Forschung
Bei der Reduktion von Eisenoxid zu Eisen wird Energie gespeichert. Bei der Rückverbrennung von Eisen zu Eisenoxid wird Energie freigesetzt. Die Optimierung dieses Prozesses könnte zu einer vollständig zirkulären und damit nachhaltigen Energiespeicherung führen. - Abb.: Laurine Choisez, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH
08.10.2022

Metallpulver: umweltfreundlicher Brennstoff der Zukunft?

Nachhaltige Energie kann aus Wind, Sonne und Wasser gewonnen werden. Solche erneuerbaren Energiequellen sind jedoch wetterabhängig: In Spitzenzeiten von Wind und Sonne wird überschüssige Energie erzeugt, die in Zeiten mit weniger Wind und Sonnenschein benötigt wird. Doch wie lässt sich diese überschüssige Energie effizient speichern und transportieren?

Bislang gab es keine zuverlässige, sichere und kostengünstige Möglichkeit, eine große Menge Energie möglichst kompakt zu speichern. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung (MPIE) und der Technischen Universität Eindhoven haben nun untersucht, wie Metalle, insbesondere Eisen, zur Energiespeicherung verwendet
werden können und welche Parameter die Effizienz der Speicherung und Wiederverwendung bestimmen. Ihre jüngsten Ergebnisse haben sie in der Zeitschrift Acta Materialia veröffentlicht.

„Energie in Metallen zu speichern und diese zu verbrennen um die gespeicherte Energie wieder freizusetzen, ist eine Methode, die bereits in der Luft- und Raumfahrttechnik angewendet wird. Unser Ziel war es zu verstehen, was genau bei der Speicherung und Verbrennung von Eisen auf der Mikro- und Nanoskala passiert und wie die Veränderung der Mikrostruktur die Effizienz des Prozesses beeinflusst. Außerdem wollten wir herausfinden, wie man diesen Prozess ohne Energie- oder Materialverluste, also vollständig zirkulär, aufbauen kann“, erklärt Dr. Laurine Choisez, die kürzlich ihre Postdoc-Forschung am MPIE abgeschlossen hat und Erstautorin der
Veröffentlichung ist.

Wenn Eisenerze zu Eisen reduziert werden, ist im reduzierten Eisen viel Energie gespeichert. Die Idee ist, diese Energie bei Bedarf aus dem Eisen herauszuholen, indem das Eisen wieder zu Eisenoxid oxidiert wird. Diese Oxidation wird auch als „Verbrennung“ bezeichnet. In Zeiten von überschüssiger Energie aus Wind, Sonne oder Wasser könnte dieses Eisenoxid wieder zu Eisen reduziert und die Energie dadurch gespeichert werden.

Choisez und ihr Team am MPIE konzentrierten sich auf die Analyse der Eisenpulver nach der Reduktion und Verbrennung, wobei sie High-Tech Mikroskopie- und Simulationsmethoden einsetzten, um die Reinheit des Pulvers, die Morphologie, die Porosität und die Thermodynamik des Verbrennungsprozesses zu analysieren. Die Mikrostruktur des verbrannten Eisenpulvers ist entscheidend für die Effizienz des nachfolgenden Reduktionsprozesses und um festzustellen, ob der Reduktions- und Verbrennungsprozess vollständig zirkulär ist, das heißt, dass keine zusätzliche Energie oder kein zusätzliches Pulver zugeführt werden muss.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellen zwei Verbrennungswege vor:
einen, der von einer Propan-Zündflamme unterstützt wird, und einen autarken, bei dem nur das Eisenpulver als Brennstoff verwendet wird. Sie zeigen wie der Verbrennungsweg die Mikrostruktur des verbrannten Eisens beeinflusst.

„Wir sind derzeit dabei, die Reduktions- und Verbrennungsschritte auf ein industriell relevantes Niveau hoch zu skalieren und die genauen Parameter wie Temperatur und
Partikelgröße zu bestimmen, die benötigt werden“, erklärt Niek E. van Rooij, Doktorand in der Gruppe „Verbrennungstechnologie“ der Technischen Universität Eindhoven und
Mitautor der Veröffentlichung.

Die jüngste Studie hat gezeigt, dass die Verwendung von Metallen zur Energiespeicherung machbar ist. Künftige Studien werden nun untersuchen, wie die Zirkularität des Prozesses erhöht werden kann. Momentan verringert der Verbrennungsprozess die Größe einiger verbrannter Partikel. Gründe hierfür sind partielle Eisenverdampfung, Mikroexplosionen und/oder der Bruch einiger Eisenoxidpartikel:

(Quelle: Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH)

Original-Veröffentlichung:
L. Choisez, N. E. van Rooij, C. J.M. Hessels, A. K. da Silva, I. R. Souza Filho, Y. Ma, P. de Goey, H. Springer, D. Raabe: Phase transformations and microstructure evolution during combustion of iron powder. In: Acta Materialia 239 (2022) 118261.

Photo: Laurine Choisez, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH
Verbrennung von Eisenpulver in einem Brenner im Industriemaßstab. Das Pulver wird als nachhaltiger Energieträger verwendet Photo: Laurine Choisez, Max-Planck-Institut für Eisenforschung GmbH

Schlagworte

EisenerzeEisenforschungEnergieErgebnisEUForschungIlvaIMUIndustrieINGMax-Planck-InstitutMPIePulverStudieTechnikTemperaturTransformationTransportUmwelt

Verwandte Artikel

Der Standort von HKM am Rhein
29.07.2026

Vertragsabschluss für Bau eines EAFs bei HKM

HKM und Tenova haben am 28.07.2026 einen Vertrag über Lieferung, Errichtung und gemeinsame Inbetriebnahme eines Elektrolichtbogenofens geschlossen.

Anlagen Bepro Bund Dekarbonisierung Deutschland DSV Duisburg Einsatzstoffe Eisenschwamm Elektrolichtbogenofen Energie Energieeffizienz EU Gasreinigung HKM HZ Inbetriebnahme Industrie ING Klima Klimaschutz Lichtbogenofen Lieferung Produktion Prozessgase Salzgitter Salzgitter AG Schrott Stahl Stahlerzeugung Stahlindustrie Stahlproduktion Strategie Tenova Transformation Vorstand Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren
Die Eröffnung am Standort in Jeffersonville, Indiana, USA
28.07.2026

voestalpine eröffnet neue Anlage in den USA

Die voestalpine hat ihre Produktionskapazitäten an ihrem Standort Jeffersonville, Indiana, USA verdoppelt. Die neue Anlage zur Produktion von Längsträgern für Lastkraftwa...

Anlagen Bund EU Handel Industrie ING Investition Nordamerika Produktion Profile Rohre Stahl Strategie USA Voestalpine AG Vorstand
Mehr erfahren
TrimRob – autonomer Roboter von Primetals Technologies und Polytec zum Besäumen und Probenentnehmen der Coils
27.07.2026

Hyundai Steel vergibt FAC für Coil-Besäumen

Hyundai Steel hat das Final Acceptance Certificate (FAC) für TrimRob vergeben. TrimRob ist eine robotergestützte Lösung zum Besäumen und der Probenahme von Coils.

Coils Draht EU Inbetriebnahme Industrie ING Kran Messe Messung Primetals Stahl Stahlindustrie Temperatur USA Verlag
Mehr erfahren
24.07.2026

Kloeckner Metals Germany baut Kapazitäten in Köln-Hürth aus

Kloeckner Metals Germany hat heute in Hürth bei Köln einen neuen Standort seiner Tochter Ambo Stahl eröffnet. Damit reagiert das Unternehmen auf die Bedarfe in sicherheit...

Automotive Baumaschinen Bremen Bund Defence Deutschland Duisburg Essen EU Handel HZ Industrie ING Investition Lieferketten Logistik Maschinenbau Metallverarbeitung Plasmaschneiden Produktion Service Stahl Strahlen Technik Transport Unternehmen Verteidigung
Mehr erfahren
22.07.2026

Rohstahlproduktion in Deutschland erholt sich

Laut WV Stahl hat sich die Rohstahlproduktion im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum erholt. Die Stahlnachfrage bleibt allerdings weiterhin auf einem nie...

Anlagen Anlagenbau Automobil Berlin Deutschland Energie Entwicklung EU Europa Handel Industrie ING Investition Klima Kontingente Nachhaltigkeit Produktion Rohstahlproduktion Stahl Stahlindustrie Stahlmarkt Stahlproduktion Stahlunternehmen Unternehmen USA Wettbewerb Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung Zahlen
Mehr erfahren