Forschung
Dr. Baptiste Gault (Erster von links) zusammen mit seiner Gruppe „Atomsondentomografie“ des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung. - Foto: MPIE
10.12.2019

Düsseldorfer Max-Planck-Wissenschaftler erhielt Auszeichnung

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat am 5. Dezember die Preisträgerinnen und Preisträger 2020 des wichtigsten Forschungsförderpreises in Deutschland bekannt gegeben: dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis. Dr. Baptiste Gault, Leiter der Gruppe „Atomsondentomografie“ am Düsseldorfer Max-Planck-Institut für Eisenforschung (MPIE), erhält den mit 2,5 Mio. € dotierten Preis für seine herausragende Forschung auf dem Gebiet der Materialwissenschaften. Der Preis, der quasi als deutscher Nobelpreis gilt, ermöglicht ihm seine Arbeiten für bis zu sieben Jahre ohne bürokratischen Aufwand fortzusetzen. „Wow, es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl, so geehrt zu werden. Ich kann es noch nicht fassen“, so Gault, der erst am Tag der öffentlichen Verkündigung von der DFG erfuhr, dass er selbst unter den diesjährigen Preisträgern ist. Für den Leibniz-Preis 2020 wurden 114 Personen nominiert von denen die DFG 10 aussuchte. „Gänzlich neue Ideen in die Welt zu bringen, Forschende zu ermutigen, dorthin zu gehen wo noch niemand zuvor gewesen ist und Forschungsansätze zu fördern, die noch nicht erprobt wurden, dies ist ein Markenzeichen der Max-Planck-Gesellschaft. Das gesamte Team des Max-Planck Instituts für Eisenforschung ist stolz darauf, Dr. Gault in seiner Mitte zu haben - seine Arbeiten haben uns die Möglichkeit eröffnet, einzelnen Atomen in komplexen Materialien sozusagen direkt bei der Arbeit zuzuschauen“, freut sich Prof. Dierk Raabe, geschäftsführender Direktor am MPIE.

Gault ist seit 2016 am Düsseldorfer Max-Planck-Institut und untersucht die Nanostrukturen komplexer Materialien bis hinunter zu einzelnen Atomen, um so die Zusammenhänge zwischen der Struktur eines Materials und seinen physikalischen Eigenschaften zu verstehen. Dabei nutzt und entwickelt er die Atomsondentomografie weiter, eine Technik, die ermöglicht einzelne Atome, ihre chemische Natur und Position in einem Material zu bestimmen. Er verbindet dies mit Techniken aus dem Bereich Big Data und maschinellem Lernen, um große Datenmengen effizient zu analysieren und so neue Materialien zu designen. Seine Ergebnisse sind u.a. relevant für Anwendungen in feuchter Umgebung und die Nutzung erneuerbarer Energien. Hier hat er, unterstützt vom Europäischen Forschungsrat, die Lage und Diffusion von Wasserstoffatomen in komplexen Legierungen untersucht, um einerseits Methoden zur Vermeidung von Wasserstoffversprödung zu entwickeln und andererseits einen Beitrag zur Wasserstoffspeicherung zu leisten. Im medizinischen Bereich untersuchte Gault die Struktur von Proteinfibrillen, die eine entscheidende Rolle bei Alzheimer-Erkrankungen spielen. Er ist somit der Erste, der die Atomsondentomografie für weiche Materialien, wie Proteine, eingesetzt hat. Auf dem Gebiet der Atomsondenforschung ist der gebürtige Franzose der am häufigsten zitierte Wissenschaftler in der Gruppe der unter 40-Jährigen.

Der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis wird seit 1986 jährlich von der DFG verliehen. Pro Jahr können bis zu zehn Preise mit einer Preissumme von jeweils 2,5 Mio. € verliehen werden. Die Preisträgerinnen und -träger kommen aus den Natur-, Ingenieurs, Lebens-, Geistes- und Sozialwissenschaften.

Max-Planck-Institut für Eisenforschung

Schlagworte

Forschung

Verwandte Artikel

Martin Lundstedt
12.04.2021

Volvo Group und SSAB arbeiten gemeinsam an den weltweit ersten Fahrzeugen aus nicht-fossilem Stahl

Die Volvo Group und SSAB haben eine Kooperationsvereinbarung über Forschung, Entwicklung, Serienproduktion und Vermarktung der weltweit ersten Fahrzeuge aus fossilfreiem...

Forschung Fossilfreien Stahl SSAB Volvo Wasserstoff
Mehr erfahren
Liv Adler von Covestro leitete das EU-Förderprojekt
07.04.2021

Wertstoffe aus dem Schornstein

Wie lassen sich Gasgemische aus der Industrieproduktion sinnvoll nutzen, um chemische Bausteine herzustellen und gleichzeitig Erdöl einzusparen? Das Forschungskonsortium...

Covestro AG Forschung
Mehr erfahren
Leiterplatte aus einem Elektroschrott-Teil in der wässrigen Lauge
03.10.2020

Kleine Helfer für die Metallgewinnung

Biohydrometallurgen der TU Bergakademie Freiberg haben erstmals nachgewiesen, dass die Laugung mit Hilfe von Bakterien auch beim Recycling von Elektroschrott zur Trennung...

Biohydrometallurgen Elektroschrott Energie Entwicklung EU Forschung Handel Metallurgie Recycling Rohstoffe Schrott TU Bergakademie Freiberg USA
Mehr erfahren
Die Verteilung und Anordnung der Kohlenstoffatome in martensitischem Stahl spielen eine wichtige Rolle für die Leistungsfähigkeit des Stahls
12.06.2020

Forschung: Was im Stahl für Ordnung sorgt

Eine gemeinsame Arbeit der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und dem Max-Planck-Institut für Eisenforschung bringt Licht ins Dunkel über das kollektive Verhalten von Kohlenst...

Forschung
Mehr erfahren
Das Kopernikus-Projekt P2X gibt einen umfassenden Überblick über die deutsche Power-to-X-Landschaft
08.06.2020

Zukunftstechnologie: Interaktive Datenbank zeigt Power-to-X-Projekte

Mehr als 60 Forschungsprojekte und über 30 Industrieanlagen – die Forschung an Power-to-XTechnologien in Deutschland läuft auf Hochtouren. Auch in der geplanten Nationale...

Energie Forschung Klimaschutz
Mehr erfahren