thyssenkrupp hat seine operative Entwicklung im 3. Quartal des Geschäftsjahres 2025/2026 trotz unverändert anspruchsvoller Marktbedingungen weiter verbessert. Zugleich hat der Konzern seine Neuausrichtung im Rahmen des Strategieprogramms ACES 2030 entschlossen fortgesetzt.
Auftragseingang blieb erwartungsgemäß unter dem hohen Vorjahresniveau, das insbesondere durch eine umfangreiche Auftragserweiterung bei Marine Systems geprägt war. Der Umsatz lag über dem Vorjahresquartal, unter anderem getragen durch eine gestiegene Nachfrage. Auch das Bereinigte EBIT verbesserte sich gegenüber dem Vorjahresquartal. Unterstützt wurde diese Entwicklung durch das Performanceprogramm APEX. Auf dieser Basis hat der Konzern die Bandbreite für die Gesamtjahresprognose für das Bereinigte EBIT und den Jahresüberschuss nach oben eingegrenzt. Die Umsatzprognose wurde im oberen Bereich präzisiert. Der Ausblick für den Free Cashflow vor M&A wurde bestätigt.
Miguel López, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG:
„thyssenkrupp gewinnt weiter an operativer Stärke und an strategischer Klarheit. Wir steigern unsere Leistungsfähigkeit und verbessern kontinuierlich unsere Ergebnisse. Gleichzeitig treiben wir die Umsetzung unseres Transformationskurses deutlich voran: Die geplante Börsennotierung von tk accelis, die Fortschritte bei der Neuaufstellung von Steel Europe und die starke Position von TKMS zeigen, dass unser Zukunftsmodell nicht nur Gestalt annimmt, sondern auch trägt: starke, eigenständige Segmente mit klarer strategischer Perspektive unter dem Dach einer schlanken Finanzholding. Damit ermöglichen wir attraktive Zukunftsaussichten für unsere Mitarbeitenden und eine direkte Partizipation an Wertkristallisierungen für unsere Anteilseigner – diesen Kurs werden wir konsequent fortsetzen.“
Kennzahlen thyssenkrupp Konzern im 3. Quartal 2025/2026
Der Auftragseingang belief sich im 3. Quartal (April bis Juni) auf 7,7 Mrd. € und lag damit unter dem Vorjahreswert von 10,1 Mrd. €. Wesentlicher Grund hierfür war die im Vorjahresquartal verbuchte Auftragserweiterung im Unterwasserbereich über zwei weitere U-Boote für Südostasien sowie der Abschluss eines großen Servicevertrags für die Bundesdeutsche Marine bei Marine Systems. Bei Automotive Technology führten die rückläufige Nachfrage im automobilen Seriengeschäft und der Struktureffekt aus dem Verkauf des Kerngeschäfts von Automation Engineering zu einem niedrigeren Auftragseingang. Auch bei Decarbon Technologies lag der Auftragseingang unter dem des Vorjahres. Ursächlich dafür waren kundenseitige Projektverschiebungen im Chemieanlagenbau. Positiv entwickelten sich dagegen Materials Services durch höhere Mengen und Preise sowie Steel Europe, unter anderem durch eine mengenmäßige Steigerung bei Industrie-, Handels- und Automobilkunden gegenüber dem Vorjahr.
Der Konzernumsatz stieg auf 8,8 Mrd. € (Vorjahresquartal 8,2 Mrd. €). Materials Services profitierte von höheren Absatzmengen und gestiegenen Preisen, insbesondere im nordamerikanischen Werkstoffhandel und im internationalen Trading-Geschäft. Auch Steel Europe verzeichnete einen Umsatzanstieg. Bei Marine Systems erhöhte sich der Umsatz aufgrund erzielter Projektfortschritte vor allem im Neubaugeschäft sowie bei Marineelektronik. Demgegenüber lagen die Umsätze von Automotive Technology und Decarbon Technologies als Folge der niedrigeren Auftragseingänge unter dem Vorjahresniveau.
Das Bereinigte EBIT verbesserte sich im Vergleich zum Vorjahr um 28 Mio. € auf 183 Mio. €. Trotz eines weiterhin niedrigeren Erlösniveaus erzielte Steel Europe erneut den größten Ergebnisbeitrag, vor allem durch positive Effekte aus dem Restrukturierungs- und APEX-Programm sowie durch Vorteile bei den Rohstoffkosten. Materials Services verzeichnete ebenfalls einen deutlichen Ergebnisanstieg und profitierte von positiven Effekten aus den Effizienz- und Restrukturierungsprogrammen sowie höheren Preisen und Absatzmengen. Marine Systems steigerte das Bereinigte EBIT durch weitere Projektfortschritte im Neubaugeschäft und im Bereich Marineelektronik. Belastend wirkten hingegen die rückläufigen Ergebnisse bei Automotive Technology. Ursächlich hierfür waren neben dem geringeren Absatzvolumen gestiegene Sonderfrachten. Bei Decarbon Technologies führten die Umsatzrückgänge sowie projektbezogene Mehrkosten im Zementanlagenbau zu einem niedrigeren und negativen Ergebnis.
Insgesamt erzielte thyssenkrupp im 3. Quartal einen Periodenüberschuss von 34 Mio. €. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr (Vorjahreswert: -255 Mio. €) ergibt sich u.a. aus einem positiven bilanziellen Effekt von 131 Mio. € bei Steel Europe im Zusammenhang mit dem Verkauf der Anteile an der Hüttenwerke Krupp Mannesmann (HKM). Das Netto-Ergebnis nach Abzug der Minderheitenanteile lag bei 0 Mio. € (Vorjahr: -278 Mio. €); das Ergebnis je Aktie betrug 0,00 € (Vorjahr: -0,45 €).
Das Eigenkapital hat sich zum Stichtag 30. Juni 2026 auf 10,9 Mrd. € (31. März 2026: 10,3 Mrd. €) verbessert. Dazu hat unter anderem ein positiver Bewertungseffekt aus der Beteiligung an TK Elevator in Höhe von rund 0,5 Mrd. € beigetragen, der im Zusammenhang mit dem geplanten Veräußerungsprozess an Kone steht. Die Eigenkapitalquote weist einen komfortablen Wert von 37 Prozent auf.
Der Free Cashflow vor M&A lag bei -114 Mio. € (Vorjahr: -227 Mio. €) und verbesserte sich insbesondere aufgrund höherer Ergebnisbeiträge sowie weiterer eingeplanter Zahlungen der öffentlichen Hand im Zusammenhang mit der Direktreduktionsanlage bei Steel Europe.
Das Netto-Finanzguthaben lag zum Stichtag 30. Juni 2026 bei 2,6 Mrd. € (31. März 2026: 2,8 Mrd. €). Darin enthalten ist der Mittelzufluss eines hohen zweistelligen Millionen-Euro-Betrags aus dem im Juni abgeschlossenen Verkauf der verbleibenden 15-prozentigen Beteiligung an der Acciai Speciali Terni S.p.A. (AST) an die italienische Arvedi Gruppe. Die verfügbare Liquidität (flüssige Mittel und freie zugesagte Kreditlinien) belief sich auf 5,3 Mrd. €. Darin enthalten ist eine mit einem internationalen Bankenkonsortium im Juni abgeschlossene Bar-Kreditlinie in Höhe von 1,7 Mrd. €.
Konzernprognose für das Geschäftsjahr 2025/2026
Vorbehaltlich des anhaltend herausfordernden Marktumfelds präzisiert thyssenkrupp die Konzernprognose für das Geschäftsjahr 2025/2026: Für das Bereinigte EBIT wurde die Bandbreite nach oben eingegrenzt: Der Konzern erwartet nun einen Wert zwischen 600 und 900 Mio. € (zuvor: zwischen 500 und 900 Mio. €). Der Jahresüberschuss wird in einer Spanne zwischen -700 und -400 Mio. € erwartet (zuvor: -800 bis -400 Mio. €). Der Konzernumsatz wird in einer Spanne von -3 % bis -1 % gegenüber dem Vorjahr erwartet (zuvor: -3 % bis 0 %). Für den Free Cashflow vor M&A wird unverändert ein Wert zwischen -600 und -300 Mio. € prognostiziert.
Dr. Axel Hamann, Finanzvorstand der thyssenkrupp AG:
„Die Zahlen zeigen: Unsere Maßnahmen zur Performance-Steigerung wirken. Die Eingrenzung unserer Prognose für das Bereinigte EBIT nach oben unterstreicht dies – insbesondere vor dem Hintergrund eines weiterhin anspruchsvollen Marktumfelds. Mit der neuen Kreditlinie sichern wir uns zudem zusätzlichen finanziellen Handlungsspielraum für die weitere Transformation des Konzerns.“
Strategische Entwicklung im 3. Quartal 2025/2026
thyssenkrupp setzt die Transformation des Konzerns im Rahmen des Zukunftsmodells ACES 2030 weiter fort. Im Mittelpunkt steht die Weiterentwicklung der thyssenkrupp AG zu einer Finanzholding mit starken, eigenverantwortlichen Unternehmen unter einem Dach.
Automotive Technology treibt seine Transformation in einem herausfordernden Marktumfeld weiter voran. Mit der geplanten Fokussierung des US-Produktionsnetzwerks und der Neuausrichtung seiner Entwicklungsaktivitäten in Ungarn hat das Segment erneut strukturelle Maßnahmen auf den Weg gebracht. Damit passt Automotive Technology seine Strukturen und Kapazitäten gezielt an veränderte Kundenanforderungen, Volumenentwicklungen und Kostenstrukturen an. Gleichzeitig leisten die eingeleiteten Restrukturierungen und operativen Verbesserungsmaßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und zur nachhaltigen Verbesserung der Ertragskraft.
Decarbon Technologies richtet seine Geschäfte weiter auf Leistungsfähigkeit, Skalierbarkeit und Zukunftsfähigkeit aus. Rothe Erde stärkt mit einer neuen internationalen Holdingstruktur und der Initiative REnew die globale Steuerung, Vernetzung und Zusammenarbeit. Uhde stärkt seine Position als Technologiepartner mit einem Angebot von der Lizenzierung bis zur Planung, Beschaffung und Errichtung kompletter Anlagen. Neue Aufträge für die frühe technische Planung eines großskaligen Green-Ammonia-Projekts in Brasilien sowie eines Green-Ammonia-Projekts in Indien unterstreichen die Expertise bei nachhaltigen Ammoniaklösungen. Polysius fokussiert sich auf Technologie-, Prozess- und Lifecycle-Lösungen zur Verbesserung der Effizienz und Leistungsfähigkeit industrieller Anlagen. Mit der CI4C-Pure-Oxyfuel-Anlage in Mergelstetten demonstrierte das Unternehmen zudem eine Schlüsseltechnologie zur CO₂-Abscheidung in der Zementindustrie. Das neu ausgegliederte Unternehmen thyssenkrupp Calvion bündelt das Dekarbonisierungsgeschäft und entwickelt Technologien wie Pure Oxyfuel bis zur industriellen Anwendung weiter. thyssenkrupp nucera vereinbarte mit Bharat Heavy Electricals Limited (BHEL) eine strategische Kooperation zur schrittweisen Lokalisierung der Fertigung von Elektrolyseurmodulen in Indien.
Materials Services bereitet sich sehr fokussiert auf die Eigenständigkeit vor. Seit Juni tritt das Segment unter der neuen Marke „tk accelis" auf – und bringt damit den Wandel vom reinen Werkstoffhändler zum integrierten Lieferkettendienstleister zum Ausdruck. Nach der Zustimmung der Aktionärinnen und Aktionäre der thyssenkrupp AG zur Abspaltung einer Minderheitsbeteiligung ist eine Börsennotierung der tk accelis Group AG & Co. KGaA im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse noch im laufenden Kalenderjahr vorgesehen. Im Juli fand bereits der erste eigene Kapitalmarkttag statt, um das eigenständige Unternehmen und seine Perspektiven vorzustellen. Strategisch hat das Segment seine Verarbeitungskapazitäten für Kupfer in Nordamerika weiter ausgebaut. Zudem hat tk accelis seinen ersten Standort in Japan eröffnet, um Kunden mit Lösungen rund um resiliente Lieferketten zu bedienen.
Steel Europe setzt seine strategische Neuaufstellung weiterhin planmäßig fort. Mit dem Verkauf der Anteile an der HKM an die Salzgitter AG wurde ein wesentlicher Meilenstein auf diesem Weg erreicht. Das durch einen Brand beschädigte neue Warmbandwerk 4 in Duisburg hat seinen Probebetrieb im abgelaufenen Quartal erfolgreich wieder aufgenommen. Der Bau der Direktreduktionsanlage in Duisburg schreitet voran. Auf der regulatorischen Ebene unterstützt die von der Europäischen Union im Juli umgesetzte Stärkung des Handelsschutzes für Stahlprodukte die Bemühungen um fairere Wettbewerbsbedingungen für die europäische Stahlindustrie.
Zugleich setzt sich thyssenkrupp Steel gemeinsam mit anderen führenden europäischen Stahlherstellern für eine Reform des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) ein. Ziel ist ein regulatorischer Rahmen, der die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie sichert und Investitionen in die Dekarbonisierung unterstützt. Um Investoren und Analysten einen transparenten Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung und den Fortschritt der strategischen Neuausrichtung zu geben, plant thyssenkrupp Steel Europe für Ende September einen Kapitalmarkttag. Die Verselbstständigung von thyssenkrupp Steel Europe mit einer eventuellen Minderheitsbeteiligung der thyssenkrupp AG bleibt das erklärte strategische Ziel.
TKMS (Segment Marine Systems) setzt seinen erfolgreichen Weg als eigenständiges Unternehmen eindrucksvoll fort. Mit mehr als 20 Mrd. € stand zum 30. Juni 2026 der Auftragsbestand weiterhin auf historisch hohem Niveau. Darüber hinaus konnte TKMS im Juli 2026 große Erfolge bei zwei strategisch wichtigen Programmen erzielen: So wurde TKMS zum einen als bevorzugter Lieferant für das kanadische U-Boot-Programm ausgewählt. Das Programm, in dessen Rahmen bis zu zwölf 212CD-U-Boote geliefert werden sollen, wäre bei finaler Vertragszeichnung der größte Einzelauftrag in der Geschichte von TKMS. Zum anderen wurde im Bereich Überwasser ebenfalls im Juli der Vertrag zur Beschaffung von vier TKMS-Fregatten des Typs MEKO® A-200 DEU mit der Option auf weiteren vier für die Deutsche Marine unterzeichnet. Hierbei handelt es sich um den größten Überwasser-Auftrag in der Geschichte von TKMS. Mit dem spanischen Unternehmen Navantia S.A. prüft TKMS weiterhin eine strategische Zusammenarbeit bei Marineprojekten in Europa und weltweit.
(Quelle: thyssenkrupp AG)