Wirtschaft
Photo: © pexels
20.11.2024

Maschinenexporte leiden unter Vielzahl von Faktoren

Die schwache globale Industriekonjunktur, strukturelle Herausforderungen sowie drastische geopolitische Verwerfungen haben im Maschinen- und Anlagenbau aus Deutschland auch im dritten Quartal 2024 zu weiteren Exportrückgängen geführt. Laut amtlicher Statistik errechnet sich damit über die ersten neun Monate des Jahres 2024 ein Exportrückgang von nominal 5,2 Prozent auf 150,2 Milliarden Euro. Preisbereinigt nahmen die Ausfuhren von Maschinen und Anlagen um 7,3 Prozent ab.

„Die aktuellen Exportrückgänge sind das Ergebnis einer Kumulation erdrückender Faktoren. Eine global schwache Nachfrage, geopolitische Spannungen und Handelskonflikte treffen auf Zweifel an der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Um unsere Technologieführerschaft zu erhalten und zu stärken, bedarf es Investitionen, Innovationen und nachhaltiger Technologien. Dies kombiniert mit verbesserten Rahmenbedingungen, einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit und stabiler Lieferketten“, mahnt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers.

Drittes Quartal in Europa und Amerika besonders schwach
Die Exporte in die Länder der Europäischen Union sanken im dritten Quartal nominal um 11,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und zogen damit das bereits im ersten Halbjahr schwache Ergebnis weiter nach unten. Für die ersten neun Monate ergibt sich damit ein durchschnittliches Minus von 9,2 Prozent. Auch im Sonstigen Europa sowie in Nord- und Lateinamerika führte das dritte Quartal zu deutlich negativeren kumulierten Ergebnissen. Insbesondere die Branchenausfuhren in die USA fielen im dritten Quartal deutlich um 4,2 Prozent, sodass sich das leichte Plus des ersten Halbjahres nach nur drei weiteren Monaten in ein durchschnittliches Minus von 1,0 Prozent drehte.

„Die bis September noch hohen Zinsen und die wirtschaftliche Unsicherheit in den USA haben die ohnehin rückläufige Investitionsbereitschaft der Unternehmen zusätzlich gedämpft“, analysiert Wiechers.

Naher und Mittlerer Osten legt zu
In alle asiatischen Regionen sind die Maschinenausfuhren aus Deutschland im dritten Quartal 2024 dagegen weniger stark gefallen. Besonders in Südostasien sowie in Zentral- und Südasien scheint sich der Rückgang über die ersten neun Monate aktuell zumindest etwas abzubremsen. Hier legte vor allem der Handel mit Indien auch im dritten Quartal solide zu, sodass sich über die ersten neun Monate das bisherige Halbjahresergebnis von plus 5 Prozent konsolidierte. Selbst die Ausfuhren nach China fielen mit einem Minus von 3,7 Prozent in den Monaten Juli bis September weniger schlecht aus als im ersten Halbjahr. Hier steht nun für die ersten drei Quartale ein kumulierter Rückgang von 4,7 Prozent zu Buche. Die Maschinenexporte in den Nahen und Mittleren Osten legten dagegen auch im dritten Quartal stark zu (15,3 Prozent) und tanzen mit einem nun zweistelligen Plus für den bisherigen Jahresverlauf immer deutlicher aus der Reihe.

„Das starke Wachstum der Maschinenexporte in den Nahen und Mittleren Osten ist vor allem auf umfangreiche Investitionen in Infrastrukturprojekte und die Modernisierung der Industrie zurückzuführen. Viele Länder treiben ihre wirtschaftliche Diversifikation voran, um von der Abhängigkeit vom Öl- und Gasexport wegzukommen. Das macht den Kohl aber nicht fett, denn die Region steht nur für 3 Prozent der gesamten deutschen Maschinenexporte,“ analysiert der VDMA-Chefvolkswirt.

(Quelle: VDMA e.V.)

Schlagworte

AnlagenAnlagenbauChinaDeutschlandErgebnisEUHandelHandelskonfliktIndienIndustrieINGInnovationInvestitionLieferkettenModernisierungStatistikUnternehmenUSAVDMAWettbewerbWirtschaftZusammenarbeit

Verwandte Artikel

Primetals Technologies wird eine Pelletieranlage, drei Pfannenöfen und zwei RH-Entgaser an SAIL IISCO liefern. Das Foto zeigt Vertreter beider Unternehmen bei der Vertragsunterzeichnung.
05.03.2026

SAIL IISCO kooperiert mit Primetals Technologies

Steel Authority of India Limited (SAIL), ein führender indischer Stahlproduzent, erweitert sein IISCO-Stahlwerk in Burnpur und wählte dafür Primetals Technologies als Lie...

Anlagen Antrieb Deutschland Digitalisierung Draht EU Greenfield-Projekt HZ Indien Industrie ING KI Legierungen Lieferung Ltd Ltd. Metallurgie Optimierung Partnerschaft Primetals Produktion Prozessoptimierung Sensoren Spezialstahl Stahl Stahlindustrie Stahlwerk Steuerung Temperatur Unternehmen USA Vakuumpumpe Zusammenarbeit
Mehr erfahren
David Algermissen, Abteilungsleiter Sekundärrohstoffe/Schlackenmetallurgie im FEhS – Institut für Baustoff-Forschung, welches das Projekt koordiniert hat: „Die Arbeiten mit diesem großartigen Konsortium waren sehr erfolgreich. Es konnte sowohl Basiswissen rund um die Elektroroheisenschlacke aufgebaut werden bis hin zu Pilotversuchen zur Erzeugung von Hüttensand 2.0 im Tonnenmaßstab und die Prüfung im Zement und Beton. Nächste Schritte sind die normativen und rechtlichen Rahmenbedingungen, damit das Material auch zeitnah seinen Weg in den Markt finden kann, sobald die Schlacke bei thyssenkrupp entsteht.“ Das im Jahr 2021 gestartete Forschungsvorhaben „SAVE CO2“ von thyssenkrupp Steel, Heidelberg Materials, dem Institut für Technologien der Metalle der Universität Duisburg-Essen, Fraunhofer UMSICHT und FEhS-Institut wurde im Rahmen der Fördermaßnahme KlimPro-Industrie vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie der Europäischen Union/NextGenerationEU gefördert und durch den DLR Projektträger betreut.
05.03.2026

Schlacken aus dekarbonisierter Stahlherstellung für Zement geeignet

Neue Schlacken, die bei der dekarbonisierten Stahlherstellung auf der Direktreduktionsroute im Einschmelzer entstehen, eignen sich als latent hydraulische Bindemittel in...

Bund CO2 CO2-Emissionen Direktreduktion Duisburg Einsatzstoffe Eisenschwamm Emissionen Energie Ergebnis Essen EU Forschung Forschungsprojekt Fraunhofer Hochofen Industrie ING Klima Metallurgie Produktion Roheisen Rohstoffe Schmelze Stahl Stahlherstellung Technik Thyssen thyssenkrupp Umwelt Wirtschaft
Mehr erfahren
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl
05.03.2026

Industrial Accelerator Act bleibt weit hinter dem Notwendigen zurück

Mit dem aktuell veröffentlichten Vorschlag zum Industrial Accelerator Act (IAA) stuft die Europäische Kommission die Stahlindustrie nun offiziell als strategischen Sektor...

Automotive Bund Energie Essen EU Industrie ING Investition Klima Klimaziel Klimaziele LED Lieferketten Nachhaltigkeit Produktion Stahl Stahlindustrie Transport Verteidigung Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung
Mehr erfahren
Stefan Borgas, Chief Executive Officer
04.03.2026

RHI Magnesita Jahresergebnis 2025

RHI Magnesita, ein weltweit führender Anbieter von hochwertigen Feuerfestprodukten, -systemen und -lösungen, veröffentlicht die Jahresergebnisse zum 31. Dezember 2025.

Einsparung Entwicklung Ergebnis EU Feuerfest Feuerfestprodukte HZ ING Innovation Marktbedingungen Nachhaltigkeit Nordamerika Optimierung Produktion Recycling RHI Magnesita Strategie Transformation Unternehmen Vertrieb Wettbewerb
Mehr erfahren
Martin Reinke, Geschäftsbereichsleiter Digitale Services & E-Business
04.03.2026

DataConnecct von Nordwest erhält BSFZ-Siegel

Die Nordwest Handel AG stärkt ihre Position als innovationsgetriebener Partner im B2B-Handel: Das Verbundunternehmen hat die Online-Produktstammdatenplattform DataConnect...

Auszeichnung Automatisierung Bund Digitalisierung Entwicklung EU Forschung Getriebe Handel HZ ING Innovation Investition Nordwest Handel AG Service Unternehmen USA Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren