Trendthema Wirtschaft
Drei von vier Europäern sind über den Konflikt zwischen den USA und China besorgt. - Foto: Wolfgang Schröpfer / Pixabay
17.01.2020

Europäer wünschen sich im Konflikt zwischen USA und China ein stärkeres Europa

Die Spannungen zwischen den USA und China erfüllen die EU-Bürger mit großer Sorge. Zugleich stärkt die unsichere Weltlage ihren Wunsch nach einem souveräneren Europa. Den beiden Großmächten stehen die Europäer unterschiedlich gegenüber: Während sie sich den USA nach wie vor verbunden fühlen, betrachten sie China überwiegend als Wettbewerber. Besonders kritisch sehen die EU-Bürger die Volksrepublik beim Thema Datensicherheit. Das ergab eine Meinungsumfrage der Bertelsmann Stiftung in den 28 Mitgliedsstaaten der EU.

Drei von vier Europäern (75 %) sind über den Konflikt zwischen den USA und China besorgt – in Deutschland sind es sogar 81 %. Das geht aus einer Meinungsumfrage der Bertelsmann Stiftung in den 28 Mitgliedsländern der Europäischen Union hervor. Die Befragung fördert außerdem auffällige Unterschiede in der Wahrnehmung der beiden Großmächte durch die EU-Bürger zutage. So geben rd. die Hälfte der befragten Europäer in Bezug auf die Wirtschaft an, dass ihr Land sowohl mit China als auch mit den USA ökonomische Interessen teile. In Deutschland sehen zum Beispiel 58 % eine wirtschaftliche Bedeutung Chinas für das eigene Land, und damit mehr als im europäischen Durchschnitt. Doch bei der Frage nach gemeinsamen Werten und politischen Interessen zeigt sich, dass die Europäer China deutlich skeptischer gegenüberstehen als den USA.

45 % und somit fast die Hälfte der Befragten nehmen die Volksrepublik hauptsächlich als Wettbewerber wahr; nur ein Viertel der EU-Bürger sehen China als Partner. Lediglich 9 % geben jeweils an, dass ihr Land mit China gleiche politische Interessen oder gemeinsame Werte teile. In Deutschland betrachten knapp ein Drittel der Befragten (32 %) China als Partner, während 38 % das Land in erster Linie als Wettbewerber einstufen. Im Vergleich dazu sehen sich die Europäer den USA noch immer stark verbunden. 36 % der EU-Bürger geben an, mit den USA politische Interessen zu teilen, knapp ein Viertel der Befragten nennen gemeinsame Werte als verbindendes Element. In Deutschland sehen etwas weniger Bürger als im EU-Durchschnitt gleiche politische Interessen und Werte mit den Vereinigten Staaten.

Besonders kritisch gegenüber China sind die Europäer beim Thema Digitalisierung und Datensicherheit: Nur 6 % der Befragten trauen chinesischen Unternehmen zu, mit ihren Daten verantwortungsvoll umzugehen. Von amerikanischen Anbietern erwartet das zumindest jeder Fünfte, bei japanischen Unternehmen sind es immerhin noch 16 %. Das mit Abstand höchste Vertrauen bringen die Europäer den eigenen Unternehmen entgegen: 40 % gehen bei europäischen Firmen von hohen Datenschutzstandards aus.

In einer angespannten Weltlage richten die befragten Europäer ihre Hoffnungen am stärksten auf den eigenen Kontinent: Jeder Zweite sieht die anderen EU-Länder als die wichtigsten Verbündeten für Europa. 17 % geben an, die USA seien der bedeutendste Verbündete ihres Landes – China wird diese Rolle nur von 5 % zugeschrieben.

„Die Europäer sind sich bewusst, dass ein Konflikt zwischen den beiden Großmächten USA und China auch Europa zwingt, sich weltpolitisch neu zu positionieren“, sagt Anika Laudien, China-Expertin der Bertelsmann Stiftung. „Das öffentliche Meinungsbild zeigt eine breite Unterstützung für die China-Politik der EU, die ein wichtiger Bestandteil der Strategie für ein insgesamt stärkeres und souveräneres Europa ist.“ Die Europäer stützten damit auch den Kurs der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die mit einer „geopolitischen Kommission“ Europa zu mehr Mitsprache auf der Weltbühne verhelfen möchte, so Laudien.

Die Umfrage zeige außerdem, dass die China-Debatte in der Öffentlichkeit bisher emotional nicht sonderlich stark aufgeladen sei. Daher verfügten Europas Politiker über Handlungsspielräume für sachorientierte politische Lösungen. Angesichts der zahlreichen Herausforderungen im Verhältnis zwischen China und den Ländern der EU seien genau diese vonnöten, so die Experten der Bertelsmann Stiftung.

Bertelsmann Stiftung

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HandelskonfliktWeltwirtschaft

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