Statement
Photo: © unsplash
27.04.2026

Vergabebeschleunigungsgesetz: Ohne Konkretisierung keine Wirkung!

Rechtsverordnung muss mit verbindlichem Made-in-EU-Ansatz schnell für Klarheit sorgen

Nach dem Beschluss des Ausschusses für Wirtschaft und Energie des Deutschen Bundestags zum Entwurf eines Vergabebeschleunigungsgesetzes stand die abschließende Abstimmung im Plenum an. Die Wirtschaftsvereinigung Stahl sieht darin einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu einer nachhaltigeren öffentlichen Beschaffung.

Zugleich kritisiert der Verband die weitgehend unkonkrete Ausgestaltung des Gesetzentwurfs: Zentrale Regelungen sollen erst im Rahmen einer Rechtsverordnung erarbeitet werden, für die sich der Verordnungsgeber bis Ende Juni 2027 Zeit lassen kann.  

„Die öffentliche Beschaffung kann ein zentraler Hebel für den Umbau unserer heimischen Industrie zur Klimaneutralität werden. Es ist daher folgerichtig, dass die Bundesregierung verbindliche Nachhaltigkeitskriterien in der Vergabe berücksichtigen und dadurch den Einsatz von emissionsarmen Grundstoffen wie Stahl oder Zement stärken will. Denn klar ist: Ein Staat, der konsequent auf klimafreundliche Materialien aus EU-Produktion setzt, schafft eine verlässliche Nachfrage und sichert so Innovationen und Investitionen am Standort“, erklärt Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

„Leider bleibt der aktuelle Gesetzentwurf deutlich hinter diesem Anspruch zurück. Weder werden Leitmärkte geschaffen noch werden Nachhaltigkeitskriterien definiert. Und verbindliche Made-in-EU-Kriterien fehlen sogar vollständig“, kritisiert die Verbandschefin.  

Der Gesetzentwurf verweist in diesem Zusammenhang auf eine noch auszugestaltende Rechtsverordnung, die dem Bundestag bis Ende Juni 2027 vorgelegt werden muss. Zwar wird die Bundesregierung aufgefordert, verbindliche Anforderungen an die Klimafreundlichkeit bei der Beschaffung – insbesondere für emissionsarme Grundstoffe wie Stahl und Zement – auszugestalten, eine unmittelbare rechtliche Verbindlichkeit entsteht daraus jedoch nicht.

Für Rippel wird dies dem bereits laufenden Umbau zur Klimaneutralität in der Stahlindustrie nicht gerecht:
„Die Stahlunternehmen investieren schon heute Milliarden in klimaneutrale Produktionsverfahren. Dafür brauchen sie Planungssicherheit und verlässliche Absatzperspektiven – und zwar jetzt und nicht erst im nächsten Jahr. Deshalb muss die Rechtsverordnung jetzt so schnell wie möglich Klarheit schaffen.“  

Gleichzeitig warnt die Wirtschaftsvereinigung Stahl vor industriepolitischen Fehlanreizen, sollte ein Made-in-EU-Ansatz ausbleiben.

„Öffentliche Beschaffung darf sich nicht auf den niedrigsten Preis beschränken, sondern muss gezielt Innovation, Klimaschutz und industrielle Wertschöpfung in der EU stärken. Die Verbindung von Nachhaltigkeitskriterien mit einem Made-in-EU-Ansatz ist dafür zwingend notwendig. Denn ansonsten finanzieren wir mit Steuergeldern die Dekarbonisierung in anderen Regionen der Welt statt hier vor Ort“, erläutert Rippel.

Die Bundesregierung sei jetzt gefordert, die angekündigte Rechtsverordnung deutlich vorzuziehen und verbindliche Kriterien schnell auf den Weg zu bringen.

„Dabei müssen bestehende nationale Spielräume konsequent genutzt werden“, so die WV Stahl-Hauptgeschäftsführerin.

(Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)

Schlagworte

BundDekarbonisierungEnergieEUHZIndustrieINGInnovationInvestitionKlimaKlimaschutzNachhaltigkeitProduktionStahlStahlindustrieStahlunternehmenUnternehmenUSAWirtschaftWirtschaftsvereinigungWVWV Stahl

Verwandte Artikel

VinMetal und Primetals Technologies haben eine Absichtserklärung (MoU) über ein umfangreiches Greenfield-Investitionsvorhaben für eine große integrierte Stahlanlage in Vietnam unterzeichnet.
22.05.2026

Neues integriertes Hüttenwerk in Vietnam geplant

VinMetal startet ein großes Greenfield-Projekt für einen Stahlwerkskomplex in Ha Tinh

Automobil Betonstahl Bramme Draht Drahtwalzwerk Emissionen Entwicklung EU Flachprodukte Flachstahl HZ Industrie ING KI Konverter Legierungen Partnerschaft Pfannenofen Primetals Produktion Produktionsprozess Stahl Stahlindustrie Stahlwerk Strategie Transformation Unternehmen USA Vakuumbehandlung Vereinbarung Verkauf Vietnam Walzwerk Warmband Wettbewerb Zusammenarbeit
Mehr erfahren
22.05.2026

Rohstahlerzeugung im April 2026

Produktionsplus, aber noch keine Rückkehr zur Normalität

Deutschland EU IMU ING Produktion Rohstahlproduktion Stahl Stahlerzeugung Stahlproduktion Stahlunternehmen Unternehmen Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung Zahlen
Mehr erfahren
Jochen Burg, CEO und Fabíola Fernandez, CFO beim Jahrespressegespräch der SMS group.
21.05.2026

SMS group steigert Gewinn und investiert in nachhaltige Technologien

Die SMS group hat im Geschäftsjahr 2025 ihre wirtschaftliche Entwicklung trotz eines weiterhin sehr anspruchsvollen Marktumfelds erneut verbessert.

Anlagen Arbeitssicherheit Bund CO2 Dekarbonisierung Digitalisierung Emissionen Energie Entwicklung Erfolgsfaktor Ergebnis Essen EU Forschung Geschäftsjahr Getriebe Hochofen HZ IMU Indien Industrie ING Innovation Investition Kreislaufwirtschaft Metallindustrie Nachhaltigkeit Produktentwicklung Produktion Rohstoffe Service Sinter Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Steuerung Strategie Tata Steel TEMA Transformation Unternehmen Vorstand Wettbewerb Wirtschaft Zahlen
Mehr erfahren
Offizielle Übergabe der Zertifikatsurkunde am 21. April 2026. Von links nach rechts: Stephan Drautz, Leiter SHS IT & Digitalisierung, Daniel Kastner, Leiter Informationssicherheit und Informationssicherheitsbeauftragter der SHS-Gruppe, Thomas Welsch, TÜV Saarland, und CFO Jonathan Weber
21.05.2026

SHS-Gruppe ISO/IEC 27001 TÜV-zertifiziert

Mit der erfolgreich abgeschlossenen ISO/IEC 27001-Zertifizierung erreichen die SHS - Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaA mit den Unternehmen Aktien-Gesellschaft der Dillin...

Digitalisierung Dillinger Entwicklung Ergebnis EU Gesellschaft Hüttenwerk Industrie ING Managementsystem Modernisierung Saarland Saarstahl SHS - Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaA SMS Stahl TEMA Transformation Unternehmen USA Verteidigung Vorstand Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Das Werk von Feralpi Stahl in Riesa
21.05.2026

Feralpi Stahl baut Produktionskapazität aus

Ein Jahr nach der Inbetriebnahme des neuen Spooler-Walzwerks treibt Feralpi Stahl den Ausbau seiner Produktionskapazitäten am Standort Riesa voran.

Anlagen Anlagenbau Baustahl Danieli Energie Entwicklung EU Inbetriebnahme ING Instandhaltung Investition Logistik Produktion Schrott Schrottaufbereitung Stahl Stahlproduktion Unternehmen USA Walzwerk Zusammenarbeit
Mehr erfahren