Technik
Das neu entwickelte Verfahren des IZFP wird signifikante Informationen über die Belastbarkeit und Lebensdauer von Stahlbauteilen liefern - Foto: 2427999/Pixabay
04.05.2020

Bildgebende Echtzeitanalyse von Stahlbauteilen

"Lebendige" Bilder sollen die Qualitätssicherung von Stahlbauteilen verbessern

Ultraschallbilder eines ungeborenen Kindes: Gestochen scharf und brillant vermitteln sie eine nahezu fotorealistische Detailgenauigkeit und einen tiefgehenden Eindruck des Kindes im Mutterleib. Das Fraunhofer-Institut für Zerstörungsfreie Prüfverfahren IZFP forscht und entwickelt an einem Verfahren, mit dem diese Art "lebendiger" Bilder auch für industrietechnische Anwendungen nutzbar gemacht werden soll: Im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projektes haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Saarbrücker Forschungsinstituts begonnen, ein neuartiges bildgebendes Verfahren zu entwickeln, das in Echtzeit "lebendige" Bilder von Mikrostrukturveränderungen und Spannungsverteilungen liefern wird. Diese Technologie wird auf völlig neuartige Weise signifikante Informationen über die Belastbarkeit und Lebensdauer von Stahlbauteilen liefern.

Materialeigenschaften beeinflussen die Belastbarkeit und Lebensdauer von Stahlbauteilen. Besonders bei sicherheitsrelevanten Bauteilen ist die zuverlässige und schnelle, möglichst echtzeitfähige Qualitätssicherung der Komponenten unumgänglich, um ungewollte Veränderungen des Gefüges und der Eigenspannungen im Material zu verhindern. Derartige Veränderungen können bereits während der Produktion, aber genauso erst nach Inbetriebnahme auftreten. Sie sind durch ihren negativen Einfluss auf die Produktqualität und Einsatztauglichkeit sowohl für die Betriebssicherheit als auch für die Wertschöpfung von hoher Relevanz.

Bisher können Gefüge- und Eigenspannungsverteilungen für die industrielle Qualitätssicherung nicht schnell und zerstörungsfrei erfasst werden, wenn es dabei auf laterale Auflösung oder hohe Tiefenauflösung ankommt. Bei sicherheitsrelevanten Bauteilen unterschiedlicher Größenskalen, z.B. in der Automobil- und Bahnindustrie oder bei Kraftwerkskomponenten, besteht diesbezüglich erheblicher Bedarf.

Mithilfe des neu entwickelten Verfahrens wird ein zerstörungsfrei arbeitendes magnetooptisches System entwickelt und erprobt, das die Verteilung von Mikrogefüge und Spannungen über große Bauteilflächen mit einer oberflächennahen Ortsauflösung von besser als 50 μm bis in eine Tiefe von ca. 1 mm unter der Oberfläche bildgebend und innerhalb weniger Sekunden erfasst.

Prinzipskizze der Bildgebenden Werkstoffanalyse mittels magnetooptischer Sensorik zur schnellen Qualitätssicherung von Stahlbauteilen - Grafik: Fraunhofer IZFP

Die Fähigkeit zur Extraktion und rechnerischen Weiterverarbeitung von Kenngrößen aus magnetooptischen Bildern zur sofortigen Visualisierung der flächigen Verteilung von Materialeigenschaften stellt einen Meilenstein für die Überführung der klassischen zerstörungsfreien Prüfung zu intelligenten, kognitiven Sensorsystemen dar. Eine maßgebliche Rolle spielt dabei die Entwicklung von Materialinnovationen im Rahmen des Industrie-4.0-Konzepts. Diese neue, echtzeitfähige Methode zur Visualisierung von Mikrostrukturveränderungen und Spannungsverteilungen in höchster Qualität legt den Grundstein für eine zerstörungsfreie bildgebende Echtzeit-Werkstoffanalyse, für die ein enormes wissenschaftliches und perspektivisch auch wirtschaftliches Anknüpfungspotenzial besteht.

Fraunhofer IZFP

Schlagworte

ForschungIndustrie 4.0MesstechnikQualitätsmanagement

Verwandte Artikel

Hycamit-Prozessschema
03.07.2026

Hycamite engagiert sich für Wasserstoff in der Stahlindustrie

Hycamite beteiligt sich an einem 17-Millionen-Euro-Forschungsprojekt, dessen Ziel es ist, die gesamte Wertschöpfungskette der Stahlproduktion weiterzuentwickeln.

Anlagen Dekarbonisierung Elektrolyse Emissionen Energie Essen EU Forschung Forschungsprojekt HZ Industrie ING KI Ovako Produktion Recycling Schlacke SSAB Stahl Stahlherstellung Stahlindustrie Stahlproduktion Stahlwerk Transformation Unternehmen Verlag Walz- Wasserstoff Wasserstoffbasiert
Mehr erfahren
03.07.2026

Infrastruktur kann die Kosten für grünen Wasserstoff verdoppeln

Welche Kosten auf deutsche Wasserstoffabnehmer im Jahr 2035 zukommen, zeigt eine Analyse des Fraunhofer IEG mit Partnern des Exzellenzclusters »Integrierte Energiesysteme...

Berlin Dekarbonisierung Deutschland Elektrolyse Energie Energiewirtschaft Entwicklung Ergebnis Essen EU Forschung Fraunhofer Industrie Politik Produktion Studie Transport Umzug Unternehmen Veranstaltung Wasserstoff Wirtschaft
Mehr erfahren
Gesteinskörnung aus Eisenhüttenschlacken
01.07.2026

Nachhaltiges Wirtschaften durch Eisenhüttenschlacken auch 2025

11 Millionen Tonnen Naturgestein und 4 Millionen Tonnen CO2 eingespart

ABB Anlagen Anpassung Baustoffe CO2 Deutschland Eisenhüttenschlacke EU Europa Forschung Hochofen Industrie ING Klima Klimaschutz Konverter Kreislaufwirtschaft Produktion Rohstoffe Schlacke Stahl Stahlherstellung Stahlindustrie Stahlwerk Transformation USA Wirtschaft Zahlen
Mehr erfahren
29.06.2026

thyssenkrupp und GlobalLogic formen strategische Allianz

GlobalLogic und thyssenkrupp starten strategische Partnerschaft zum Einsatz autonomer Robotik und „Physical AI“ in der globalen Schwerindustrie

Anlagen Anlagenbau Architekt Architektur Automatisierung Betriebssicherheit Dekarbonisierung DSV Energie Energiewende Entwicklung Ergebnis Essen EU Forschung Handel HZ IBU Inc. Industrie ING Innovation KI Messung Partnerschaft Produktion Service Software Steuerung Strategie Thyssenkrupp AG Thyssenkrupp Uhde Transformation Unternehmen USA Vorstand Wettbewerb Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Das Team der FGF - Forschungsgemeinschaft Feuerfest e.V. Zweite von rechts: Dr. Kerstin Hauke
15.06.2026

Feuerfest: Versuchsreihe zur Qualitätssicherung

Die Forschungsgemeinschaft Feuerfest e.V. (FGF) setzt einen wichtigen Meilenstein für die Feuerfest-Branche.

Bund Entwicklung Ergebnis EU FGF Forschung HZ Industrie ING KI Optimierung Produktentwicklung Produktion Qualitätssicherung RHI Magnesita Studie Technik Wettbewerb Zusammenarbeit
Mehr erfahren