Unternehmen Wirtschaft News
Photo: Nicole Munninger, SHS – Stahl-Holding-Saar
25.08.2020

Startklar für die grüne Transformation

Bundeswirtschaftsminister, saarländischer Ministerpräsident und Wirtschaftsministerin überzeugen sich von Grüner-Stahl-Strategie von Dillinger und Saarstahl

Die erste Anlage deutschlandweit zur wasserstoffbasierten Stahlproduktion über die Hochofenroute geht in Dillingen in Betrieb. Mit der Investition in Höhe von 14 Millionen Euro verringern Dillinger und Saarstahl weiter ihre CO2-Emissionen und schaffen die Voraussetzung, grünen Wasserstoff in der Praxis einzusetzen.

Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, besuchte heute gemeinsam mit dem saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans und der Wirtschafts- und Energieministerin des Saarlandes Anke Rehlinger den Standort Dillingen, um sich über die Anlage und den Stand der Unternehmen im bevorstehenden Transformationsprozess zu informieren.

„Wir sind bereit für die Transformation zu grünem Stahl!“, betont der Vorstandsvorsitzende von Dillinger und Saarstahl Tim Hartmann. „Diese Investition untermauert: Saarstahl und Dillinger sind startklar für die nächsten großen Schritte auf dem Weg zur Produktion von grünem Stahl.“

In Dillingen wird mit der neuen Anlage erstmalig in Deutschland im Regelbetrieb Wasserstoff als Reduktionsmittel im Hochofen eingesetzt. Dies wird durch die Eindüsung von wasserstoff-reichem Koksgas umgesetzt.

„Wir können auf Basis dieser Technik eine weitere Reduktion unserer CO2-Emissionen erreichen und sammeln wichtige Erfahrungen im Einsatz von Wasserstoff bei der Stahlerzeugung“ erläutert Martin Baues, Vorstand für Technik. „Mit der Anlage können wir im nächsten Schritt reinen Wasserstoff in beiden Hochöfen einsetzen“.

Die Verwendung von Wasserstoff bei der Stahlproduktion ist ein Schlüsselfaktor für die Reduzierung von CO2-Emissionen. Die Koksgaseindüsung ist eine wichtige Etappe auf dem Weg zur Produktion von grünem Stahl und dem schonenden Einsatz von Ressourcen. Die CO2-Emission am Hochofen kann verringert werden, indem der Wasserstoff den Kohlenstoff als Reduktions-mittel und Energieträger im Hochofen ersetzt. Damit sind bereits heute die Bedingungen geschaffen, die Hochöfen in Zukunft im Rahmen der technischen Möglichkeiten mit grünem Wasserstoff betreiben zu können. Hierfür sowie für die komplette Umstellung unserer Stahlherstellung auf Wasserstoff – dann auf Basis anderer Technologien wie Elektroofen und Direktreduktionsanlagen auf Wasserstoffbasis – ist Voraus-setzung, dass in Zukunft grüner Wasserstoff an der Saar in ausreichender Menge und zu wettbewerbsfähigen Konditionen zur Verfügung stehen wird.

„Dillinger und Saarstahl haben im letzten Jahr eine zukunftsweisende Strategie verabschiedet unter dem Motto: offensiv, CO2-frei, effizient. Dabei haben wir auch die konkreten Schritte für die vollständige Umstellung unserer Produktion auf ‚grünen Stahl‘ definiert“, so Tim Hartmann weiter. „Wir sind bereit und warten sehnsüchtig auf den Startschuss seitens der Politik. Für die nächsten großen Schritte sind verlässliche politische Rahmenbedingungen in drei Feldern zu gewähr-leisten: Ein fairer Außenhandelsrahmen, Unterstützung bei der Transformation und ausreichend grüne Energie zu wettbe-werbsfähigen Preisen. Unser ehrgeiziges Ziel ist eine CO2-Reduktion um 40 % bis 2035. Dazu muss der politische Rahmen in diesem Jahr geschaffen werden. Das Handlungskonzept Stahl der Bundesregierung und die bereits laufende deutsche EU-Ratspräsidentschaft setzen dazu den Rahmen. Noch in diesem Jahr kommt es für Berlin und Brüssel beim Green Deal zum Schwur. Die Zeit rennt!“

Die Unternehmen treiben unabhängig davon weitere große Energieeffizienzprojekte voran und investieren nachhaltig in die Optimierung bestehender Anlagen. So haben Dillinger und Saarstahl in den letzten beiden Jahren Umweltinvestitionen in Höhe von 70 Millionen € getätigt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier:
„Stahl muss auch künftig im Saarland hergestellt werden. Dafür setze ich mich als Bundeswirtschaftsminister ein. Die Bundesregierung wird die Stahlindustrie beim Übergang zur klimafreundlichen Stahlproduktion eng begleiten und tatkräftig unterstützen.“

Ministerpräsident Tobias Hans:
„Die heutige Inbetriebnahme ist ein wichtiges Signal für den Stahlstandort Saarland. Damit ist das Saarland Vorreiter einer klimaschonenden Stahlproduktion. Die neue Koksgaseindüsung ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer CO2 neutralen Stahlproduktion. Die Produktion von grünem Stahl muss weiterhin unser Ziel bleiben, um die Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Stahlindustrie nachhaltig zu stärken. Dabei sind der Bund und die EU gefordert. Sie müssen für die richtigen Rahmenbedingungen sorgen. Die saarländische Landesregierung wird sich in Berlin und Brüssel für die Interessen unserer Stahlindustrie einsetzen.“

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger:
„Die innovative Technologie der neuen Anlage ist ein wegweisender Schritt in Richtung einer zukünftig wasserstoff-basierten Eisen- und Stahlherstellung. Hierbei gehen Ressourceneffizienz und Umweltschutz Hand in Hand. So ist nicht nur für die im Saarland existenziell wichtige Stahlindustrie heute ein guter Tag. Vielmehr ist der Weg zu einer nachhaltigen Industrie auch ein wichtiger Baustein im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel. Dabei schreiten wir als Vorbild voran.“

(Quelle: SHS - Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaA)

Startklar für die grüne Transformation: Mit der Investition von 14 Mio. Euro in die neue Koksgaseindüsungsanlage verringern Dillinger und Saarstahl ihre CO2-Emissionen und schaffen die Voraussetzung, Wasserstoff im Regelbetrieb einzusetzen. - Photo: Dirk Martin, Saarstahl
Photo: Dirk Martin, Saarstahl

Schlagworte

CO2-EmissionenSaarstahlWasserstoff

Verwandte Artikel

Molekülmodell der stabilen Eisen(I)-Verbindung, die Forschende am KIT als Ausgangspunkt für neue Katalysatoren entwickelt haben.
07.05.2026

Nachhaltige Chemie: Eisen ersetzt Edelmetalle bei der Katalyse

Forschende am KIT entwickeln Eisen(I)-Quelle für katalytische Reaktionen – Ansatz soll chemische Verfahren nachhaltiger machen und könnte seltene Edelmetalle langfristig...

Ergebnis EU Forschung Industrie ING KI Messung Reduktionsmittel Studie TEMA Umwelt Wasserstoff
Mehr erfahren
Blick über Sendai
27.04.2026

VDEh-Exkursion nach Japan zum Metallurgie-Symposium

Vom 13. – 17. April 2026 fand in Sendai und Tokio das „4th ISIJ-VDEh-Jernkontoret-Symposium on Metallurgy“ statt

Bremen CO2 Deutschland Entwicklung EU Forschung Fosta Industrie ING Japan KI Nippon Steel Recycling RWTH RWTH Aachen Saarstahl Schweden Stahl Stahlanwendung Stahlherstellung Stahlwerk Technik TU Bergakademie Freiberg Veranstaltung
Mehr erfahren
23.04.2026

Hergarten bringt Industrie und Logistik auf der Tube 2026 zusammen

Die Transformation des Straßentransports hin zu CO₂-reduzierten Lösungen ist weniger eine technologische als eine systemische Herausforderung.

ABB Antrieb BSW Bund Elektrifizierung Energie Ergebnis EU Getriebe Hergarten GmbH HZ Industrie ING Innovation Investition Logistik Marktbedingungen Messe Messestand Partnerschaft Politik Salzgitter Salzgitter AG Software Spedition Stahl Stahlspedition Steuerung Transformation Transport Tube Unternehmen USA Wasserstoff Wasserstoffbasiert Wettbewerb Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren
23.04.2026

Resilienz stärken heißt Energiepreise senken

Die EU-Kommission hat am 22. April 2026 mit ihrer Mitteilung AccelerateEU einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, mit dem in den kommenden Jahren mehr Stabilität bei den Energi...

Anpassung Energie EU EU-Kommission Industrie ING Produktion Stahl Stahlindustrie Unternehmen Wasserstoff Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung
Mehr erfahren
Von links nach rechts: Peter Kinzel, Head of Green Ironmaking SMS group; Jochen Burg, CEO SMS group; Akshay Khullar, VP Engineering & Projects Tata Steel; Paul Tockert, Executive Vice President CoE Metallurgy SMS group; Kanchinadham Parvatheesam, Tata Steel Company Secretary & Chief Legal Officer.
22.04.2026

Tata Steel und SMS group rüsten Hochofen aus

Tata Steel hat mit der Paul Wurth S.A. (Paul Wurth Luxemburg), Teil der SMS group GmbH, endgültige Vereinbarungen über die Implementierung der neuen EASyMelt-Technologie...

Anlagen Brenner CO2 CO2-Emissionen Dekarbonisierung Direktreduktion Eisenerze Emissionen Energie Entwicklung Erdgas EU Hochofen Industrie ING Innovation KI Klima KME Koks Koksofen Luxemburg Partnerschaft Paul Wurth Produktion Recycling Reduktionsmittel Schrott Sinter SMS SMS group SMS group GmbH Stahl Stahlerzeugung Stahlunternehmen Studie Transformation Unternehmen USA Vereinbarung Wasserstoff Wurth Zusammenarbeit
Mehr erfahren