News
Verzögerungen in der Lieferkette verursachten im August bei Global Playern und KMU Produktionsunterbrechungen. - Photo: pixabay
07.09.2021

EMI: Lieferengpässe führen zu Produktionsunterbrechungen

Die deutsche Industrie hatte im August aufgrund anhaltender Lieferengpässe Schwierigkeiten, mit der hohen Nachfrage Schritt zu halten. Die Zuwächse in der Produktion blieben deutlich unter denen des Auftragseingangs. Zudem ging die Zuversicht der Industrieunternehmen hinsichtlich des zukünftigen Wachstums leicht zurück, was vor allem am zunehmenden Preisdruck lag.

Das zeigt der saisonbereinigte IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI), der im August um 3,3 Punkte sank. Mit 62,6 Punkten (Juli 65,9) notierte der deutsche PMI aber auch im August komfortabel in der Wachstumszone und deutlich über der Referenzlinie von 50 Punkten.

„Corona bleibt weiterhin ein Thema, das sich sowohl auf das Wachstum als auch auf die Inflation auswirkt. Beides hat zuletzt etwas von der sehr guten Stimmung genommen“ kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, am Freitag auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten.

Der Nachfrageboom nach Wegfall der Restriktionen treffe auf ein immer noch begrenztes Angebot: Fehlende Container, Lastwagen oder Halbleiter seien in diesem Kontext zu nennen. Entsprechend stiegen die Preise. Das Wachstum in der Industrie könnte höher sein, wenn die Lieferengpässe nicht zu Produktionsverzögerungen führen würden.

„Mittelfristig ist jedoch davon auszugehen, dass diese Lieferschwierigkeiten sich auch wieder lösen. Der historisch hohe Auftragsbestand sichert somit schon das Wachstum bis ins Jahr 2022 hinein“, fügte die Helaba-Bankdirektorin in ihrem Statement für den BME hinzu.

„Es zeigt sich, das die ersten Schritte des konjunkturellen Aufholprozesses leichter und schneller gegangen werden konnten, als dies bei den nächsten und letzten Schritten der Fall sein wird“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, am Freitag dem BME.

Eine erschwerende Begleiterscheinung zeige sich zunehmend in der Verfügbarkeit und den Preisen von Vorleistungsgütern und Rohstoffen. Die Unternehmen deuteten an, dass es zwar weiter aufwärtsgehe, aber langsamer als in den vergangenen Monaten.

Zur jüngsten Entwicklung des EMI teilte Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG, am Freitag dem BME mit: „Die knappe Marktversorgung hat bei den meisten Rohstoffen auch im August angehalten. Erste Entspannungssignale gab es jedoch auf der Vormaterialseite von Stahl. Die Spotmarktnotierungen für Eisenerz in China sanken im Monatsdurchschnitt um gut ein Viertel gegenüber dem Juliniveau. Eine sich normalisierende brasilianische Erzförderung hat dazu beigetragen. Da auch die Schrottpreise leicht nachgaben, hat der Druck auf die Stahlpreise etwas nachgelassen. Die Ankündigung der OPEC, die Fördermenge ab Oktober 2021 nochmals auszuweiten, dürfte ebenfalls preisstabilisierend wirken.“

Die Entwicklung der EMI-Teilindizes im Überblick:

Produktion: Nach Bereinigung saisonaler Faktoren verlangsamte sich das Produktionswachstum im verarbeitenden Gewerbe erneut. Der Index Produktion notierte zwar weiterhin komfortabel über der Referenzlinie von 50,0 Punkten, rutschte aber um mehr als fünf Punkte auf den niedrigsten Stand seit einem Jahr ab. Geringere Zuwächse wurden in allen Teilbereichen der Industrie verzeichnet. Laut Umfrageteilnehmern führten vor allem die Lieferengpässe zu Produktionsausfällen oder Produktionsunterbrechungen.

Auftragseingang: Die Nachfrage blieb auch im August hoch und bescherte den Herstellern wieder reichlich Neuaufträge. Die Zuwachsrate schwächte sich gegenüber Juli zwar leicht ab, gehörte aber immer noch zu den stärksten in der Umfragegeschichte seit 1996. Bemerkenswert ist, dass der Index Auftragseingang mehr als sechs Punkte über dem Index Produktion notiert – ein neuer Rekord.

Auftragseingang Export: Der Aufschwung im Export büßte erneute etwas an Dynamik ein. Nach dem Rekordhoch im März verlangsamte sich das Wachstum zum vierten Mal in den letzten fünf Monaten auf den niedrigsten Wert seit Januar. Der Vorleistungsgüterbereich trotzte dem Trend und verzeichnete das größte Plus der drei von der Umfrage erfassten Teilsektoren.

Geschäftserwartungen: Die Umfrageergebnisse signalisieren eine weitere leichte Eintrübung des Optimismus hinsichtlich der Geschäftstätigkeit binnen Jahresfrist. Demnach fiel die Zuversicht auf den niedrigsten Stand seit Oktober letzten Jahres, liegt damit aber immer noch über dem langjährigen Mittel (seit Juli 2012). Die massiven Lieferengpässe und der damit verbundene Preisdruck dürften das Wachstum bremsen, so die Befürchtungen vieler Umfrageteilnehmer.

Beschäftigung: Die Bemühungen vieler Industrieunternehmen, vor dem Hintergrund der boomenden Nachfrage die Kapazitäten zu erweitern, führten im August zum sechsten Anstieg der Beschäftigung in Folge. Die Zuwachsrate blieb zwar auf sehr hohem Niveau, ging im Vergleich zum Rekordhoch vom Juli aber auf den tiefsten Wert seit vier Monaten zurück. Der kräftigste Jobaufbau wurde abermals im Investitionsgüterbereich verbucht, gefolgt vom Vorleistungsgüterbereich.

Einkaufspreise: Der Kostendruck in der Industrie bleibt weiter hoch. Zwar schwächte sich die Inflationsrate der Einkaufspreise gegenüber dem Allzeithoch vom Juli minimal ab, es war dennoch der dritthöchste Wert seit Beginn der Datenerfassung. Zahlreiche Umfrageteilnehmer meldeten, dass sich vor allem Aluminium, Elektronik, Kunststoffe, Stahl und Holz abermals verteuert haben.

Verkaufspreise: Auch die Verkaufspreise zogen wieder kräftig an und spiegelten damit die stetig steigenden Kosten wider. Nachdem der Index Verkaufspreise in den letzten fünf Monaten jeweils neue Höchststände erreicht hatte, gab er im August leicht nach. Dennoch war die jüngste Steigerung die dritthöchste in der Umfragegeschichte (seit 2002). Am deutlichsten hoben die Hersteller von Vorleistungsgütern ihre Preise an.

Über den EMI: Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Er ist eine Momentaufnahme der Geschäftssituation im Verarbeitenden Gewerbe – errechnet aus den Teilindizes für Auftragseingang, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormaterialbeständen. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME. Er wird vom Anbieter von Unternehmens-, Finanz- und Wirtschaftsinformationen IHS Markit mit Hauptsitz in London erstellt und beruht auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (Markit U.S.-PMI).

(Quelle: BME Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V.)

Schlagworte

AluminiumAutomotiveBundBundesverband MaterialwirtschaftContainerCoronaDeutschlandEntwicklungErgebnisEssenEUIndustrieInvestitionLogistikProduktionRohstoffeSchrottServiceStahlStahlpreiseUnternehmenVerkaufWirtschaft

Verwandte Artikel

10.07.2026

Salzgitter AG übernimmt die HKM zu 100 Prozent

Hüttenwerke Krupp Mannesmann werden zu einer 100-prozentigen Tochter der Salzgitter AG

ABB CO2 CO2-Emissionen DSV Duisburg Elektrolichtbogenofen Emissionen Ergebnis Essen EU Gesellschaft HKM Hüttenwerk HZ Industrie ING Investition Lichtbogenofen Lieferung Partnerschaft Produktion Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Strategie Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Steel Europe Thyssenkrupp Steel Europe AG Transformation Tube USA Vallourec Vereinbarung Verwaltungsrat Vorstand Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Eine 5MW-PEM-Elektrolyseanlage wird jährlich bis zu 750 Tonnen grünen Wasserstoff liefern
09.07.2026

Wolfram-Produktion künftig mit grünem statt grauem Wasserstoff

Die österreichische Wolfram Bergbau und Hütten AG erhält regional aus Windstrom erzeugten grünen Wasserstoff von Energie Steiermark

Bergbau Bund Dekarbonisierung Deutschland Elektrolyse Emissionen Energie EU Inbetriebnahme Industrie Klima Lieferung Nachhaltigkeit Österreich Partnerschaft Produktion Produktionsprozess Pulver Sandvik Strategie Unternehmen Vereinbarung Wasserstoff Windpark Wirtschaft Wolfram Zusammenarbeit
Mehr erfahren
(von li n. rechts: Nicolas Fritzen (Geschäftsführer Plakoma GmbH), Dr. Christian Redl (stellvertrender Geschäftsführer INTECO), Ing. Roland Kristl (Geschäftsführer INTECO), Michael Jost (Prokurist Plakoma GmbH)
08.07.2026

Inteco Gruppe übernimmt Plakoma

Die Inteco Gruppe (Inteco Holding GmbH) freut sich bekanntzugeben, dass sie die Plakoma GmbH mit Sitz in Nalbach-Körprich im Saarland zu 100 Prozent übernommen hat.

Adjustage Anlagen Anlagenbau Entwicklung Essen EU Inbetriebnahme Industrie ING Innovation INTECO melting and casting technologies GmbH Montage Produktion Saarland Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Stahlwerk Unternehmen USA Walzwerk
Mehr erfahren
Geert Van Poelvoorde
08.07.2026

Geert Van Poelvoorde wechselt in den Aufsichtsrat von ArcelorMittal Europe

Der CEO für Europa und Mitglied des Konzernvorstands geht Ende Juli in den Ruhestand und gibt die operative Führung des Europa-Segments ab

ArcelorMittal Bremen Bund DSV Energie EU EUROFER Europa Industrie ING Karriere Produktion Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Unternehmen USA Vorstand Walzwerk Warmband Werkstoff Zertifikat
Mehr erfahren
08.07.2026

Feralpi Group auf dem Weg zu Netto-Null bis 2050

Der Einsatz für emissionsarmen Stahl geht weiter: Der eingeschlagene Kurs bleibt konsequent auf die Reduzierung der Umweltauswirkungen ausgerichtet.

CDP Dekarbonisierung Elektrifizierung Emissionen Energie Energieeffizienz Entwicklung Erdgas Essen EU HZ ING Klima Klimastrategie Klimaziel Klimaziele Messe Partnerschaft Produktion Recycling Rohstoffe Stahl Strategie Transformation Transformationsprozess Transport Umwelt Unternehmen USA Verkauf Vertrieb Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren