Fachbeitrag Technik
Miniaturdarstellung des ersten Hochofens von 1837 - Foto: Wikipedia
01.10.2019

Chemie der Alkalien unter Hochofenbedingungen

Bei dieser Veröffentlichung handelt es sich um eine Artikelvorschau aus unserer Fachzeitschrift STAHL + TECHNIK. Den vollständigen Artikel können Sie hier im E-Paper lesen. Im aktuellen Heft sowie im Archiv finden Sie viele weitere interessante Berichte. Schauen Sie doch dort mal vorbei.
Stahl + Technik (Artikelvorschau)

Betrachtung des Alkalikreislaufs im Hochofen

Chemie der Alkalien unter Hochofenbedingungen

Die Auswirkungen von Alkalien und insbesondere Kalium im Hochofen haben eine fast 200-jährige Geschichte. Sie gelangen in den Hochofen als untergeordnete Komponenten des Möllers, des Kokses und der Injektionskohle und haben negative Auswirkungen auf den Hochofenbetrieb. Sie fördern die Boudouard-Reaktion mit dem Koks bei unter 1.100 °C, den mechanischen Koksabrieb und den Verschleiß des kohlenstoffhaltigen Feuerfestmaterials. Die Alkalien zirkulieren im Hochofen wegen unterschiedlicher Bedingungen zwischen Gicht und Stichloch sowie des Gegenstrombetriebs. Der SiO2- und Al2O3-Anteil der Koksasche führt im Hochofen zur Bildung von Alkalialuminiumsilikaten. Sie haben refraktäre Eigenschaften und sind hochtemperaturstabil. Ein ausreichender Blick auf die Chemie der Alkalien unter Hochofenbedingungen hilft, ihre Wirkung genauer einzuschätzen.

Der vollständige Artikel ist erschienen in STAHL+TECHNIK 1 (2019) Nr. 10, S. 30 ff.

Die Auswirkungen von Alkalien und insbesondere Kalium im Hochofen haben eine lange Geschichte. Im Jahr 1835 wird die Ausscheidung einer weißen Masse auf der Außenseite des feuerfesten Mauerwerks etwas oberhalb der Blasformen beschrieben bestehend aus K2CO3 und KCN [1]. In der Folgezeit ist die Bildung der Alkalicyanide im Hochofen intensiv untersucht worden [2…4]. Die Ergebnisse führten zur Herstellung des ersten vollsynthetischen Farbstoffes (Berliner Blau) [5] und zur Entwicklung eines Verfahrens zur Fixierung atmosphärischen Stickstoffs durch die Herstellung Alkalicyanid im Schachtofen und nachfolgender Hydrolyse zu Ammoniak in den USA [6; 7]. Alkalien verursachen im Hochofen einen erhöhten Koksverbrauch, eine zunehmende Bildung von Koksabrieb, eine Ansatzbildung im Schacht und einen Verschleiß des feuerfesten Kohlenstoffs im Gestell. Ihr Eintrag ist deshalb zumeist auf etwa 2,5 kg/tHM begrenzt [8…11]. 

Die Alkalien gelangen als untergeordnete Begleitmineralien, zumeist Kaliumaluminiumsilikate, von Erz, Koks und Kohle in den Hochofen [12; 13]. Der Eintrag von Natrium erfolgt hauptsächlich als Chlorid und resultiert aus der Verwendung von Brauchwasser für die nasse Aufbereitung von Erz und Kohle sowie der Löschung des Kokses [14…16]. Mit dem Staub werden bis zu 20 % der Alkalien ausgebracht. Ihr überwiegender Teil verlässt den Hochofen mit der Schlacke.

Wegen ihres refraktären Charakters werden die Aluminiumsilikate der Alkalien erst im Bereich der Wirbelzone mit seiner hohen Temperatur partiell zu Alkalimetalldampf reduziert und dann mit dem Gas in den oberen Teil des Ofens transportiert. Dabei entstehen neue Alkaliverbindungen wie Cyanide und Carbonate. Sie scheiden sich auf dem festen Möller und Koks ab und werden so wieder nach unten transportiert, wo sie dann wieder verdampft werden und damit einen internen Kreislauf schließen. Für das Verhalten der Alkalien im Hochofen spielen Schmelztemperatur und Dampfdruck der jeweiligen Alkaliverbindungen sowie ihre Chemie eine wichtige Rolle. Eine ausreichende Kenntnis hilft bei der Beurteilung der Auswirkungen und der Einflussnahme.

Autor: Dr. Günter Harp, Harp Process Chemistry Consulting, Düsseldorf.

Gesamten Beitrag lesen Abo abschließen

Schlagworte

AlkalienHochofenKoks

Verwandte Artikel

Jochen Burg, CEO und Fabíola Fernandez, CFO beim Jahrespressegespräch der SMS group.
21.05.2026

SMS group steigert Gewinn und investiert in nachhaltige Technologien

Die SMS group hat im Geschäftsjahr 2025 ihre wirtschaftliche Entwicklung trotz eines weiterhin sehr anspruchsvollen Marktumfelds erneut verbessert.

Anlagen Arbeitssicherheit Bund CO2 Dekarbonisierung Digitalisierung Emissionen Energie Entwicklung Erfolgsfaktor Ergebnis Essen EU Forschung Geschäftsjahr Getriebe Hochofen HZ IMU Indien Industrie ING Innovation Investition Kreislaufwirtschaft Metallindustrie Nachhaltigkeit Produktentwicklung Produktion Rohstoffe Service Sinter Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Steuerung Strategie Tata Steel TEMA Transformation Unternehmen Vorstand Wettbewerb Wirtschaft Zahlen
Mehr erfahren
v.l.n.r.) Marc Sester (BSW, Prokurist), Torsten Doninger (BSW, Leiter Umweltschutz), Prof. Dr. Andrea Wechsler (CDU, Europaabgeordnete), Florian Glück (BSW, Geschäftsführer)
20.05.2026

Europaabgeordnete Andrea Wechsler zu Besuch bei den Badischen Stahlwerken

Am 18. Mai begrüßte Florian Glück, Geschäftsführer der Badischen Stahlwerke (BSW) gemeinsam mit seinem Kollegen Marc Sester, Prokurist bei BSW, die Europaabgeordnete Prof...

Bauindustrie Betonstahl BSW Bund Dekarbonisierung Deutschland Elektrostahlwerk Emissionen Emissionszertifikate Energie Handel Hochofen HZ Industrie ING Investition Klima Klimapolitik Klimaschutz Kreislaufwirtschaft Politik Produktion Schrott Stahl Stahlherstellung Stahlindustrie Stahlproduktion Stahlwerk Transformation Unternehmen USA Wettbewerb Wirtschaft Zertifikat
Mehr erfahren
Nachhaltig mit Saarstahl: Die „grüne“ Achse des Abfallsammelfahrzeugs reECONIC.
18.05.2026

Saarstahl liefert „grünen“ Stahl für Konzeptfahrzeug von Mercedes-Benz Trucks

Ein Fahrzeug aus recycelten Materialien? Gemeinsam mit 32 Partnern demonstriert Mercedes-Benz Trucks die Umsetzbarkeit eines solchen Projekts und realisiert das batteriee...

CO2 Elektrostahlwerk Essen EU Frankreich Hochofen ING Klima Klimaschutz Konverter Kreislaufwirtschaft Lieferketten Mercedes-Benz Produktion Recycling Saarstahl Ascoval Schrott SHS Stabstahl Stahl Stahlwerk Vertrieb Vorstand Wirtschaft
Mehr erfahren
Handschlag auf die zukünftige Kooperation: Dr. Dennis Stindt, Präsident Saarstahl Ascoval, und Amit Bedi, CEO Mannesmann Precision Tubes. ©Mannesmann
29.04.2026

Saarstahl Ascoval schließt Liefervertrag mit Mannesmann Precision Tubes

Saarstahl Ascoval, ein Unternehmen der Saarstahl Gruppe mit Sitz in Saint-Saulve schließt eine langfristige Partnerschaft mit Mannesmann Precision Tubes über die Lieferun...

Automobil CO2 Deutschland Elektrolichtbogenofen Elektrostahlwerk Entwicklung EU Europa Frankreich Hochofen HZ Industrie Klima Konverter Kooperation Lichtbogenofen Lieferung Logistik Modernisierung Partnerschaft Schienen Schrott Stahl Stahlwerk Tube Unternehmen USA Vertrieb Vorstand Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Von links nach rechts: Peter Kinzel, Head of Green Ironmaking SMS group; Jochen Burg, CEO SMS group; Akshay Khullar, VP Engineering & Projects Tata Steel; Paul Tockert, Executive Vice President CoE Metallurgy SMS group; Kanchinadham Parvatheesam, Tata Steel Company Secretary & Chief Legal Officer.
22.04.2026

Tata Steel und SMS group rüsten Hochofen aus

Tata Steel hat mit der Paul Wurth S.A. (Paul Wurth Luxemburg), Teil der SMS group GmbH, endgültige Vereinbarungen über die Implementierung der neuen EASyMelt-Technologie...

Anlagen Brenner CO2 CO2-Emissionen Dekarbonisierung Direktreduktion Eisenerze Emissionen Energie Entwicklung Erdgas EU Hochofen Industrie ING Innovation KI Klima KME Koks Koksofen Luxemburg Partnerschaft Paul Wurth Produktion Recycling Reduktionsmittel Schrott Sinter SMS SMS group SMS group GmbH Stahl Stahlerzeugung Stahlunternehmen Studie Transformation Unternehmen USA Vereinbarung Wasserstoff Wurth Zusammenarbeit
Mehr erfahren