpause eine Normalisierung des Absatzes ein. Dieser Trend hielt im vierten Quartal an und führte zu einem
verbesserten Absatz- und Auftragsvolumen, welches vor allem von der Automobilindustrie getragen wurde, mit einer leichten Erholung im Maschinen- und Anlagenbau. Die Nachfrage im Energiebereich, insbesondere bei Öl und Gas, verläuft jedoch nach wie vor schleppend. Vor diesem Hintergrund wurde die Produktion entsprechend hochgefahrenen. Auf der Preisseite sehen wir weiterhin Herausforderungen, insbesondere bei Qualitäts- und Edelbaustahl. Im Rahmen der Erreichung der Einsparziele unseres Transformationsprogramms 2020 war der Abschluss des Restrukturierungstarifvertrags in Deutschland ein wichtiger Meilenstein. Auch in Frankreich, speziell bei der Ascometal, haben wir weitere Kosteneinsparungen konsequent umgesetzt. Darüber hinaus haben wir die Neupositionierung unserer Vertriebs- und Serviceorganisation erreicht.

Unser Fokus liegt im Jahr 2021 weiterhin auf der Umsetzung des Transformationsprogramms, der Verbesserung der Profitabilität und der Liquidität. In diesem Zusammenhang wird der Abschluss der Kapitalerhöhung, die von den Aktionären im Dezember 2020 genehmigt wurde und noch in diesem Monat abgeschlossen werden soll, einen wichtigen Meilenstein bilden. Dies wird es uns ermöglichen, von einer größeren Widerstandsfähigkeit und deutlich verbesserten Finanzierungsbedingungen zu profitieren."

(Quelle: Swiss Steel group)

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