Statement
Werner Diwald, Vorstandsvorsitzender des DWV - Photo: Deutscher Wasserstoff Verband (DWV) e.V.
24.07.2024

DWV zur Importstrategie: Deutsche Energieversorgung durch Importe aus Europa sichern

Werner Diwald, Vorstandsvorsitzender des DWV, kommentiert:
"Der DWV begrüßt, dass die Bundesregierung mit der Importstrategie die Signale für den Hochlauf der europäischen Wasserstoffwirtschaft auf Grün stellt. Der zunehmende Fokus auf Importe aus der EU ist gut, aber das wird nicht ausreichen.

Um das Ziel der Bundesregierung, bis zu 70 Prozent des Wasserstoffbedarfs durch Importe zu decken, nachhaltig zu erreichen, ist der pipelinegebundene Transport aus Europa die effizienteste Lösung. Dafür müssen verlässliche Kooperationen und Partnerschaften innerhalb der EU und mit angrenzenden Regionen aufgebaut werden, um eine gemeinsame europäische Wasserstoff-Union zu etablieren. Denn für das Erreichen der Klimaziele ist entscheidend, dass der importierte Wasserstoff den strengen Vorgaben der Europäischen Union entspricht.

Für die Herstellung von grünem Wasserstoff setzt die Europäische Union mit ihren delegierten Rechtsakten Standards fest. Eine wirksame Zertifizierung und enge Kontrollen sind notwendig, um die THG-Quoten zuweisen zu können und Missbrauch zu verhindern. Dies ist in Deutschland von großer Relevanz, denn die Verwendung von grünem Wasserstoff bei der Erreichung der THG-Minderungsziele im Verkehrssektor wird über die 37. Bundes-Immissionsschutzverordnung (BImSchV) mit dem Faktor drei angerechnet. Das ermöglicht höhere Einnahmen aus dem THG-Quotenhandel und soll so die Wirtschaftlichkeit von grünem Wasserstoff verbessern, Investitionssicherheit schaffen und den Business Case stärken.

Deutschland und Europa sind daher gut beraten, sich gerade in der Hochlaufphase der grünen Wasserstoff-Marktwirtschaft auf Partner in Europa zu konzentrieren. Damit wird nicht nur sichergestellt, dass die Anforderungen an die nachhaltige Produktion von grünem Wasserstoff eingehalten werden, sondern auch dass die europäische Wasserstoffwirtschaft maximal gestärkt wird.

Der pipelinegebundene Transport hat den geringsten CO2-Fußabdruck und unterstützt insbesondere schwer zu dekarbonisierende Industrien wie Stahlwerke und den Schwerlastverkehr. Aktuell postuliert die Strategie der Bundesregierung bis 2030 auch schiffsbasierte Importe von Wasserstoff-Derivaten, was jedoch hohe Kosten und infrastrukturelle Herausforderungen mit sich bringt. Der Import über Pipelines hingegen ist schon jetzt durch Beimischung ins Erdgasnetz möglich und wirtschaftlicher.

Europa verfügt über ein großes Potenzial für die wettbewerbsfähige Erzeugung von grünem Wasserstoff, wie die Erfolge der Europäischen Wasserstoffbank zeigen. Die Beimischung in bestehende Erdgasleitungen in Verbindung mit der bilanziellen Entnahme von Wasserstoff könnte bereits heute die Nachfrage bedienen, bis reine Wasserstoffnetze aufgebaut sind.

Um dieses Potenzial zu nutzen, muss die Bundesregierung die Möglichkeit für europaweite Erneuerbare-Energien-Ausschreibungen gemäß §5 EEG nutzen und eine entsprechende Verordnung erlassen. Diese Ausgestaltung könnte noch in diesem Jahr erfolgen und den europäischen Aufbau von über 30 GW Elektrolyseleistung ermöglichen. Dadurch könnten bis zu 80 TWh grüner Wasserstoff pro Jahr produziert werden, was den Bedarf Deutschlands decken würde. Besonders geeignete Länder für den Start sind beispielsweise Dänemark und Bulgarien, wie bereits vorhandene Studien belegen.

Zusammengefasst: Pipeline-gebundene Importe aus Europa sind die beste Lösung für die DWV Deutscher Wasserstoff-Verbandgrüne Wasserstoffversorgung in Deutschland, und die Nutzung des § 5 EEG ist dafür unerlässlich.

Der Importstrategie fehlt es dagegen an konkreten Aussagen darüber, wie die Importe bis 2030 gedeckt werden sollen. Auch ist die Strategie nicht mit eindeutigen und überprüfbaren Zielen unterlegt, womit eine Evaluation unmöglich ist. Es besteht daher weiterhin die Unsicherheit auf der Nachfrageseite über die ausreichende Verfügbarkeit von Wasserstoff, was dazu führt, dass die Grundlage für konkrete Business Cases fehlt."

(Quelle: Deutscher Wasserstoff-Verband (DWV) e.V.)

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