Stahlverarbeitung
In ein farbenfrohes Gewand kleidet pladur® die Betriebskindertagesstätte von thyssenkrupp Steel in Duisburg. Dank der Beständigkeit des Materials werden auch noch in vielen Jahren Kinder in die bunte Kita gehen – ohne dass man ihr dann ihr Alter ansieht - Foto: thyssenkrupp
12.06.2019

Bandbeschichteter Flachstahl seit 60 Jahren

Die Amerikaner schicken zwei Affen ins All, eine sowjetische Rakete erreicht den Mond und der erste „Mini“ rollt vom Band: Aufbruchstimmung und Innovationsgeist prägen 1959 das Lebensgefühl. Im selben Jahr sorgt ein neuer Werkstoff bei Architekten und Bauherren für Begeisterung: ein organisch beschichteter Flachstahl, der ungeahnte Möglichkeiten für die Gestaltung von Außenfassaden und Innenausbau eröffnet. Unter dem Markennamen „pladur®“ erfüllen die Innovationen dieser Produktfamilie von thyssenkrupp Steel nunmehr seit 60 Jahren höchste Ansprüche an Ästhetik, Qualität, Umformbarkeit, Farbvielfalt und Wirtschaftlichkeit.  

Am 26. Mai 1959 hebt ein ehemaliges Unternehmen der heutigen thyssenkrupp Steel Europe die erste Breitband-Coil-Coating-Anlage Europas für die Herstellung des organisch bandbeschichteten Flachstahls aus der Taufe. Und noch ahnt niemand, dass sie damit den Anfang einer Erfolgsgeschichte schreiben. Im Oktober wird der neue Werkstoff auf der Internationalen Kunststoffmesse in Düsseldorf einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt – und überzeugt die Experten sofort. Denn Stabilität, gute Umformbarkeit und vielfältige Oberflächen mit zahlreichen Farbvarianten lassen selbst ausgefallene Ideen Wirklichkeit werden. Heute werden pladur®-Produkte auf den Bandbeschichtungsanlagen in Kreuztal-Eichen, Kreuztal-Ferndorf und Duisburg-Beeckerwerth hergestellt.

Armaturenbrett aus bandbeschichtetem Flachstahl
Das Wirtschaftswunderland nimmt in den 60er-Jahren die steigende Produktvielfalt begeistert auf. Außenfassaden von Industrie- und Geschossbauten, Trennwände von Aufzügen, Gasleitungen, tiefgezogene Kofferteile und sogar das Armaturenbrett für den Ford 20M TS sind nun mit dem beschichteten Flachstahl versehen. Seinen größten Durchbruch feiert der Werkstoff am Bau, wo Architekten ihn bis heute für die Verkleidung von Außenfassaden, Innenausbau und Dachkonstruktionen schätzen. „Unsere Beschichtungssysteme, die wir für und mit unseren Kunden unaufhörlich weiterentwickeln, bieten immer wieder neue, attraktive und kostengünstige Gestaltungsmöglichkeiten. Das macht seit 60 Jahren die Erfolgsgeschichte von pladur aus“, sagt Jörg Paffrath, CEO der Geschäftseinheit Industry bei thyssenkrupp Steel Europe.

Umweltfreundliches Herstellungsverfahren und große Vielfalt
Aber nicht nur am Bau, auch in der Garagentor-, Hausgeräte- und Trailerindustrie wurde pladur als erstes bandbeschichtetes Produkt eingesetzt und hat auch heute noch seinen festen Platz. Denn in den vergangenen 60 Jahren hat thyssenkrupp Steel seine Standards hinsichtlich Werkstoffanforderungen und Oberflächenvielfalt kontinuierlich gesteigert, da pladur nicht nur für lackierte, sondern auch für ein mit Dekorfolie versehenes Produkt steht. Selbst Fassaden- und Garagentorelemente aus Stahl mit der Maserung und Haptik von echtem Holz gehören ins schier unbegrenzte Portfolio. Hohe Anforderungen stellt der Stahlhersteller auch an die Umweltfreundlichkeit im Herstellungsverfahren. Bei der Vorbehandlung verzichtet er auf Chrom und im Beschichtungsprozess auf schwermetallhaltige Pigmente. pladur bietet Ingenieuren, Architekten und Projektentwicklern darüber hinaus enorme Gestaltungsfreiheit: Über 8.000 Farbtöne sind in unterschiedlichen Beschichtungen und zahlreichen Stahlsorten möglich. „pladur ist unsere farbige und funktionale Endlackierung auf Stahl für Premiumhersteller“, sagt Axel Pohl, Vertriebsleiter in der Geschäftseinheit Industry. Stabilität und gute Umformbarkeit zählen zu den wesentlichen Werkstoffeigenschaften.

Blickfang im Bauhaus-Jahr
Im aktuellen Bauhaus-Jubiläumsjahr dürfte die Farbkollektion „bauhausstil naturmatt“ auf verstärktes Interesse stoßen. Die kräftigen Farben und Pastelltöne in mattgehaltener Anmutung machen Fassaden von hochwertigen Geschoss- und Industriebauten auch heute noch zum ästhetischen Blickfang. Mit Designlösungen aus Stahl lassen sich also selbst Ideen der Bauhaus-Schule modern interpretieren.

thyssenkrupp Steel Europe

Der gesamte Beitrag ist erschienen in der Ausgabe STAHL + TECHNIK 1 (2019) Nr. 5, S. 78 ff.