Statement
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. - Photo: Wirtschaftsvereinigung Stahl
13.10.2026

WV Stahl: Erholung der weltweiten Stahlnachfrage geht an Deutschland vorbei

Die weltweite Stahlnachfrage stabilisiert sich und dürfte im kommenden Jahr wieder auf den Wachstumspfad zurückkehren. Allerdings bleibt Deutschland deutlich hinter dieser internationalen Entwicklung zurück. Das zeigt der aktuelle Short Range Outlook des Weltstahlverbands worldsteel. Für 2026 wird weltweit eine nahezu unveränderte Stahlnachfrage von rund 1,72 Milliarden Tonnen (-0,1 Prozent) erwartet. 2027 soll sie um 1,7 Prozent steigen. Außerhalb Chinas wird sogar mit einem Wachstum um 4,0 Prozent gerechnet.

Besonders auffällig ist die zunehmende Verschiebung der Stahlnachfrage zwischen den Weltregionen. Während die Nachfrage in China 2026 um 2 Prozent und 2027 um ein weiteres Prozent zurückgehen dürfte, setzt Indien seinen Wachstumskurs mit jeweils rund 8 Prozent fort. Auch in den Industrieländern zeichnet sich erstmals seit 2021 wieder eine Erholung ab. Für 2027 wird hier ein Nachfrageplus von 2,2 Prozent erwartet.

Für Deutschland zeichnet worldsteel auf den ersten Blick ebenfalls ein positives Bild: Nach 29,2 Millionen Tonnen 2025 soll die Stahlnachfrage 2026 um 3,8 Prozent auf 30,3 Millionen Tonnen und 2027 um weitere 6 Prozent auf 32,1 Millionen Tonnen steigen. Doch die vermeintlich starken Wachstumsraten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Nachfrage von einem sehr niedrigen Niveau ausgehend wächst. Im weltweiten Ranking der größten Stahlnachfrageländer wird Deutschland 2027 voraussichtlich nur noch auf Platz acht liegen. Zum Vergleich: 2017 belegte Deutschland noch Platz sechs.

„Der Ausblick von worldsteel macht deutlich, dass von einer echten Entwarnung für die Industrie in Deutschland keine Rede sein kann. Die prognostizierte Erholung geht von einem historisch niedrigen Niveau aus. Entscheidend ist jetzt, dass aus diesen zarten Pflänzchen eine nachhaltige Trendwende wird. Dafür müssen Investitionen in Deutschland endlich schneller umgesetzt und die Rahmenbedingungen für die industrielle Produktion grundlegend verbessert werden“, erklärt Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

Eine zentrale Rolle spielen dabei die geplanten Investitionen in die Infrastruktur.

„Die zusätzlichen Investitionen sind für unsere Gesellschaft dringend notwendig und für unsere Branche ein Silberstreif am Horizont. Auch wenn sich ihre volle Wirkung auf die Stahlnachfrage erst nach und nach entfalten dürfte, ist es umso wichtiger, die Mittel jetzt schnell in konkrete Projekte fließen zu lassen und auf Made in EU zu setzen. So schaffen wir nicht nur eine funktionierende und moderne Infrastruktur, sondern stärken zugleich industrielle Wertschöpfung und gute Beschäftigung in Europa“, erläutert die Verbandschefin.

Gleichzeitig bleibt der internationale Wettbewerbsdruck hoch. Während die Stahlnachfrage in China laut worldsteel weiter zurückgeht, wächst sie in anderen Weltregionen deutlich. Vor diesem Hintergrund ist es aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl entscheidend, den europäischen Stahlmarkt wirksam vor Handelsumlenkungen und unfairem Wettbewerb zu schützen.

„Es ist deshalb richtig, dass die Europäische Kommission ein neues Handelsschutzinstrument für die Stahlindustrie auf den Weg gebracht und die Voraussetzungen für wettbewerbsfähige Strompreise geschaffen hat. Jetzt muss nachgebessert und national umgesetzt werden. Wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen, eine konsequente europäische Präferenz bei öffentlichen Investitionen und wirksamer Handelsschutz müssen Hand in Hand gehen. Nur dann kann die prognostizierte Erholung auch bei den Stahlstandorten in Deutschland ankommen“, so Rippel.

(Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)

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