Fachbeitrag Panorama
Der Nordseehafen von Tata Steel IJmuiden im Jahr 2005 - Foto: Tata Steel
14.06.2019

Küstenhüttenwerke – Aspekte ihrer Entwicklung

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Historisch-technologischer Dialog tagte bei Tata Steel in IJmuiden

Küstenhüttenwerke – Aspekte ihrer Entwicklung

Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums des Stahlstandorts IJmuiden hat der Historisch-technologische Dialog, hervorgegangen aus dem ehemaligen Geschichtsausschuss des Stahlinstituts VDEh, am 11. und 12. April eine Tagung in IJmuiden zum Thema Küstenhüttenwerke durchgeführt. Nach Empfang durch Luc Bol, Managing Director Tata Steel IJmuiden, hörten die 50 internationalen Teilnehmer zehn Referate über „Küstenhüttenwerke – Aspekte ihrer Entwicklung“. Das Programm beinhaltete auch eine Tour über das Tata-Steel-Gelände mit einem Stopp bei der Hisarna-Versuchsanlage.

Der vollständige Artikel ist erschienen in STAHL+TECHNIK 1 (2019) Nr. 6/7, S. 151 ff.

Auf Anregung von Manfred Rasch hat der Historisch-technologische Dialog die Entstehung der Küstenhüttenwerke untersucht. Erste Küstenhüttenwerke entstanden in ganz Europa gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Sie waren nicht mehr den Lagerstätten für Eisenerz oder Kohle geschuldet, sondern eine Umsetzung des Thünenschen Lagemodells (1826), das erstmals Rohstoffe und Absatzmärkte in Korrelation setzte und nun erfolgreich auf die Eisen- und Stahlindustrie übertragen wurde. Die Tagung sollte die unterschiedlichen politischen und ökonomischen Entstehungsfaktoren sowie unternehmerische Entscheidungen einzelner Hüttenstandorte beleuchten und im Verlauf der Zeit betrachten.

Mit einem Bericht über die Historie des Stahlstandorts IJmuiden, heute Tata Steel Europe, eröffnete Gerard Tijhuis, einer der beiden Organisatoren vor Ort, die Reihe von Referaten. Die niederländische Rohstahlindustrie war durch Stahlmangel im Ersten Weltkrieg entstanden, als England und Deutschland kriegsbedingt als Lieferanten ausfielen. Eine Gruppe Industrieller und Bankiers initiierte den Bau eines eigenen Stahlwerks in Holland. Die Tiefseeanbindung in ­IJmuiden war ein Grund für den Standort, andere die Stabilität der Böden und der billige Bodenpreis der damals noch agrarischen Gegend. Außerdem gab die Stadt Amsterdam einen Millionenbetrag unter der Bedingung, in IJmuiden anstatt in Rotterdam zu bauen.

Der oberschlesische Montanindustrielle Guido Graf Henckel Fürst von Donnersmarck (1830–1916) sah ebenfalls den Vorteil der Lage von Hüttenwerken am tiefen Wasser, konnten doch Rohstoffe, vor allem Eisenerz, kostengünstiger mit Schiffen transportiert werden als per Bahn nach Oberschlesien. Das Referat von Manfred Rasch über das Eisenwerk Kraft behandelte Deutschlands erstes Küstenhüttenwerk, errichtet 1895 bis 1897 an der Mündung der Oder bei Stettin. Henckel von Donnersmarck sah nicht nur den logistischen Vorteil bei der Verwertung von Eisen, sondern vor allem in der Gewinnung der Beiprodukte der Eisenproduktion (Schlacke zu Zement, Koksgas zur Verstromung). Er bekämpfte damit das Eisenkartell am Rhein, den sogenannten Roheisen-Verband, weshalb er später die Niederrheinische Hütte in Duisburg kaufte.

Autor: Johan van Ikelen, Hoogovens Museum, IJmuiden

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Schlagworte

EntwicklungKüstenhüttenwerkeStahlwerk

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