News
Photo: pixabay
09.09.2021

Ressourcenstrategie für die Zukunft

Drei Kernforderungen des FEhS-Instituts pro Sekundärrohstoffe

Eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre wird ein nachhaltiges Ressourcenmanagement zur Schonung von Primärrohstoffen und Bodenschätzen sein. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet seit Jahrzehnten der Einsatz von Eisenhüttenschlacken und den daraus hergestellten Baustoffen und Düngemitteln. Um auch in Zukunft nationale und europäische Anstrengungen für Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz nachhaltig unterstützen zu können, müssen aus Sicht des FEhS – Institut für Baustoff-Forschung die Rahmenbedingungen für den Einsatz von mineralischen Sekundärrohstoffen weiter verbessert werden. Hierzu haben die Duisburger Experten drei Kernforderungen formuliert. 

Erstens:
Es muss eine flächendeckende faire Ausschreibungspraxis der öffentlichen Hand für Baustoffe sichergestellt werden, da es immer noch vorkommt, dass Sekundärbaustoffe explizit ausgeschlossen werden. Dazu sind justiziable Formulierungen mit Drittschutzcharakter im Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes notwendig, damit die in § 45 bei der Auftragsvergabe des Bundes festgelegte Bevorzugung von Erzeugnissen, die ökologisch vorteilhaft sind und die Kreislaufwirtschaft besonders fördern, auch in der Praxis Wirkung zeigt. Dies betrifft gleichermaßen die Landeskreislaufwirtschaftsgesetze. Auch auf europäischer Ebene sollten die im EU Green Deal und dem diesbezüglichen Circular Economy Action Plan definierten Ziele durch eine Änderung der EU-Vergaberichtlinie in die Praxis umgesetzt werden. Das FEhS-Institut hat dazu im Rahmen eines Rechtsgutachtens einen Vorschlag erarbeitet.

 Zweitens:
Nur eine einheitliche und praxisorientierte Bewertung der Umweltverträglichkeit von Baustoffen unabhängig von ihrer Herkunft garantiert einen fairen Wettbewerb und fördert die Verwendung von Sekundärbaustoffen. Der Einsatz von Nebenprodukten aus der Stahlindustrie wird in einigen Anwendungsgebieten derzeit durch „Feststoffbewertungen“/Feststoffgrenzwerte unnötig erschwert. Dies betrifft auch den Einsatz von Stahlwerks-schlacken als Sekundärrohstoff im Zement oder als Gesteinskörnung im Beton. An diesen Themen wird im Zusammenhang mit der Transformation der Stahlindustrie derzeit intensiv geforscht.

Drittens:
Es sollte ausnahmslos von Sekundärrohstoffen bzw. Sekundärbaustoffen die Rede sein. Ein einheitliches Wording vermeidet die häufig anzutreffende Reduzierung auf Recyclingrohstoffe oder Recycling-Baustoffe, die den Ausschluss anderer Stoffe und Produkte zur Folge hat. Das wiederum schadet der Kreislaufwirtschaft und einem nachhaltigen Ressourcenmanagement.

Thomas Reiche, Geschäftsführer des FEhS-Instituts: „Wichtige Etappenziele pro Kreislaufwirtschaft und Sekundärrohstoffe sind erreicht worden. Jetzt erwarten wir vom Gesetzgeber, dass weitere Schritte folgen. Ziel muss es sein, ein nachhaltiges Ressourcenmanagement zu etablieren, um die steigende Nachfrage nach Rohstoffen auch zukünftig sicherstellen zu können.“

Der Einsatz von Eisenhüttenschlacken, einem Nebenprodukt der Stahlherstellung, hat in Deutschland in über 70 Jahren den Abbau von mehr als einer Milliarde Tonnen Naturgestein vermieden. Das entspricht dem Volumen der Zugspitze. Durch die Substitution von Portlandzementklinker durch Hüttensand im Zement kann pro Jahr zudem die Emission von über 5 Millionen Tonnen CO2 vermieden werden. Insgesamt sind so seit 1950 in Deutschland bereits mehr als 210 Millionen Tonnen CO2 eingespart worden.

(Quelle: FEhS ‑ Institut für Baustoff‑Forschung e.V.)

Schlagworte

BaustoffeCO2DeutschlandFEhS ‑ Institut für Baustoff‑Forschung e.V.ForschungIndustrieKreislaufwirtschaftNachhaltige RessourcennutzungPrimärrohrstoffeRecyclingRecycling-BaustoffeRohstoffeSchlackeSekundärrohstoffeStahlStahlherstellungStahlindustrieStahlwerkUmweltWirtschaft

Verwandte Artikel

31.03.2026

VDE-Hinweis zu Netzrückwirkungen kommt Elektrostahlwerken entgegen

Eine jetzt veröffentlichte Broschüre von VDE FNN ist eine wertvolle Unterstützung für den Netzanschluss von elektrischen Anlagen mit EAFs größerer Leistung

Anlagen Elektrostahlwerk Elektrotechnik EU Industrie Klima Lichtbogenofen Netzanschluß Neubau Produktion Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Stahlwerk Strategie Technik Transformation VDEh
Mehr erfahren
Vertragsunterzeichnung bei Steel Authority of India (SAIL)
30.03.2026

SAIL bestellt Kokereitechnik für das Burnpur-Projekt

SMS group hat zusammen mit dem Konsortialpartner MCK Kutty Engineers Pvt. Ltd. einen Auftrag über die Lieferung von zwei Trockenlöschanlagen erhalten

Automation Betriebssicherheit Digitalisierung Emissionen Energie Energieeffizienz EU Hochofen Inbetriebnahme Indien ING KI Kokerei Koks Koksofen Koksofenbatterie Lieferung Ltd Ltd. Modernisierung Montage Nachhaltigkeit Partnerschaft Paul Wurth Service Stahl Stahlerzeugung Stahlwerk Umwelt USA Wurth Zusammenarbeit
Mehr erfahren
: Clarissa Odewald (CEO von thyssenkrupp Rasselstein) mit der neuen Weißblechdose aus bluemint® Steel
30.03.2026

Henkel setzt auf CO₂-reduzierte Verpackung aus CO2-reduziertem Stahl

Der Verpackungsstahlhersteller thyssenkrupp Rasselstein unterstützt Henkel bei der weiteren Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks seiner Verpackungen.

Blech Deutschland Emissionen EU Hochofen Industrie ING Klima Metallverpackung Nachhaltigkeit Recycling Rohstoffe Schrott Stahl Stahlherstellung Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Rasselstein Transformation Unternehmen USA Verpackungsstahl Zusammenarbeit
Mehr erfahren
27.03.2026

Globale Stahl-Überkapazitäten sind ernsthafte Gefahl für Europas Industrie

Die jüngsten OECD-Zahlen bestätigen die existenzielle Gefahr für Europas Stahlindustrie. EUROFER drängt die EU zu handeln.

Ergebnis Essen EU EUROFER Handel HZ Industrie ING Investition Paris Produktion Stahl Stahlhandel Stahlmarkt Stahlproduktion
Mehr erfahren
Die Werke von thyssenkrupp Electrical Steel in Gelsenkirchen und Isbergues stellen kornorientiertes Elektroband her – ein Schlüsselmaterial für Transformatoren in Umspannwerken und Windkraftanlagen. Aufgrund der sich weiter verschärfenden Importkrise reagiert thyssenkrupp Steel mit weiteren Produktionskürzungen. Daher wird der Standort Isbergues von Juni bis September komplett geschlossen
27.03.2026

Importkrise bei kornorientiertem Elektroband

Die Importkrise auf dem Markt für kornorientiertes Elektroband verschärft sich weiter. thyssenkrupp Steel reagiert darauf mit weiteren Produktionskürzungen.

Anlagen Elektroband Energie Energiewende Energiewirtschaft Entwicklung EU EU-Kommission Gesellschaft Handel HZ ING KI Produktion Stahl Studie Thyssen thyssenkrupp Transport Unternehmen Werkstoff Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren