Unternehmen News
Die Gießwalzanlage am Standort Duisburg produziert aus flüssigem Rohstahl sogenanntes „Warmband“, aufgewickeltes Stahlblech, das im heißen Zustand gewalzt wurde. - Photo: thyssenkrupp
10.02.2021

thyssenkrupp setzt Stahlstrategie 20-30 weiter um

Neubau von Kernaggregaten an den Standorten Duisburg und Bochum zielt auf den Ausbau von Premium-Stählen und stärkt Wettbewerbsfähigkeit

thyssenkrupp investiert in die Zukunftsfähigkeit des Stahlgeschäfts. Nach nun erfolgter Freigabe der Investitionsmittel stehen die ersten Auftragsvergaben an. Geplant ist der Umbau der Duisburger Gießwalzanlage in eine neue Stranggießanlage mit einem dahinter geschalteten, in wesentlichen Komponenten neuen Warmbandwerk. Zur Optimierung der Brammenfertigung wird, ebenfalls in Duisburg, zudem die bestehende Stranggießanlage 3 neu gebaut. Auch am Standort Bochum sind Investitionen vorgesehen: Geplant ist ein neues Doppelreversiergerüst und eine Glüh- und Isolierlinie. Beides stärkt Bochum als Kompetenzzentrum bei Stählen für die Elektromobilität. Die gesamte Investitionssumme beläuft sich auf einen hohen dreistelligen Millionenbetrag. Alle Projekte sollen bis Ende 2024 realisiert werden. Mit diesem seit dem Bau der Kokerei Schwelgern im Jahr 2003 größten Investitionspaket im Stahl, setzt thyssenkrupp ein Zeichen: Das Stahlgeschäft verstärkt den Fokus auf Technologie- und Qualitätsführerschaft und strebt danach, seine starke Position im europäischen Wettbewerb weiter zu festigen. Um diese Ziele zu erreichen und die vollen Ergebniseffekte der Investitionen zu realisieren, werden weitere signifikante Kostensenkungen notwendig sein. thyssenkrupp Steel sieht dazu keine Alternative, da davon auszugehen sei, dass die finanziellen Folgen der Corona-Krise noch einige Jahre spürbar bleiben.

Basis für die jetzt ausgelösten Investitionen ist der mit der Mitbestimmung im Frühjahr 2020 geschlossene Tarifvertrag „Zukunftspaket Stahl“. Vereinbart wurden unter anderem die Umsetzung der Investitionen im Rahmen der Strategie 20-30 und ein Abbau von 3.000 Stellen.

„Die thyssenkrupp AG gibt nun die Mittel frei für zentrale Investitionen in unser Produktionsnetzwerk“, erläutert Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstands der Stahlsparte. „Das ist ein starkes Signal für den Stahl und ein großer Vertrauensbeweis in schwierigen Zeiten. Wir können mit den geplanten Investitionen unsere Position in zentralen Zukunftsmärkten ausbauen und unser Geschäft damit zukunftsfähig aufstellen. Die Strategie 20-30 ist dafür der richtige Weg. Aber investieren ist nicht alles: Die Pandemie hat unsere Finanzlage nochmals dramatisch verschärft. Es braucht jetzt einen gemeinsamen Kraftakt mit Belegschaft und Mitbestimmung, um die durch Corona verursachte finanzielle Lücke über die nächsten Jahre zu schließen und die Folgen der Pandemie zu begrenzen. Von dem Ziel, die ursprünglich in der Strategie 20-30 angestrebte Profitabilität zu erreichen, weichen wir nicht ab. Es muss allen Beteiligten klar sein, dass wir daher auch über weitere Personal- und Kostenmaßnahmen sprechen müssen, wenn wir nicht bisher Erreichtes und Vereinbartes gefährden wollen.“  

Hinter der Stahlstrategie 20-30 steht thyssenkrupps Ziel, ein noch werthaltigeres Produktportfolio bei gleichzeitig optimierter Kostenstruktur zu erzeugen. Insbesondere die wachsenden Anforderungen der Automobilkunden sowie einzelner Industriebereiche sind dabei relevant. Das können crashrelevante Bleche für die Sicherheitsarchitektur der Fahrzeuge, verbesserte Oberflächen oder dünnere und leistungsfähigere Stähle für die Elektromobilität sein.

Um bei Qualität und Performance den europäischen Markt anzuführen, ist eine gezielte Ertüchtigung und Flexibilisierung des Produktionsnetzwerks geplant. Die Maßnahmen setzen zum einen an der Brammen- und Warmbandfertigung an. Dazu zählt neben der Erneuerung der Stranggießanlage 3 vor allem die Auftrennung der Gießwalzanlage am Standort Duisburg. Die Anlage nimmt innerhalb des Wertschöpfungsnetzwerkes eine Schlüsselstellung bei der Versorgung der weiterverarbeitenden Aggregate ein. Perspektivisch reichen die qualitativen Fähigkeiten der vor über 20 Jahren in Betrieb genommenen Gießwalzanlage jedoch nicht mehr aus, um kommende Anforderungen der Kunden zu erfüllen. Daher erfolgt jetzt der Schritt, das Aggregat in eine Stranggießanlage und ein dahinter geschaltetes Warmbandwerk umzuwandeln, das auch die Weiterverarbeitung am Standort Bochum vorsorgen wird. Dort wird ebenfalls investiert: Mit einem neuen Doppelreversiergerüst im Kaltwalzwerk und einer neuen Glüh- und Isolierlinie werden zwei Aggregate gebaut, die für die Begleitung des stark wachsenden Marktes für E-Mobilität maßgeblich sind. Auch dort kommt es auf dünnere und festere Bleche an, um zum Beispiel die Leistungsfähigkeit von Elektromotoren zu steigern. thyssenkrupp ist hier bereits europäischer Marktführer und will diese Position mit Hilfe der geplanten Investitionen ausbauen.  

Bernhard Osburg: „Die geplanten Investitionen werden unsere technologischen Fähigkeiten, die Flexibilität und Zuverlässigkeit unseres Produktionsnetzwerkes weiter verbessern. Sie werden uns in die Lage versetzen, uns auch in Zukunft über die Qualität unserer Erzeugnisse differenzieren zu können. Das ist ein starkes Signal für unsere Kunden, die im Übrigen für den Zeitraum der Um- und Neubauten auf keines ihre gewohnten Produkte verzichten müssen. Jetzt geht es an die Umsetzung der Pläne. Die Mannschaft beim Stahl eint dabei ein Ziel: Wir wollen ein starkes, wettbewerbs- und zukunftsfähiges Stahlunternehmen an Rhein und Ruhr.“  

(Quelle: thyssenkrupp Steel Europe AG)

 

Bernhard Osburg, Sprecher des Vorstands der thyssenkrupp Steel Europe AG - Photo: thyssenkrupp
Photo: thyssenkrupp

Schlagworte

ModernisierungStranggießanlagethyssenkruppThyssenkrupp Steel Europe AG

Verwandte Artikel

In der Miniplant wurde die Methanolsynthese aus Hüttengasen erfolgreich demonstriert.
30.09.2022

Erstmals Methanolsynthese aus Hochofengas demonstriert

Methanol spielt als Basischemikalie eine wichtige Rolle für die Industrie und wird als einer der zentralen Energieträger der sich entwickelnden Wasserstoffwirtschaft geha...

2016 Anlagen Bund CO2 Duisburg Emissionen Energie Entwicklung Erdgas EU Forschung Fraunhofer Gasreinigung Handel Hochofen IBU IMU Industrie ING Klima Kokerei Koks Konverter Optimierung Paris Produktion Prozessgase Prozessoptimierung Roheisen Rohstoffe Service Stahl Stahlherstellung Stahlindustrie Stahlwerk Technik Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Steel Europe Thyssenkrupp Uhde Unternehmen USA Wasserstoff Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren
22.09.2022

Tibnor wird wichtiger Distributionspartner

SSAB wird 2026 damit beginnen, umweltfreundlichen Stahl in kommerziellen Mengen auf den Markt zu bringen.

BSW Entwicklung EU Gesellschaft IBU Industrie ING Lieferung Maschinenbau Modernisierung Schweden SSAB Stahl Stahlindustrie Strategie Transport Umwelt Unternehmen USA Verkauf Vertrieb Wasserstoff Wettbewerb Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Juan Carlos Valladares Eichelmann und Olaf Voss, CEO von thyssenkrupp Materials de Mexico
21.09.2022

34-Millionen-Euro-Investition in Mexiko

thyssenkrupp Materials Services setzt seine Erweiterung in Nordamerika fort und plant einen neuen Standort für den Geschäftsbereich Materials de Mexico in San Luis Potosí...

Aluminium Anarbeitung Automobil Bund Emissionen Entwicklung EU Gesellschaft Industrie ING Investition Lieferung Nachhaltigkeit Nordamerika Schuler Service Stahl Strategie Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Materials Services Transformation Unternehmen USA Werkstoff Wirtschaft Zulieferindustrie Zusammenarbeit
Mehr erfahren
20.09.2022

Zukünftige Verwendung industrieller Nebenprodukte

Bei der 11. European Slag Conference unter dem Titel "The Transformation of the steel industry and its effects on the slag value chain" stehen vom 4. bis 7. Oktober 2022...

ABB Australien Baustoffe Brasilien CO2 Dekarbonisierung Deutschland DSV Duisburg Entwicklung EU Forschung Gesellschaft Indien Industrie ING Japan Konferenz Neubau NRW Produktion Schlacke Strategie Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Steel Europe Transformation Unternehmen USA Wirtschaft Wirtschaftsminister
Mehr erfahren
Burkhard Dahmen, CEO und Vorstandsvorsitzender der SMS group und Sajjan Jindal, Chairman & Managing Director von JSW Steel, nach der gemeinsamen Unterzeichnung der Absichtserklärung
16.09.2022

Absichtserklärung für Projekte zur Verringerung des CO2-Ausstoßes unterzeichnet

JSW Steel, das Flaggschiff der 22 Milliarden US-Dollar schweren JSW Group, hat gemeinsam mit der SMS group eine Absichtserklärung unterzeichnet.

Anlagen CO2 CO2-Emissionen DSV Emissionen EU Industrie ING Investition Metallindustrie Metallurgie Modernisierung Partnerschaft Politik Produktion SMS SMS group SMS group GmbH Stahl Stahlerzeugung Stahlindustrie Stahlwerk Umwelt Unternehmen USA Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren