Trendthema
Werk Bremen - Photo: ArcelorMittal
23.06.2025

ArcelorMittal Europe drängt auf schnellere Umsetzung des Aktionsplans für Stahl und Metalle

ArcelorMittal Europe gibt bekannt, dass es seine DRI und EAF-Pläne zur Dekarbonisierung der Flachstahlwerke in Bremen und Eisenhüttenstadt leider nicht weiterverfolgen kann.

Der Konzern hatte bereits im November 2024 erklärt, dass er keine finalen Investitionsentscheidungen über den Bau neuer DRI-EAF-Anlagen in Europa treffen könne, da sich die politischen, energie- und marktbezogenen Rahmenbedingungen nicht in die erhoffte Richtung entwickelt hatten. Das Unternehmen hatte damals angekündigt, einen schrittweisen Ansatz zur Dekarbonisierung in Europa zu prüfen, beginnend mit dem Bau von Elektrolichtbogenöfen.

Da der Vertrag mit der Bundesregierung über die Förderung von 1,3 Milliarden Euro den Beginn der Bauarbeiten für das Projekt bis Juni 2025 vorsah, war ArcelorMittal verpflichtet, der Regierung offiziell mitzuteilen, dass es auf Grund der Marktsituation und der fehlenden Wirtschaftlichkeit einer CO2- reduzierten Stahlproduktion die Investitionen nicht weiterführen kann.

Mit der Absicht für eine schrittweise Dekarbonisierung in Europa wird ArcelorMittal sich in Bremen und Eisenhüttenstadt auf die Planung zum Bau von Elektrolichtbogenöfen konzentrieren, um vorbereitet zu sein, wenn die Produktion mit Elektrolichtbogenöfen dort wirtschaftlich sinnvoll ist.

ArcelorMittal hält an dem Ziel fest, die CO2-Bilanz seiner Anlagen weiter zu verbessern, auch wenn es - wie im April angekündigt - zunehmend unwahrscheinlicher wird, die CO2-Reduktionsziele bis 2030 zu erreichen. Es wird immer deutlicher, dass die Energiewende in allen Bereichen langsamer als erwartet vorankommt. Dazu gehört auch, dass grüner Wasserstoff noch keine tragfähige Energiequelle ist und die DRI-Produktion auf Erdgasbasis als Übergangslösung nicht wettbewerbsfähig ist.

Die Weltwirtschaft hat noch nicht das erforderliche Tempo, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Die vollständige Umsetzung der bestehenden nationalen Beiträge zur Senkung der CO2- Emissionen bis 2030 würde die Emissionen gegenüber 2019 nur um bis zu zehn Prozent senken, was weit hinter den für 2 ° Celsius erforderlichen 28 Prozent und den für 1,5 ° Celsius nötigen 42 Prozent zurückbleibt. Währenddessen steht der europäische Stahlmarkt unter einem beispiellosen Druck aufgrund der schwachen Nachfrage und der hohen Importe.

ArcelorMittal steht im regelmäßigen Austausch mit der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten, um eine nachhaltige Stahlproduktion in Europa und den Übergang zu CO2-reduzierten Technologien voranzutreiben.

Dazu ist es dringend erforderlich, folgende Probleme anzugehen:
- Die hohen Importe in den ansonsten von schwacher Nachfrage gekennzeichneten europäischen Markt
- Die Wirksamkeit neuer Instrumente zur Unterstützung von Sektoren mit schwer vermeidbaren Emissionen, einschließlich des CO2-Grenzausgleichs CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism)
- Der Strompreis (die Umstellung von Hochofen auf Elektrolichtbogenofen bedeutet den Wechsel von Kohle als Energieträger zu einem Ofen, der mit Erdgas und Strom betrieben wird.)

Die ersten neuen Elektrolichtbogenöfen werden in Ländern gebaut, die eine wettbewerbsfähige und planbare Stromversorgung bieten können. ArcelorMittal hat im Mai erklärt, den nächsten Elektrolichtbogenofen in Dünkirchen (Frankreich) zu bauen. Die aktuellen Strompreise in Deutschland sind sowohl im internationalen Vergleich als auch im Vergleich zu den europäischen Nachbarländern hoch.

Geert Van Poelvoorde, CEO von ArcelorMittal Europe, kommentiert:
„Wir wissen die Finanzierung durch die Bundesregierung und das Land Bremen sowie die Unterstützung des Landes Brandenburg für dieses Projekt zu schätzen. Aber selbst mit der finanziellen Unterstützung ist die Wirtschaftlichkeit dieser Umstellung nicht ausreichend gegeben, was das Ausmaß der Herausforderung verdeutlicht. Die europäische Stahlindustrie steht derzeit unter einem noch nie dagewesenem Druck, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten - und das bereits ohne die zusätzlichen
Kosten, die für die Dekarbonisierung erforderlich sind.

Die Europäische Kommission und ihre Mitgliedstaaten unternehmen Schritte, um dieses Problem mit dem Aktionsplan für Stahl und Metalle zu lösen. Aber es geht zu langsam - und ich befürchte, dass einige der Maßnahmen nicht weit genug gehen, um das gewünschte Ziel zu erreichen. Ich bin seit Beginn meiner Karriere in der Stahlindustrie tätig und nach wie vor davon überzeugt, dass Europa eine starke Stahlindustrie erhalten kann – aber es muss entschlossen handeln, damit den Worten auch Taten folgen, die helfen. Die höchste Priorität ist derzeit, die Stahlnachfrage in Europa so wiederzubeleben, dass europäische Hersteller auch daran teilhaben können.

Die hohen Importe sind ein großes Problem – wir brauchen eine Begrenzung der Importe für Flachprodukte auf 15 Prozent, was einer Reduzierung um etwa 50 Prozent gegenüber dem aktuellen Stand entspricht. Wenn das erreicht ist, wird die Branche auch in einer viel besseren Position sein, um Investitionen in die Dekarbonisierung voranzutreiben.“

(Quelle: ArcelorMittal)

Schlagworte

AnlagenBrandenburgBremenBundCO2CO2-EmissionenDekarbonisierungDeutschlandEisenhüttenstadtElektrolichtbogenofenEmissionenEnergieEnergiewendeErdgasEssenEUFinanzierungFlachprodukteFlachstahlFrankreichHandelHochofenIndustrieINGInvestitionKarriereKILichtbogenofenParisProduktionStahlStahlindustrieStahlmarktStahlproduktionStahlwerkUnternehmenWasserstoffWeltwirtschaftWettbewerbWirtschaft

Verwandte Artikel

Primetals Technologies wird eine Pelletieranlage, drei Pfannenöfen und zwei RH-Entgaser an SAIL IISCO liefern. Das Foto zeigt Vertreter beider Unternehmen bei der Vertragsunterzeichnung.
05.03.2026

SAIL IISCO kooperiert mit Primetals Technologies

Steel Authority of India Limited (SAIL), ein führender indischer Stahlproduzent, erweitert sein IISCO-Stahlwerk in Burnpur und wählte dafür Primetals Technologies als Lie...

Anlagen Antrieb Deutschland Digitalisierung Draht EU Greenfield-Projekt HZ Indien Industrie ING KI Legierungen Lieferung Ltd Ltd. Metallurgie Optimierung Partnerschaft Primetals Produktion Prozessoptimierung Sensoren Spezialstahl Stahl Stahlindustrie Stahlwerk Steuerung Temperatur Unternehmen USA Vakuumpumpe Zusammenarbeit
Mehr erfahren
David Algermissen, Abteilungsleiter Sekundärrohstoffe/Schlackenmetallurgie im FEhS – Institut für Baustoff-Forschung, welches das Projekt koordiniert hat: „Die Arbeiten mit diesem großartigen Konsortium waren sehr erfolgreich. Es konnte sowohl Basiswissen rund um die Elektroroheisenschlacke aufgebaut werden bis hin zu Pilotversuchen zur Erzeugung von Hüttensand 2.0 im Tonnenmaßstab und die Prüfung im Zement und Beton. Nächste Schritte sind die normativen und rechtlichen Rahmenbedingungen, damit das Material auch zeitnah seinen Weg in den Markt finden kann, sobald die Schlacke bei thyssenkrupp entsteht.“ Das im Jahr 2021 gestartete Forschungsvorhaben „SAVE CO2“ von thyssenkrupp Steel, Heidelberg Materials, dem Institut für Technologien der Metalle der Universität Duisburg-Essen, Fraunhofer UMSICHT und FEhS-Institut wurde im Rahmen der Fördermaßnahme KlimPro-Industrie vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie der Europäischen Union/NextGenerationEU gefördert und durch den DLR Projektträger betreut.
05.03.2026

Schlacken aus dekarbonisierter Stahlherstellung für Zement geeignet

Neue Schlacken, die bei der dekarbonisierten Stahlherstellung auf der Direktreduktionsroute im Einschmelzer entstehen, eignen sich als latent hydraulische Bindemittel in...

Bund CO2 CO2-Emissionen Direktreduktion Duisburg Einsatzstoffe Eisenschwamm Emissionen Energie Ergebnis Essen EU Forschung Forschungsprojekt Fraunhofer Hochofen Industrie ING Klima Metallurgie Produktion Roheisen Rohstoffe Schmelze Stahl Stahlherstellung Technik Thyssen thyssenkrupp Umwelt Wirtschaft
Mehr erfahren
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl
05.03.2026

Industrial Accelerator Act bleibt weit hinter dem Notwendigen zurück

Mit dem aktuell veröffentlichten Vorschlag zum Industrial Accelerator Act (IAA) stuft die Europäische Kommission die Stahlindustrie nun offiziell als strategischen Sektor...

Automotive Bund Energie Essen EU Industrie ING Investition Klima Klimaziel Klimaziele LED Lieferketten Nachhaltigkeit Produktion Stahl Stahlindustrie Transport Verteidigung Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung
Mehr erfahren
Stefan Borgas, Chief Executive Officer
04.03.2026

RHI Magnesita Jahresergebnis 2025

RHI Magnesita, ein weltweit führender Anbieter von hochwertigen Feuerfestprodukten, -systemen und -lösungen, veröffentlicht die Jahresergebnisse zum 31. Dezember 2025.

Einsparung Entwicklung Ergebnis EU Feuerfest Feuerfestprodukte HZ ING Innovation Marktbedingungen Nachhaltigkeit Nordamerika Optimierung Produktion Recycling RHI Magnesita Strategie Transformation Unternehmen Vertrieb Wettbewerb
Mehr erfahren
Martin Reinke, Geschäftsbereichsleiter Digitale Services & E-Business
04.03.2026

DataConnecct von Nordwest erhält BSFZ-Siegel

Die Nordwest Handel AG stärkt ihre Position als innovationsgetriebener Partner im B2B-Handel: Das Verbundunternehmen hat die Online-Produktstammdatenplattform DataConnect...

Auszeichnung Automatisierung Bund Digitalisierung Entwicklung EU Forschung Getriebe Handel HZ ING Innovation Investition Nordwest Handel AG Service Unternehmen USA Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren