Wirtschaft
Die beim Großanlagenbau in Deutschland verbuchten Auftragseingänge lagen 2019 stabil auf Vorjahresniveau - Foto: thyssenkrupp
14.04.2020

VDMA: Großanlagenbau behauptet sich in schwierigem Umfeld

Deutlich mehr Großaufträge als noch im Vorjahr

Die von den Mitgliedern der VDMA Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau (AGAB) in Deutschland verbuchten Auftragseingänge lagen 2019 mit 18,3 Mrd. € stabil auf Vorjahresniveau. Damit konnten sich die Unternehmen in einem volatilen Marktumfeld, das von starkem Preis- und Wettbewerbsdruck sowie vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt war, gut behaupten.

Besonders erfreulich war, dass die Mitglieder der AGAB 2019 deutlich mehr Großaufträge als noch im Vorjahr verbuchen konnten. Bei diesen zumeist schlüsselfertigen EPC-Projekten spielen neben der Planung immer häufiger auch Bau, Betrieb und Wartung der Anlagen eine wichtige Rolle. Die inländischen Bestellungen legten 2019 um 2 % auf 3,6 Mrd. € (2018: 3,5 Mrd. €) zu. Bemerkenswert war die Entwicklung im Markt für thermische Kraftwerke, hier stiegen die Auftragseingänge um 83 % auf 1,0 Mrd. € (2018: 547 Mio. €). Hier standen jedoch vielmehr Modernisierungsprojekte sowie Services im Blickpunkt. Nowicki: „Dass sich dieser Aufschwung in den nächsten Jahren fortsetzen könnte, ist angesichts des absehbaren Endes der Kernenergie und der Kohleverstromung in Deutschland unwahrscheinlich.“

USA waren 2019 der wichtigste Exportmarkt

Die Bedeutung des Auslandsgeschäfts im Großanlagenbau bleibt hoch. 2019 lag die Exportquote wie im Vorjahr bei 81 %, das Auftragsniveau erreichte einen Wert von 14,7 Mrd. € (2018: 14,8 Mrd. €). Die USA waren aufgrund mehrerer Großaufträge für metallurgische Anlagen der wichtigste Auslandsmarkt für den VDMA-Großanlagenbau (1,5 Mrd. €). Darüber hinaus wurden Buchungen im Wert von mindestens 1 Mrd. € aus Russland, China und Singapur gemeldet. Aufträge für bedeutende Großprojekte wie etwa ein Pumpspeicherkraftwerk, eine Papierfabrik und ein großes Gaskraftwerk gingen darüber hinaus aus Australien, Schweden und Brasilien ein. Die Nachfrage nach Großanlagen im Nahen und Mittleren Osten sank hingegen auf den niedrigsten Wert seit 17 Jahren.

Wegbereiter einer nachhaltigen Industrieproduktion

Die Pläne vieler Staaten, den Klimawandel einzudämmen und dafür Technologien zur Einsparung von Energie und Treibhausgasen zu nutzen, werden konkreter. Dem VDMA-Großanlagenbau eröffnen diese Bemühungen die Chance, neue Angebote am Markt zu platzieren. Beispiele für die Leistungsfähigkeit des VDMA-Großanlagenbaus sind Anlagen für eine CO2-freie Energieerzeugung, Verfahren zum Recycling von Metallen oder Kunststoffen sowie Systeme zur Vermeidung von Emissionen. Darüber hinaus liefert der Großanlagenbau Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff, der in der Energiewirtschaft der Zukunft als Stromspeicher und Energieträger eine zentrale Rolle spielen könnte. „Als Voraussetzung für die Etablierung eines solchen nachhaltigen Systems muss die Politik jedoch rasch verlässliche Rahmenbedingungen – etwa für den weiteren Ausbau der Windkraft – schaffen, auf Basis derer die Unternehmen wirtschaftlich tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln können“, mahnt der AGAB-Sprecher zügiges Handeln an. Denn ohne die Nutzung erneuerbarer Energien kann kein Sektor entscheidende Beiträge zum Klimaschutz erbringen: „Grüner“ Wasserstoff und der Ausbau der regenerativen Energien bedingen sich gegenseitig.

Hohe Unsicherheiten aufgrund Corona-Pandemie und fallendem Ölpreis

Die grassierende Corona-Pandemie und der kollabierende Ölpreis führen derzeit zu extremen Unsicherheiten auf den Märkten des Großanlagenbaus. Die kurz- bis mittelfristigen Aussichten für den Industriezweig lassen sich daher nicht seriös prognostizieren. Zum jetzigen Zeitpunkt erscheint ein Rückgang der Auftragseingänge im Jahr 2020 als unvermeidlich. Selbst ein Einbruch der Bestellungen wie in der Finanzkrise 2009 kann nicht ausgeschlossen werden. 

VDMA

Einen ausführlichen Beitrag über den aktuellen Lagebericht des VDMA finden Sie in der kommenden Mai-Ausgabe von STAHL + TECHNIK, die am 5. Mai 2020 erscheinen wird.

Schlagworte

GroßanlagenbauUnternehmen

Verwandte Artikel

17.02.2026

Klöckner & Co SE empfiehlt Annahme des Übernahmeangebotes von Worthington Steel

Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Klöckner & Co SE haben am 13. Februar 2026  ihre gemeinsame begründete Stellungnahme zum freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot...

Anlagen Aufsichtsrat Entwicklung Essen EU Finanzierung Gesellschaft Goldman Sachs HZ Inc. ING Kartellrecht Messe Nordamerika Partnerschaft Presse Refinanzierung Service Strategie Swoctem Übernahme Unternehmen USA Vereinbarung Verkauf Vorstand Wirtschaft
Mehr erfahren
17.02.2026

Stahl Krebs wird Vertriebspartner von Alleima

Der Solinger Stahlhändler nimmt die Premium-Messerstähle des schwedischen Herstellers in sein Sortiment auf

Deutschland Distribution Edelstahl EU IBU Industrie ING Legierungen Lieferung Logistik Messe Nachhaltigkeit Partnerschaft Produktion Schmieden Service Spezialstahl Stahl Stahlherstellung Stahlproduktion Unternehmen USA Vertrieb Zertifikat Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Brammen im Werk in Tornio
16.02.2026

Outokumpu: Geschäftsbereich Europa schwächelt

Für Outokumpu endete das Geschäftsjahr schwach, geprägt von Gegenwind im Geschäftsbereich Europa. Das bereinigte EBITDA im Zeitraum Januar–Dezember 2025 betrug 167 Mio. €...

ABB Beizlinie Chrom Dekarbonisierung Deutschland Edelstahl Einsparung Ergebnis EU Finnland Geschäftsjahr Handel IBU ING Investition Krefeld Kreislaufwirtschaft Legierungen Lieferung Machbarkeitsstudie Nachhaltigkeit Optimierung Produktion Restrukturierung Rohstoffe Schweden Stahl Stahlwerk Strategie Studie Unternehmen USA Verkauf Werkstoff Werkstoffe Wettbewerb Wirtschaft Zahlen
Mehr erfahren
Steven Endress (links) wird neuer Präsident des Endress+Hauser Verwaltungsrats und folgt damit auf Matthias Altendorf (rechts). Sandra Genge (Zweite von links) ist zur stellvertretenden Vorsitzenden des Familienrats ernannt worden. Sie soll die Nachfolge von Dr. h. c. Klaus Endress (Zweiter von rechts) antreten, der angekündigt hat, 2027 als Vorsitzender zurückzutreten.
13.02.2026

Wechsel im Endress+Hauser Verwaltungsrat

Der Generationswechsel in der Endress+Hauser Gruppe setzt sich fort. Nun wird es auch an der Spitze des Verwaltungsrats zu einem Wechsel kommen.

Ausbildung Automatisierung Bund Entwicklung Essen EU Generalversammlung Gesellschaft HZ Industrie ING Karriere Schweiz Software Technik Unternehmen USA Verwaltungsrat Weiterbildung Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Dr. Christian Morawetz, Chief Operating Officer (COO) bei der RATH AG
13.02.2026

Veränderung im Vorstand der Rath AG

Zum 1. Januar 2026 hat Dr. Christian Morawetz (45) die Position des Chief Operating Officer (COO) übernommen.

Aufsichtsrat Automation Dekarbonisierung Energie Energieeffizienz Entwicklung EU Feuerfest Forschung Fraunhofer Industrie ING Innovation Marktbedingungen Produktion Rath AG Schienen Stahl Stahlindustrie Temperatur Transformation Unternehmen Vorstand Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren