Unternehmen News
Wasserstoffeinsatz am Stahl-Standort von thyssenkrupp Steel in Duisburg. - Photo: thyssenkrupp Steel Europe AG
04.02.2021

Wasserstoffeinsatz im Hochofen: thyssenkrupp Steel schließt erste Versuchsphase erfolgreich ab

thyssenkrupp Steel hat die erste Phase der Wasserstoffversuche am „Hochofen 9“ in Duisburg erfolgreich abgeschlossen. Auch unter Corona-Bedingungen konnten in den vergangenen Monaten mehrere Versuche an einer der 28 Blasformen des Hochofens durchgeführt werden, darunter einige Langzeittests. Das Unternehmen hat dabei wichtige Erkenntnisse gesammelt, um die Versuche im nächsten Schritt auf alle Blasformen auszuweiten und die Technologie in den industriellen Großeinsatz zu übertragen. Die Einblasversuche sind Teil der Klimastrategie, mit der das Unternehmen bis 2030 seine CO2-Emissionen um 30 Prozent reduzieren will.   

 Versuche bestätigten industrielle Eignung   Am 11. November 2019 hat thyssenkrupp Steel als erstes Unternehmen weltweit Wasserstoff in einen laufenden Hochofen eingeblasen. Der Wasserstoff ersetzt dabei Kohlenstaub als zusätzliches Reduktionsmittel. Das Ziel: CO2-Emissionen reduzieren – denn im Gegensatz zu Kohlenstoff reagiert der Wasserstoff im Hochofen nicht zu CO2, sondern zu Wasser. Das Projekt wird vom Land NRW im Rahmen der Initiative IN4climate.NRW gefördert, vom Betriebsforschungsinstitut des VdEH (BFI) wissenschaftlich begleitet und von Air Liquide durch die Bereitstellung von Wasserstoff unterstützt.  

Im Mittelpunkt der ersten Versuchsphase standen insbesondere Erkenntnisse über die Anlagentechnik unter den Bedingungen des Wasserstoffeinsatzes. Dafür wurde das Einblasen des Gases an einer der 28 Blasformen des „Hochofens 9“ am Duisburger Standort erprobt. Dank kontinuierlicher Datenerhebungen und -analysen während der teils 24 Stunden dauernden Tests konnte das Team zahlreiche Informationen sammeln, etwa zur Positionierung der Wasserstofflanze im Ofen, den Strömungs- und Druckverhältnissen sowie den Wechselwirkungen zwischen höheren Temperaturen und Anlagentechnik. Die erhobenen Daten wurden genutzt, um die Wasserstofftechnologie mit jedem weiteren Versuch zu optimieren. Auch das avisierte Einblasvolumen von rund 1.000 m³ Wasserstoff pro Stunde konnte bei den Versuchen erreicht werden.  

Dr. Arnd Köfler, Produktionsvorstand von thyssenkrupp Steel: „Die Entwicklung der Wasserstofftechnologie am Hochofen 9 ist ein wichtiger Teil unserer Transformation zur klimaneutralen Hütte. Wir können so den klassischen, kohlebasierten Hochofenprozess deutlich CO2-ärmer gestalten. Wir sind dem Land NRW für die Förderung dieser ersten Versuchsphase sehr dankbar, mit der die Grundlagen für die nun anstehende zweite Phase gelegt wurden. Darauf folgt dann der nächste entscheidende Schritt zur Klimaneutralität: Der Bau von Direktreduktionsanlagen, die rein wasserstoffbasiert und komplett ohne Kohle betrieben werden können.“  

In der zweiten Versuchsphase werden die Versuche auf alle 28 Blasformen des Hochofens ausgeweitet, um so den Weg für den industriellen Einsatz zu ebnen. Im Mittelpunkt der Forschung wird dann der Einfluss der Wasserstofftechnologie auf die metallurgischen Prozesse im Hochofen stehen. Die zweite Phase soll im Jahr 2022 starten, bedingt durch die Corona-Pandemie etwas später als ursprünglich geplant. Während der Wasserstoff für die erste Versuchsphase noch mit LKWs geliefert wurde, machen die benötigten Mengen für die zweite Phase eine Pipeline notwendig.  

Die Bundesregierung hat im Rahmen des Reallabor-Programms eine Förderung der zweiten Phase in Aussicht gestellt.  

Eine entsprechende Absichtserklärung zur Belieferung des Hochofens aus den Wasserstoff-Fernleitungen von Air Liquide wurde jetzt abgeschlossen. Air Liquide hat bereits die erste Projektphase begleitet und beabsichtigt – vorbehaltlich der Fördermittelzusage – in eine neue Rohrleitung zwischen Hochofen und vorhandener Wasserstoff-Fernleitung zu investieren.

Gilles Le Van, Vorsitzender der Geschäftsführung von Air Liquide Deutschland: „Mit thyssenkrupp baut Air Liquide an einem Leuchtturmprojekt der Wasserstoffzukunft. Gemeinsam bringen wird die Dekarbonisierung der Stahlerzeugung voran – mit dem Ziel, Klimaschutz und internationale Wettbewerbsfähigkeit stets in Balance zu halten. Dies ist für NRW, Deutschland und Europa wichtig und wir sind stolz, unseren Beitrag dazu zu leisten. Air Liquide bringt mehr als 50 Jahre Erfahrung rund um Wasserstoff in die Partnerschaft mit thyssenkrupp ein. Darauf können wir gemeinsam aufbauen.”

(Quelle: thyssenkrupp Steel Europa AG)

Für die Versuche an einer Blasform wird der Wasserstoff noch per LKW geliefert. Für die nächste Phase wird dies per Pipeline geschehen. - Photo: thyssenkrupp Steel Europe AG
Photo: thyssenkrupp Steel Europe AG

Schlagworte

CO2DekarbonisierungGrüner WasserstoffHochofenKlimazielthyssenkruppThyssenkrupp Steel Europe AG

Verwandte Artikel

25.09.2026

CO₂-Rechnung für Stahl könnte sich verdoppeln

EUROFER schätzt, dass die steigenden EU-CO₂-Abgaben den konventionellen Hochofenstahl nach 2030 drastisch verteuern werden

Dekarbonisierung Emissionen Energie Entwicklung Essen EU EUROFER Europa Handel Hochofen HZ IBU Importe Industrie ING Investition Klima Klimaneutraler Stahl Messe Schrott Transformation Unternehmen Verkauf Verlag Wettbewerb Wirtschaft Zahlen Zertifikat
Mehr erfahren
24.09.2026

Rohstahlerzeugung im August 2026: Weiterhin verhaltene Erholung

Die Rohstahlproduktion in Deutschland hat im August 2026 mit einem Plus von 1,7 Prozent im Vorjahresvergleich nur leicht zugelegt.

Deutschland EU Hochofen ING Konverter Produktion Rohstahlproduktion Schrott Stahl Stahlerzeugung Stahlproduktion Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung
Mehr erfahren
23.09.2026

greentec steel: Elektrolichtbogenofen in Linz angeliefert

Wichtiges Etappenziel für Österreichs größtes Klimaschutzprogramm: Das Kernequipment des neuen Elektrolichtbogenofens (EAF) für den voestalpine Standort in Linz ist einge...

Anlagen CO2 CO2-Emissionen Deutschland Donawitz Elektrolichtbogenofen Emissionen Ergebnis EU Europa Inbetriebnahme ING Italien Kernaggregate Klima Klimaschutz Lichtbogenofen Lieferung Österreich Primetals Produktion Schmelze Schmelzen Stahl Stahlerzeugung Stahlproduktion Stahlwerk Strategie Transport USA Voestalpine Voestalpine AG Vorstand Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Arbeiten am Hochofen A
22.09.2026

Letzter Abstich an Hochofen A bei HKM in Duisburg

Hochofen A wurde nach mehr als 53 Produktionsjahren am vergangenen Samstag in Duisburg dauerhaft außer Betrieb genommen

Bund CO2 CO2-neutral Deutschland DSV Duisburg Elektrolichtbogenofen EU HKM Hochofen HZ IBU Industrie Klima Klimaschutz Klimaziel Klimaziele Kokerei Lichtbogenofen Messe Produktion Roheisen Roheisenproduktion Salzgitter Salzgitter AG Stahl Stahlproduktion Strategie Transformation Transformationsprozess Unternehmen USA Vorstand
Mehr erfahren
Hüttensand
21.09.2026

EUROSLAG-Zahlen 2025 für Produktion und Verwendung von Eisenhüttenschlacken

Im Jahr 2025 wurden in der Europäischen Union etwa 17,8 Millionen Tonnen Hochofenschlacke (HOS, HS) und 16,8 Millionen Tonnen Stahlwerksschlacke (SWS) produziert.

ABB Baustoffe CO2 DSV Eisenhüttenschlacke Europa Forschung Hochofen Industrie ING Klima Klimaschutz Kreislaufwirtschaft Produktion Regelwerk Rohstoffe Schlacke Stahl Stahlindustrie Stahlwerk Vorstand Wirtschaft Zahlen
Mehr erfahren