Forschung
Photo: pixabay
05.07.2021

Forscher arbeiten an Eisengewinnung im Wasserstoffplasma

3,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxid jährlich einsparen

Deutschland, Europa und fast alle Länder der Welt streben eine klimaneutrale Wirtschaft an. Das bedeutet, so viel CO2-Emissionen wie möglich einzusparen und die verbleibenden Emissionen zu kompensieren. Doch dieses Ziel wird mit der heutigen Technik kaum erreicht. Einer der größten industriellen CO2-Emittenten, die Eisen- und
Stahlindustrie, hat bisher noch keine Möglichkeit in großem Stil grünen Stahl zu produzieren und ist bis heute für etwa 7% aller CO2-Emissionen weltweit verantwortlich.

Angesichts dieser Herausforderungen erforscht ein Team des Max- Planck-Instituts für Eisenforschung (MPIE) die Möglichkeit, Wasserstoffplasma für die Reduktion von Eisenerz anstelle von Koks oder reformiertem Erdgas einzusetzen. Ihre neuesten Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Acta Materialia.

„Die Verwendung von reinem Wasserstoff anstelle von Koks oder reformiertem Erdgas zur Reduktion von Eisenerz kann ein Weg sein, um CO2-Emissionen einzusparen. Allerdings erfordert die chemische Reaktion mit reinem Wasserstoff eine externe Energiezufuhr. Die Verwendung von Wasserstoffplasma dahingegen erlaubt die Reduktion mit weniger Energie durchzuführen. Während der Reduktion von Eisenerz im Lichtbogenofen, kollidieren H2-Moleküle aufeinander und mit Elektronen, was zur Bildung von hochener-getischem Wasserstoff führt. Dieser gibt seine Energie teilweise an der Reaktionsgrenzfläche zwischen Oxid und Plasmalichtbogen ab. Diese freigesetzte Energie wiederum wird für die Reduktionsreaktion benötigt. Der ganze Prozess ist also exotherm, da er keine externe Energiezufuhr braucht. Deshalb ist der Einsatz von Wasserstoffplasma anstelle von reinem Wasserstoff hier vorteilhaft.“, erklärt Dr. Isnaldi Souza, Postdoktorand am MPIE und Erstautor der Publikation.

Der Einsatz von Wasserstoffplasma hat noch einen weiteren Vorteil: Eisenerz kann in einem einzigen Schritt gleichzeitig geschmolzen und reduziert werden, ohne nachträgliche Agglomerations- oder Raffinationsprozesse.

„Wir haben die Nano- Chemie, die Grenzflächenstruktur und -zusammensetzung sowie die Kinetik der Phasenumwandlung untersucht. Unsere Ergebnisse zeigen, dass der Einsatz von Wasserstoffplasma in den etablierten industriellen Elektroöfen ohne größere Modifikationen stattfinden könnte. Dennoch untersuchen wir weiter mögliche Auswirkungen des Wasserstoffplasmas auf die Elektroden- und Ofenmaterialien", sagt Dr. Yan Ma, Postdoc im gleichen Team mit Souza und Mitautor der Veröffentlichung.

Die neuesten MPIE-Untersuchungen zeigen die Thermodynamik und Kinetik der Wasserstoff-Plasma-Reduktion von Eisenerzen und bieten damit einen alternativen Weg für die Herstellung von grünem Stahl. Generell wurden am MPIE mehrere Gruppen eingerichtet, die sich mit den verschiedenen Aspekten nachhaltiger Metalle beschäftigen. Souza und Ma arbeiten beide in der abteilungsübergreifenden Gruppe „Physical Metallurgy of Sustainable Alloys“. Verwandte Gruppen sind „Hydrogen in Materials“, „Hydrogen Mechanics and Interfaces“, „Computational Sustainable Metallurgy“ und in Kooperation mit der RWTH Aachen die Gruppe „Sustainable Materials Science and Technology“.

(Quelle: Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH)

 

Reduktion von Eisenerz mit Wasserstoffplasma: (1) Hämatit wird in den Lichtbogenschmelzofen gegeben, in dem der Prozess durchgeführt wird. Der Ofen ist mit einer Wolframelektrode ausgestattet und mit einem Gasgemisch aus Ar-10% H2 gefüllt. (2) Bild des Reduktionsprozesses, bei dem Wasserstoffplasma zwischen der Spitze der Elektrode und dem Eingangsmaterial gezündet wird. Das Erz wird gleichzeitig geschmolzen und reduziert. (3) Foto einer teilweise reduzierten Probe nach 5 Minuten Einwirkzeit des Plasmas. Eisen ist im unteren Teil der Probe zu sehen (hellgraue Bereiche). Der obere Teil (dunkelgrau) der Probe besteht aus verbleibendem, nicht reduziertem Eisenoxid (hauptsächlich Wüstit, FexO). (4) Mikrostrukturelle Charakterisierung der Probe, durchgeführt mittels Elektronenrückstreubeugung (EBSD). Die EBSD-Karte zeigt die räumliche Phasenverteilung, die aus dem durch den gelben Rahmen in (4) hervorgehobenen Bereich gewonnen wurde. In dieser Karte sind verbleibender Wüstit und Eisen in grün bzw. rot dargestellt. (5) Nanochemische Analyse mittels Atomsonden-Tomographie (APT) an der Phasengrenzfläche zwischen Wüstit und Eisen. Fe- und O-Atome sind in rosa bzw. blau dargestellt. - © Isnaldi Souza, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH
© Isnaldi Souza, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH

Schlagworte

grüner StahlMPIeWasserstoff

Verwandte Artikel

Rohrfertigung bei Corinth Pipeworks
10.03.2026

Corinth Pipeworks übernimmt Rohrwerk in England

Der griechische Rohrhersteller hat die Rohrproduktionsanlage der Liberty Pipe im nordenglischen Hartlepool erworben

Dekarbonisierung Energie EU Handel Industrie Liberty Lieferketten Lieferung Ltd Offshore Produktion Rohre Saipem Stahl Unternehmen Wasserstoff
Mehr erfahren
ür die Strecke des Wasserstoffkernnetzes zwischen Wefensleben und Salzgitter sowie zwischen Angersdorf und Preußlitz liefern die Mannesmann Grossrohr GmbH und die Mannesmann Line Pipe GmbH die Rohre
03.03.2026

Mannesmann-Rohre für das Wasserstoffkernnetz und für grünen Stahl

Die Ontras Gastransport GmbH aus Leipzig vergibt Großaufträge an zwei Rohrgesellschaften aus dem Salzgitter-Konzern.

Brandenburg CO2 Deutschland Energie Energiewende Essen EU Gesellschaft Handel IBU ING KI Lieferung Messe Neubau Produktion Rohre Salzgitter Salzgitter AG Stahl Stahlherstellung Transformation Transport Wasserstoff
Mehr erfahren
Rohkarosse eines BMW iX3 – bluemint® recycled wird für ausgewählte Außenhautteile verwendet.
23.02.2026

thyssenkrupp Steel liefert bluemint® Steel Stahl für die Serienproduktion des BMW iX3

Ab 2026 startet die Belieferung der BMW Group mit CO₂-reduziertem Stahl der Marke bluemint® recycled.

Architekt Architektur Automobil BMW Direktreduktion Einsparung Eisenerze Emissionen EU Hochofen Industrie ING Innovation KI Klima Klimaschutz Koks LED Lieferung Produktion Recycling Schrott Stahl Stahlerzeugung Stahlproduktion Temperatur Transformation Wasserstoff Werkstoff Werkstoffe Zahlen
Mehr erfahren
Miguel López, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG:
12.02.2026

thyssenkrupp meldet Ergebnissteigerung für Stahlsparte

Steel Europe verzeichnete trotz niedrigerem Erlös- und Versandniveau eine deutliche Ergebnissteigerung im Vergleich zum Vorjahr, u.a. aufgrund rückläufiger Rohstoffkosten...

Anlagen Anlagenbau Anpassung Automation Automobil Automotive Bund Direktreduktion Distribution DSV Duisburg Einsparung Elektrolyse Energie Entwicklung Ergebnis EU Forschung Gesellschaft HKM HZ IBU Industrie ING Investition Lieferketten Neubau Optimierung Restrukturierung Salzgitter Salzgitter AG Sanierung Service Stahl Strategie Thyssenkrupp AG Thyssenkrupp nucera Thyssenkrupp Steel Europe Transformation Uniper Unternehmen USA Verkauf Vorstand Wasserstoff Werkstoff Wettbewerb Wirtschaft Zahlen
Mehr erfahren
05.02.2026

thyssenkrupp Steel schließt Grünstromlieferverträge für Tochterunternehmen ab

thyssenkrupp Steel hat zur weiteren Dekarbonisierung der Produktion vier Grünstromlieferverträge über insgesamt rund 230 GWh abgeschlossen.

Anlagen Blech Bleche Bund CO2 Dekarbonisierung Deutschland Direktreduktion Emissionen Energie Energieeffizienz Erfolgsfaktor EU Gesellschaft Handel Hohenlimburg Industrie ING KI Klima Klimaziel Klimaziele Lieferung Nachhaltigkeit Partnerschaft Produktion Stahl Stahlproduktion Strategie Thyssenkrupp Hohenlimburg Thyssenkrupp Rasselstein Thyssenkrupp Steel Europe Transformation Unternehmen Verpackungsstahl Wasserstoff Windpark Wirtschaft
Mehr erfahren