Während die Wirtschaftsvereinigung Stahl den Vorschlag der Europäischen Kommission begrüßt hatte, im Automotive Package einen eigenständigen Anrechnungsmechanismus für emissionsarmen Stahl Made in EU einzuführen, betrachtet der Verband die aktuelle deutsch-französische Einigung mit Sorge. Beide Staaten fordern, den vorgesehenen Stahl-Credit durch einen erweiterten, sogenannten Super-Credit-Mechanismus für Elektrofahrzeuge ab 2027 zu ersetzen. In Kombination mit den weiteren vorgeschlagenen Maßnahmen droht die von der Kommission geplante Nachfrageförderung für CO₂-reduzierten Stahl erheblich an Wirkung zu verlieren.
Der aktuelle deutsch-französische Ansatz folgt einer völlig neuen Logik, die die Anrechnung emissionsarmen Stahls in einen allgemeinen Super-Credit-Mechanismus für Elektrofahrzeuge integriert. Dabei sollen Stahl und Aluminium gemeinsam als emissionsarme, in Europa produzierte Materialien berücksichtigt werden. Aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl besteht damit die Gefahr, dass der gezielte Anreiz zum Einsatz CO₂-reduzierten Stahls deutlich abgeschwächt wird.
„Dass Deutschland und Frankreich eine frühere Anrechenbarkeit emissionsarmen Materialeinsatzes ermöglichen wollen, ist grundsätzlich positiv. Auch dass die beiden Staaten Wert darauf legen, dass der Stahl und das Aluminium in Europa gefertigt werden, begrüßen wir. Entscheidend ist aber nicht nur, wann ein Instrument greift, sondern auch, welche Wirkung es tatsächlich entfaltet. Die Zusammenführung von Stahl und Aluminium in einem gemeinsamen Mechanismus, dessen Wirkungen derzeit kaum einzuordnen sind, birgt mindestens die Gefahr, die Grundprinzipien des Kommissionsvorschlags – der Schaffung eines funktionierenden Leitmarktes für grünen Stahl – zu verwässern“, so Rippel.
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl spricht sich deshalb dafür aus, am eigenständigen Stahl-Credit des Kommissionsvorschlags festzuhalten und zugleich auch dessen zeitlich frühere Anwendung zu ermöglichen. Damit könnten bereits vor 2035 zusätzliche Nachfrageimpulse für CO₂-reduzierten Stahl für eine breite Fahrzeugpalette aus europäischer Produktion gesetzt werden. Alternativ muss sichergestellt werden, dass der neue Mechanismus die gleiche Leitmarktwirkung entfaltet, wie der von der Kommission vorgeschlagene Stahl-Credit.
„Europa braucht jetzt wirksame Nachfrageinstrumente, durch die Investitionen der Industrie unterstützt und industrielle Wertschöpfung am Standort gesichert werden. Mit dem Stahl-Credit und dessen Anwendung ab spätestens 2030 war man in den Diskussionen in Brüssel auf einem guten Weg, Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz zusammen zu denken. Wir appellieren an die Bundesregierung, diesen Weg weiter zu unterstützen!“, so die Verbandschefin.
(Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)
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