Foto der Woche
Photo: Michael Gaida auf pixabay
11.09.2020

Dreischeibenhaus in Düsseldorf

Eines der markantesten Wahrzeichen im Herzen der Landeshauptstadt

Das Dreischeibenhaus ist ein 94 Meter hohes Büro- und Verwaltungsgebäude in der gleichnamigen Straße (bis 2013 August-Thyssen-Straße) am Hofgarten im Düsseldorfer Stadtteil Stadtmitte.

Während seiner Nutzung durch den Thyssen- bzw. Thyssen-Krupp-Konzern wurde es auch Thyssen-Haus oder Thyssen-Hochhaus genannt. Es zählt zu den bedeutendsten Zeugnissen der Nachkriegsmoderne im internationalen Stil und gilt als Symbol des sogenannten Wirtschaftswunders.  

1955 aus einem Wettbewerb der Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke hervorgegangen, wurde der mit einer Vorhangfassade bekleidete Stahlskelettbau, dessen Gestalt an parallel zueinander und aufrecht stehende Brammen erinnert, in den Jahren 1957 bis 1960 von den Düsseldorfer Architekten Helmut Hentrich und Hubert Petschnigg zusammen mit den jungen Architekten Fritz Eller, Erich Moser und Robert Walter errichtet. Tragwerkplaner war Kuno Boll.

Der Bauherr war die Phoenix-Rheinrohr AG Vereinigte Hütten- und Röhrenwerke mit ihrem illustren Generaldirektor und Wirtschaftswunder-Vorzeigeunternehmer Fritz-Aurel Goergen (bis 1957), die dort ihren Firmensitz einrichtete (1964 Übernahme durch die Thyssen AG). Deshalb wurde der Bau anfangs auch ‚Prinz Aurels Pyramide‘ genannt.

Im Erdgeschoss war 1961 die damals hochmoderne Datenverarbeitungsanlage IBM 7070 installiert. Seit der Fusion von Thyssen und Krupp im Jahr 1999 war ein Teil des Firmensitzes der ThyssenKrupp AG in dem Hochhaus untergebracht.

Im Frühjahr 2007 verkündete Thyssen seinen Wegzug aus Düsseldorf und verkaufte die Immobilie an die Immobilienfonds-Tochter RREEF der Deutschen Bank. Der Umzug in das Essener Thyssenkrupp-Hauptquartier erfolgte im Juni 2010.  

Konstruktion und Gestaltung

Seine Bezeichnung verdankt das Dreischeibenhaus der Gliederung in drei rechteckige, parallele, gegeneinander versetzte, nur ca. 8,5 m breite Elemente, von denen das mittlere mit 96 Metern und 26 Etagen das höchste ist. Durch das Breite-Höhe-Verhältnis von 1:11 auf einer maximalen Länge von ca. 86 m Länge ergeben die Gebäudeteile die Anmutung großer Scheiben. Sie nehmen auf ihrer gesamten Breite die Bürogrundrisse von insgesamt 33.700 Quadratmetern auf. Die zugehörigen Erschließungsflure sind in den „Fugen“ zwischen den Scheiben angeordnet und treten optisch hinter der Fassade zurück. Dadurch erhält das Gebäude einerseits seine signifikante Optik, andererseits musste man Einbußen in der Funktionalität hinnehmen. Dort, wo sich die Scheiben decken, liegt der Gebäudekern mit Aufzügen und sanitären Anlagen. Durch diese Anordnung wird die Verkehrsfläche stark reduziert. Die freie Aufteilung der Räume ist, insbesondere in den vorspringenden Endstücken und den obersten Geschossen der mittleren Scheibe, eingeschränkt. Dennoch erlaubt das System, dass die Flächen sich sowohl zu Einzelbüros an Fluren aufteilen lassen, als auch zu Großraumbüros, Sitzungssälen und Gemeinschaftsräumen zusammengefasst werden. Aufgrund dieser Eigenschaft galt das Dreischeibenhaus als Prototyp einer neuen Bürohausarchitektur.  

Das Haus ist ein Skelettbau mit steifen Giebelscheiben und einer betont einfachen und klaren Vorhangfassade aus Edelstahl, Aluminium und Glas. Als Besonderheit mag man ansehen, dass im Falle des Thyssen-Hochhauses der Bauherr selbst der Hersteller der für die Tragkonstruktion benötigten Stahlrohre war. Als Stahl-Glas-Kubus repräsentiert das Gebäude die sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den Citys der westlichen Welt etablierenden Bank- und Verwaltungsgebäude nach Grundgedanken des Architekten Ludwig Mies van der Rohe und des Congrès International d’Architecture Moderne.

Schlagworte

DüsseldorfHochhausThyssen

Verwandte Artikel

Im Foyer des Eingang Nord wendet sich die High Potential Area speziell an den Nachwuchs
10.03.2026

wire & Tube 2026 mit High Potential Area und ecoMetals

Das Düsseldorfer Fachmesseduo präsentiert zwei Initiativen, die es in sich haben

Draht Düsseldorf Industrie Kabel Messe Nachwuchs Rohstoffe Stabstahl Tube Unternehmen
Mehr erfahren
David Algermissen, Abteilungsleiter Sekundärrohstoffe/Schlackenmetallurgie im FEhS – Institut für Baustoff-Forschung, welches das Projekt koordiniert hat: „Die Arbeiten mit diesem großartigen Konsortium waren sehr erfolgreich. Es konnte sowohl Basiswissen rund um die Elektroroheisenschlacke aufgebaut werden bis hin zu Pilotversuchen zur Erzeugung von Hüttensand 2.0 im Tonnenmaßstab und die Prüfung im Zement und Beton. Nächste Schritte sind die normativen und rechtlichen Rahmenbedingungen, damit das Material auch zeitnah seinen Weg in den Markt finden kann, sobald die Schlacke bei thyssenkrupp entsteht.“ Das im Jahr 2021 gestartete Forschungsvorhaben „SAVE CO2“ von thyssenkrupp Steel, Heidelberg Materials, dem Institut für Technologien der Metalle der Universität Duisburg-Essen, Fraunhofer UMSICHT und FEhS-Institut wurde im Rahmen der Fördermaßnahme KlimPro-Industrie vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie der Europäischen Union/NextGenerationEU gefördert und durch den DLR Projektträger betreut.
05.03.2026

Schlacken aus dekarbonisierter Stahlherstellung für Zement geeignet

Neue Schlacken, die bei der dekarbonisierten Stahlherstellung auf der Direktreduktionsroute im Einschmelzer entstehen, eignen sich als latent hydraulische Bindemittel in...

Bund CO2 CO2-Emissionen Direktreduktion Duisburg Einsatzstoffe Eisenschwamm Emissionen Energie Ergebnis Essen EU Forschung Forschungsprojekt Fraunhofer Hochofen Industrie ING Klima Metallurgie Produktion Roheisen Rohstoffe Schmelze Stahl Stahlherstellung Technik Thyssen thyssenkrupp Umwelt Wirtschaft
Mehr erfahren
Standort von HKM
09.02.2026

Salzgitter AG als alleinige Gesellschafterin von HKM geplant

thyssenkrupp Steel und die Salzgitter AG haben nach Verhandlungen eine Einigung zur Fortführung der HKM erzielt.

CO2 EU Gesellschaft Industrie ING Lieferung Salzgitter Salzgitter AG Stahl Stahlerzeugung Thyssen thyssenkrupp Transformation Transformationsprozess Vallourec Vereinbarung Verkauf
Mehr erfahren
Mold Expert Fiber bietet Echtzeiteinblicke in Stranggusskokillen und unterstützt so die Entwicklung neuer Werkstoffe
06.02.2026

HKM setzt auf innovative Gießtechnologie von Primetals Technologies

Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH (HKM), ein führender deutscher Stahlhersteller, hat sich für Mold Expert Fiber von Primetals Technologies für sein Duisburger Werk e...

Blockguss Bramme Duisburg Entwicklung EU Hüttenwerk Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH HZ Industrie KI Messung Primetals Pulver Salzgitter Stahl Strangguss Temperatur Thyssen thyssenkrupp USA Vallourec
Mehr erfahren
02.02.2026

Vorstandsverträge von Ilse Henne und Dr. Volkmar Dinstuhl verlängert

Der Aufsichtsrat der thyssenkrupp AG hat in seiner Sitzung am 29. Januar 2026 die Vorstandsverträge von Ilse Henne und Dr. Volkmar Dinstuhl um weitere fünf Jahre bis zum...

Aufsichtsrat Automotive DSV EU HZ ING Service Steuerung Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp AG Transformation Unternehmen USA Zusammenarbeit
Mehr erfahren