Statement
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl - Photo: Wirtschaftsvereinigung Stahl
20.10.2025

Weltweite Stahlnachfrage: Deutschland weiter Schlusslicht unter den Industrieländern

Die weltweite Stahlnachfrage dürfte sich im kommenden Jahr leicht erholen. In seinem aktuellen Konjunkturausblick (Short Range Outlook) rechnet der Weltstahlverband worldsteel für 2026 mit einem Zuwachs von 1,3 Prozent – trotz anhaltender geopolitischer Spannungen und neuer US-Zolldrohungen. Für das laufende Jahr geht worldsteel hingegen von einer stagnierenden Nachfrage aus. Sie liegt wie im Vorjahr bei rund 1,8 Milliarden Tonnen Stahl. Hauptbelastungsfaktor bleibt die schwache Nachfrage in China, sodass der massive Druck auf die internationalen Märkte weiter bestehen bleibt.

Insbesondere in Deutschland, dem größten Stahlproduzenten in der EU, bleibt die Lage angespannt. Für 2025 erwartet worldsteel bei der Nachfrage zwar ein leichtes Plus von 1,5 Prozent auf 27 Millionen Tonnen, dies ist allerdings als eine „technische Erholung“ infolge aufgefüllter Lagerbestände einzuordnen. Der für 2026 prognostizierte Anstieg um 4,6 Prozent auf 28 Millionen Tonnen warmgewalzte Stahlprodukte muss vor dem Hintergrund einer enorm niedrigen Nachfragesituation in den Vorjahren bewertet werden und kommt nicht über das Niveau der globalen Finanzkrise von 2009 hinaus.

Für Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl, ist das ein deutliches Warnsignal:
„Die Zahlen von worldsteel zeigen, dass uns die toxische Mischung aus schwacher Nachfrage in Asien und weltweiten Überkapazitäten auch 2026 zu schaffen machen und damit weiter für einen massiven Importdruck auf den EU-Markt sorgen wird.“ Zuletzt ist der Marktanteil der EU-Stahlimporte auf alarmierende 30 Prozent angestiegen. Dies führt zu einem strukturellen Handelsdefizit entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

„Umso wichtiger ist das Signal, das die EU-Kommission für ein hochwirksames, intelligentes und ausbalanciertes Schutzinstrument im Stahl-Außenhandel gesetzt hat. Wir erwarten, dass sich die Bundesregierung nun für die Einführung dieses für unsere Branche überlebenswichtigen Instruments einsetzt“, erklärt Rippel.

Fakt ist: Die Stahlnachfrage in Deutschland bleibt auf niedrigem Niveau. Besonders in wichtigen stahlverarbeitenden Branchen, wie der Automobilindustrie oder dem Maschinen- und Anlagenbau, ist die Produktion nach wie vor rückläufig und wirkt sich negativ auf die Stahlindustrie aus.

„Ohne kurzfristig wirksame Nachfrageimpulse ist nicht von einer Trendwende bei der inländischen Stahlnachfrage auszugehen“, so die Verbandschefin, die sich vom bevorstehenden Stahlgipfel konkrete Ergebnisse erhofft.

„Das Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaschutz ist ein Silberstreif am Horizont, der ab 2027 Wirkung entfalten kann. Um den damit erhofften Konjunkturimpuls in Zukunft zu erreichen und gleichzeitig die industrielle Wertschöpfung im Land zu stärken, muss allerdings jetzt gesetzgeberisch gehandelt und bei Investitionen klar auf klimafreundliche Grundstoffe Made in Germany und EU gesetzt werden. Die derzeitige Überarbeitung des Vergaberechts bietet hier eine Riesenchance, die nicht verpasst werden darf“, erläutert die Hauptgeschäftsführerin.

Darüber hinaus muss der Stahlgipfel Wege zu international wettbewerbsfähigen Strompreisen und einem wirksamen Schutz vor Carbon Leakage – also der Abwanderung CO2-intensiver Produktion ins Ausland – aufzeigen.

Nur mit einem entschlossenen politischen Maßnahmenpaket kann der Stahl- und letztlich der Industriestandort Deutschland wieder auf Kurs gebracht werden“, betont Rippel abschließend.

(Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)

Schlagworte

AnlagenAnlagenbauAutomobilBundChinaCO2DeutschlandErgebnisEUEU-KommissionHandelHZIndustrieINGInvestitionKlimaKlimaschutzProduktionStahlStahlindustrieWeltstahlverbandWettbewerbWirtschaftWorldsteelZahlen

Verwandte Artikel

22.01.2026

Absichtserklärung für die langfristige Lieferung von Molybdän unterzeichnet

Greenland Resources Inc. (TSX:MOLY, FSE:M0LY) freut sich mitzuteilen, dass das Unternehmen eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding, “MoU”) für die langfristi...

Automobil Baumaschinen Bergbau Berlin CO2 CO2-Emissionen Deutschland Emissionen Energie Energiewirtschaft EU GMH Handel Inc. Industrie ING Italien Kanada Langprodukte Lieferung Maschinenbau Nachhaltigkeit Presse Produktion Recycling Rohstoffe Schrott Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Transport Umwelt Unternehmen USA Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl
22.01.2026

Jahresbilanz der Stahlproduktion 2025

Viertes Krisenjahr in Folge - Verbandschefin Rippel: „2026 muss das Jahr der Standortsicherung werden!“

Asien Bund Deutschland Energie Entwicklung EU EU-Kommission Handel Industrie ING Investition KI Klima Politik Produktion Stahl Stahlerzeugung Stahlindustrie Stahlproduktion USA Wettbewerb Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung
Mehr erfahren
21.01.2026

2026 wieder globaler Treffpunkt der internationalen Draht-, Kabel- und Rohrindustrien

Am 13. April 2026 ist es so weit: die Weltleitmessen der internationalen Draht-, Kabel- und Rohrindustrien, wire und Tube, öffnen ihre Tore in Düsseldorf.

Anlagen BRIC China Draht Düsseldorf Edelstahl Energie Energiewende Entwicklung Essen EU Handel Industrie ING Innovation Messe Nachwuchs Produktion Rohrbearbeitung Rohre Stahl Technik Tube Umformtechnik Wasserstoff Wasserstofftechnologie Werkstoff Werkstoffe Wire
Mehr erfahren
Kemper Produktpräsentation auf der diesjährigen FABTECH Show in Chicago.
21.01.2026

Kemper: CEO verlegt Standort in die USA

CEO Frederic Lanz wird seinen Wohn- und Arbeitsmittelpunkt in den US-Bundesstaat Michigan verlagern. Damit stärkt der Hersteller von Absaug- und Filteranlagen seine Präse...

Automation Automatisierung Bund Entwicklung EU Handel Industrie Innovation Lieferketten Nordamerika Steuerung Strategie Technik Umzug Unternehmen USA Verlag Wettbewerb Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Außenansicht des Stahlwerks Xiangtan Iron and Steel
21.01.2026

Primetals Technologies modernisiert MULPIC-Kühlstrecke

Xiangtan Iron and Steel, Chinas führender Hersteller von Grobblech für anspruchsvolle und intensive Anwendungen, beauftragte Primetals Technologies mit der Modernisierung...

Automatisierung Blech Bleche China Energie EU Grobblech Inbetriebnahme ING Konstruktion Legierungen Ltd Ltd. Modernisierung Optimierung Partnerschaft Produktion Prozessautomatisierung Prozesssteuerung Steuerung Temperatur Walzwerk Wasserstoff
Mehr erfahren