Unternehmen Trendthema News
Photo: pixabay/ geralt 22354 images
11.03.2021

Grenzüberschreitendes Wasserstoffprojekt an der Saar strebt IPCEI-Förderung an

Das Energieunternehmen STEAG, der Anlagenbauer Siemens Energy, der Netzbetreiber Creos Deutschland, die Saarbahn und die Stahlunternehmen SHS – Stahl-Holding-Saar (mit den Unternehmen Dillinger und Saarstahl) haben eine gemeinsame Projektidee entwickelt, mit der sie durch die Erzeugung, die Verwendung und den Transport von Wasserstoff eine grenzübergreifende und perspektivisch grüne Wasserstoffwirtschaft etablieren wollen. Im Rahmen des aktuell laufenden Interessenbekundungsverfahrens des Bundeswirtschaftsministeriums zur Identifizierung wichtiger Wasserstoffprojekte von gesamteuropäischem Interesse – kurz: IPCEI – wurde dieses Konzept nun gemeinsam eingereicht.

Wasserstoff ist Energieträger und Kraftstoff sowohl für eine CO2-arme Produktion von Stahl, als auch für eine emissionsfreie Mobilität in der Region. Seine Vorteile können wertschöpfend genutzt werden, wenn die Erzeugung und Nutzung von vorzugsweise grünem Wasserstoff sowie dessen Transport über eine gut funktionierende Infrastruktur Hand in Hand gehen. Die saarländischen Wasserstoffprojekte „HydroHub Fenne“ (STEAG), „H2SYNgas“ (SHS - Stahl-Holding-Saar), „TraficHdeux“ (Saarbahn), sowie das saarländisch-französische Wasserstoffprojekt „mosaHYc“ (Creos Deutschland) bilden den Antragsverbund. Mit der Förderung als „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI) erhoffen sich die Unternehmen das nötige Investitionskapital zur Umsetzung ihrer Projekte.

Wegen der strukturellen Gegebenheiten von Industrie und Energieversorgern sowie einem hohen Pendleraufkommen im Saarland und in der Großregion kann sich durch die IPCEI-Projekte als Initialzündung eine nachhaltige Wasserstoffwirtschaft in der Region entwickeln; ganz im Sinne des Planungsziels, das Saarland als Wasserstoffmodellregion zu etablieren. Im Zuge des nationalen Klimaschutzplans sowie des Europäischen Green Deal wird der Projektverbund einen wesentlichen Beitrag zur Senkung der CO2-Emissionen leisten. Die unterschiedlichen Teilprojekte stoßen in ihrer Gesamtheit außerdem einen nachhaltigen Transformationsprozess in Industrie und Mobilitätssektor an. Damit entstehen emissionsfreie Technologien in der Grenzregion, die den Strukturwandel mit vorantreiben.

Die Projekte im Einzelnen

mosaHYc – Transport von Wasserstoff
Das gemeinsame Projekt der Verteilnetzbetreiber Creos und der GRTgaz „mosaHYc“ will eine bestehende Gasinfrastruktur nutzen, um ein grenzüberschreitendes Hochdrucknetz für den Transport von Wasserstoff aufzubauen. Ziel ist es, eine 100 Kilometer lange Infrastruktur zu schaffen, die es Wasserstoffproduzenten und -verbrauchern in der „Grande Région“ ermöglicht, Geschäftsmodelle in der Industrie, im Wärmemarkt und im Verkehrssektor zu entwickeln. Dabei müssen sowohl das Zusammenspiel der verschiedenen Leitungsabschnitte im Raum Völklingen (Deutschland), Carling (Frankreich), Bouzonville (Frankreich) und Perl (Deutschland) im Saarland und in Frankreich berücksichtigt werden, als auch sicherheitstechnische Aspekte. Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie werden die bestehenden Leitungen untersucht und auf die Umstellung auf Wasserstoff vorbereitet. Darüber hinaus wird geprüft, inwiefern eine bestehende Leitungstrasse zwischen Völklingen und Saarbrücken für den Transport von Wasserstoff genutzt werden kann.

HydroHub Fenne
Mit dem Projekt „HydroHub Fenne“ (2x 17,3 MWel bzw. 664 kg H2 pro Stunde bzw. ca. 5.800 t H2 pro Jahr) von STEAG und Siemens Energy, welches bereits als „Reallabor der Energiewende“ ausgewählt wurde, soll im saarländischen Völklingen eine erste signifikante PEM-Elektrolyseanlage (Proton Exchange Membrane) entstehen. Der HydroHub Fenne soll auf dem Gelände eines bestehenden Kraftwerksstandorts von STEAG entstehen und dabei ohne weitreichende Änderungen und Umweltbelastungen die vorhandenen Strukturen im Sinne eines Brownfield-Ansatzes weiter nutzen. Die Anlage wird Strom aus erneuerbaren Energien („Grünstrom“) für die Elektrolyse einsetzen und so grünen Sauerstoff und Wasserstoff erzeugen. Der Grünstrom wird von der STEAG teilweise in eigenen
Anlagen z.B. der STEAG New Energies oder der STEAG Solar Energy Solutions erzeugt, oder am Markt über Green PPA-Verträge beschafft.

TraficHdeux – ÖPNV mit Brennstoffzellenfahrzeugen
Das von der Saarbahn initiierte Projekt „TraficHdeux“ hat sich das Ziel gesetzt, die Infrastruktur zum Betrieb eines grenzüberschreitenden ÖPNV mit Brennstoffzellenzügen und -bussen aufzubauen. Kernstück dieses Projektes ist die Reaktivierung von nicht oder nur teilweise elektrifizierten Bahnstrecken über Landesgrenzen hinweg. Zudem ist der Aufbau einer Tankstelleninfrastruktur auf dem Kraftwerksgelände von STEAG in Völklingen angedacht. Auch die Busflotte soll schnellstmöglich auf emissionsfreie Antriebe umgestellt werden. Bis zum Jahr 2030 steht bei der Saarbahn die Ersatzbeschaffung von rund 85 Solo- und Gelenkbussen an. Der überwiegende Teil soll dabei als emissionsfreie Antriebe beschafft werden. Zusätzlich soll ein kleinskaliger Elektrolyseur errichtet werden, um die Versorgung bis zum Anschluss an die mosaHYc-Leitung sicherzustellen. Um die in der Anlaufphase vorhandenen Überkapazitäten optimal zu nutzen, soll die Tankstelle deshalb auch anderen kommunalen Unternehmen und gewerblichen Nutzern zur Verfügung gestellt werden.

H2SYNgas (SHS – Stahl-Holding-Saar)
Die saarländische Stahlindustrie mit den Unternehmen Dillinger und Saarstahl nimmt als industrieller Abnehmer eine Schlüsselrolle im strategischen Aufbau der regionalen grenzüberschreitenden Wasserstoffwertschöpfungskette ein. Zur Reduzierung von Prozessemissionen in der Stahlindustrie ist der Einsatz von Wasserstoff erforderlich. Im Rahmen des Innovationsprojektes „H2SYNgas“ wird eine Technologie an einem Hochofen der ROGESA Roheisengesellschaft Saar mbH, einer gemeinsamen Tochter von Dillinger und Saarstahl, entwickelt, welche die Nutzung von eigenen Prozessgasen und darüber hinaus von erheblichen Wasserstoffmengen für den Hochofenprozess ermöglicht. Das aus eigenen Prozessgasen erzeugte Synthesegas wird mit Wasserstoff angereichert. Dieses wasserstoffreiche Mischgas wird dann als Reduktionsmittel für die Reduktion der Eisenerze eingesetzt. Auf diese Weise wird Koks im Hochofenprozess verdrängt und damit CO2-Emissionen vermieden. Nach der in 2020 bereits an den Hochöfen in Dillingen installierten Koksgaseindüsung beabsichtigt die SHS – Stahl-Holding-Saar mit dieser neuen innovativen Technologie den nächsten Schritt auf dem Weg zur CO2-neutralen Stahlproduktion an der Saar zu gehen.

(Quelle: SHS – Stahl-Holding-Saar, STEAG, Siemens Energy, Creos und Saarbahn)

Schematische Karte der Projektplanungen - © Creos Deutschland GmbH
© Creos Deutschland GmbH

Schlagworte

CO2Creos DeutschlandKlimazielSaarbahnSHS – Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaASiemens EnergySTEAGWasserstoff

Verwandte Artikel

Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl:
29.05.2024

WV Stahl begrüßt Gesetz für schnelleren Wasserstoff

Bundeswirtschaftsminister Dr. Robert Habeck hat heute den Kabinettsbeschluss zum Wasserstoffbeschleunigungsgesetz vorgestellt. Die WV Stahl sieht darin einen wichtigen Ba...

Bund CO2 Dekarbonisierung Deutschland Elektrolyse EU Industrie ING Investition Klima Stahl Stahlindustrie Strategie Unternehmen Wasserstoff Wirtschaft Wirtschaftsminister
Mehr erfahren
Aichelin Group-CEO Christian Grosspointner
28.05.2024

Aichelin erzielt 2023 Umsatz von 214 Millionen Euro

Trotz globaler Krisen und schwieriger Rahmenbedingungen in Europa konnte das Unternehmen eine sehr gute Gesamtentwicklung verzeichnen und plant für 2024 weitere Expansion...

Aluminium Anlagen Anlagenbau Automatisierung Brenner China CO2 Einsparung Energie Entwicklung Ergebnis EU Gesellschaft Getriebe Indien Industrie ING Innovation Instandhaltung Investition Lieferketten Managementsystem Modernisierung Nachhaltigkeit Nordamerika Partnerschaft Presse Produktion Pulver Service Sistem Teknik Slowenien Strategie TEMA Umwelt Unternehmen Vereinbarung Verkauf Vertrieb Wasserstoff Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren
Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer des VDMA:
27.05.2024

VDMA kritisiert Gesetzgebung zum CBAM

Der VDMA-Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann sagt, dass CBAM in der jetzigen Form eine mangelhafte Gesetzgebung sei. Die Unternehmen können nicht auf die Emissionsdaten...

CO2 EU EU-Kommission Unternehmen
Mehr erfahren
Visualisierung der geplanten Direktreduktionsanlage und des Elektrolichtbogenofens im Werk von Tata Steel in IJmuiden_Copyright Tata Steel
27.05.2024

Tata beauftragt Danieli und Tenova mit Basic Engineering

Tata Steel Nederland hat Danieli und Tenova mit dem Basic Engineering für eine Direktreduktionsanlage, einen Elektrolichtbogenofen und weitere Anlagen in seinem Werk im n...

Anlagen CO2 Danieli Direktreduktion DRI-Anlage Elektrolichtbogenofen Elektrolyse Elektrolyseur Emissionen Energie Energiewende Essen EU Green Steel Hochofen IJmuiden ING Klima Klimapolitik Koks Kreislaufwirtschaft Lichtbogenofen Politik Produktion Schrott Stahl Stahlproduktion Stahlunternehmen Stahlwerk Tata Steel Tenova Transformation Unternehmen Vereinbarung Wasserstoff Wirtschaft
Mehr erfahren
Das 5. Freiberger Feuerfest-Symposium erhielt regen Zulauf
24.05.2024

Studie zu Wasserstoff und Feuerfestmaterial präsentiert

Feuerfesthersteller Rath stellte auf dem 5. Freiberger Feuerfest-Symposium eine Studie zu Auswirkungen auf Feuerfestmaterial im Zuge des Einsatzes von Wasserstoff in der...

Anlagen Anlagenbau Bund Dekarbonisierung Direktreduktion Energie Energiewende Entwicklung Ergebnis EU Forschung Gesellschaft Industrie ING Klima Kooperation Lieferketten Messung Montage Produktion Rohstoffe Schade SSAB Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Studie Technik Temperatur Transformation Unternehmen USA Wasserstoff Werkstoff Werkstoffe
Mehr erfahren