Im April 2026 erteilte thyssenkrupp Steel am Standort Duisburg in Deutschland die Endabnahmebescheinigung (Final Acceptance Certificate, FAC) für die Brammenstranggießanlage Nr. 4 von Primetals Technologies. Mit dem erfolgreichen Abschluss des Projekts erweitert thyssenkrupp Steel sein Produktportfolio deutlich und richtet es noch konsequenter auf künftige Marktanforderungen aus – mit einem klaren Schwerpunkt auf margenstarken Premiumprodukten.
„Bereits in der Hochlaufphase der Anlage wurden die qualitativen Vorteile der neuen Technik und ihr Potenzial für neue Güten deutlich. So bestätigten wir das geplante Anlagenkonzept sehr früh“, sagte Chris Lindner, Bereichsleiter Upstream Operations bei thyssenkrupp Steel.
Flexible und zukunftssichere Produktion
Im Rahmen des Projekts wurde die bisher kombinierte Gieß- und Walzlinie in zwei eigenständige Aggregate aufgeteilt: eine umfassend modernisierte Stranggießanlage und ein erneuertes Warmbandwerk.
Durch die Neukonfiguration und Entkopplung von Stranggießen und Walzen nutzt thyssenkrupp Steel die Kapazitäten im vorgelagerten Stahlwerk besser aus. Das Unternehmen steigerte die Gesamteffizienz des Prozesses und gewann zusätzliche Flexibilität in der Brammenlogistik und in der Prozessführung.
Die neue Anlage ermöglicht deutliche Verbesserungen der Brammenqualität. Die von Primetals Technologies gelieferte Technik erfüllt insbesondere die hohen Anforderungen an die Herstellung anspruchsvoller Güten wie Mehrphasenstähle, hochfeste Stähle und weiterentwickelte Materialien für E-Mobilitätsanwendungen vollständig.
Damit stärkt thyssenkrupp Steel seine langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Das Unternehmen stellt die zuverlässige Versorgung von Kunden in anspruchsvollen Marktsegmenten sicher – etwa mit Siliziumstählen für Anwendungen der E-Mobilität, für Motoren und Generatoren sowie mit hochfesten Stählen für den Automobilbereich.
Starke Partnerschaft als Erfolgsfaktor
Das Projekt stellte die beteiligten Teams vor mehrere Herausforderungen. Dazu zählte ein äußerst enger Terminplan mit nur minimal zulässigen Eingriffen in die laufende Produktion. In Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 1.000 Personen gleichzeitig auf der Baustelle. Sie folgten einem exakt abgestimmten Ablauf- und Terminplan. Jede Abweichung erforderte schnelle und zum Teil unkonventionelle Lösungen.
„Die erfolgreiche Umsetzung dieses Projekts basiert auf der langjährigen, vertrauensvollen Partnerschaft zwischen thyssenkrupp und Primetals Technologies. Auf Basis zahlreicher gemeinsamer, erfolgreich abgeschlossener Projekte intensivieren beide Unternehmen ihre Zusammenarbeit weiter und treiben Innovationen voran“, sagte Olaf Meininghaus, verantwortlich für Vertrieb und Geschäftsentwicklung zwischen Primetals Technologies und thyssenkrupp.
Um die Projektdauer zu verkürzen, montierten die Projektteams zentrale Komponenten vorab vor und testeten sie umfangreich. Die Montage vor Ort verlief dadurch besonders reibungslos und effizient. Gleichzeitig integrierte Primetals Technologies ausgewählte Bestandskomponenten nahtlos in die neue Anlage.
So reduzierten die Projektpartner Stillstandszeiten auf ein Minimum. Ein gemeinsamer, lösungsorientierter Ansatz und die starke Unterstützung durch thyssenkrupp Steel und Primetals Technologies bildeten die Grundlage, um den anspruchsvollen Terminplan und die Leistungsziele des Projekts zu erreichen.
Brammenstranggießanlage auf dem neuesten Stand der Technik
Die modernisierte Brammenstranggießanlage Nr. 4 mit zwei Strängen umfasst fortschrittliche mechanische Lösungen und ein hochentwickeltes Automationspaket. Das DynaWidth-System für die Kokillenbreitenverstellung ermöglicht schnelle und flexible Anpassungen der Brammenbreite. Der hydraulische DynaFlex-Oszillator verbessert die Strangoberflächenqualität, indem er die Oszillationsparameter der Kokille optimal anpasst.
Das Level-2-Automationssystem CC Optimizer verfügt über Module wie Dynacs 3D, das eine optimale Sekundärkühlung sicherstellt. EcoStar-Spiralrollen unterstützen Trockengießen sowohl im Bogen als auch im Horizontalbereich. Im Horizontalbereich entfällt die Spritzkühlung vollständig. Im Bogen lässt sich die Sekundärkühlung deutlich reduzieren oder vollständig abschalten.
Die Kombination dieser Technologien stellt sicher, dass die Brammen ein ideales Temperaturprofil für das Direktwalzen erreichen. Dies ermöglicht das Verzichten auf Wiedererhitzungsöfen, was zu erheblichen Energieeinsparungen führt.
Gleichzeitig bleiben anspruchsvolle Brammen in dem engen Temperaturfenster, das für das Walzen hochfester und hochsiliziumhaltiger Stähle erforderlich ist, da diese bei nicht optimaler Temperatur besonders rissempfindlich sind. Der Wegfall der Sekundärkühlung im horizontalen Strangführungsbereich senkt den Wartungsbedarf deutlich und reduziert damit die Betriebskosten (OPEX)
(Quelle: Primetals Technologies)
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