Wirtschaft
Der Verband fordert die Einbeziehung von KMUs in die Überlegungen zur Ausgestaltung eines geförderten Strompreises. - Quelle: pixabay
10.08.2023

ZVO fordert gleiche Regeln für alle beim Industriestrompreis

Der Zentralverband Oberflächentechnik e.V. (ZVO) verfolgt die aktuelle Debatte zur möglichen Einführung eines Industriestrompreises mit großer Aufmerksamkeit. Mit Blick auf die im europäischen wie im internationalen Vergleich hohen Strompreise begrüßt der Verband die Planungen des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) grundsätzlich.

Er fordert aber auch die Einbeziehung der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in die Überlegungen zur Ausgestaltung eines geförderten Strompreises. Sie wären nach den Planungen des BMWK von der Strompreis-Förderung meist ausgeschlossen.

Es bedarf entschlossener Maßnahmen, um die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Unternehmen in Deutschland zu wahren und diese bei der Transformation hin zu modernen, klimaneutralen Produktionsverfahren zu unterstützen.

Auch die im ZVO zusammengeschlossen, in erster Linie mittelständischen Unternehmen befinden sich mitten im aufwändigen und kostenintensiven Transformationsprozess. Die für zahlreiche Industriesektoren wesentliche Oberflächentechnik steht dabei aufgrund der hohen Energieintensität insbesondere im internationalen Wettbewerb unter enormem Druck.

Die mittelständischen Unternehmen können die für die Transformation notwendigen umfangreichen Investitionen nur tätigen, wenn entsprechende Garantien bestehen, dass der geltende Strompreis mittel- und langfristig auf einem Niveau steht, das eine Produktion unter wettbewerbsfähigen Konditionen garantiert.

Das vom BMWK am 5. Mai 2023 veröffentlichte Eckpunktepapier zur Einführung eines Industriestrompreises begrenzt jedoch in nicht nachvollziehbarer Weise die Gruppe der Unternehmen, die zukünftig den vorgestellten „Brückenstrompreis“ beziehen könnten.

Durch die Festlegung auf „energieintensive Industrieunternehmen, die im internationalen Wettbewerb stehen“ sowie den Bezug zur bisherigen Besonderen Ausgleichsregelung (BesAR) werden weitgehend nur die großen Unternehmen der Grundstoffindustrie profitieren.

Zentrales Ziel des Brückenstrompreises muss es jedoch sein, die Wertschöpfungsketten in Deutschland zu erhalten und im Zuge der Dekarbonisierung auf Dauer zu festigen. Nur so kann der Industriestandort Deutschland auch in Zukunft im internationalen Vergleich führend bleiben.

Dem Mittelstand kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Entscheidend wird also sein, dass ein möglicher Industriestrompreis (bzw. Brückenstrompreis) so ausgestaltet wird, dass ALLE aufgrund ihrer Energieintensität gefährdeten Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe – davon profitieren können. Die Europäische Kommission gibt mit ihren „Leitlinien für staatliche Klima- Umweltschutz- und Energiebeihilfen 2022“ (KUEBLL) bereits heute zur Einordnung geeignete Kriterien vor.

Alle Unternehmen, welche die darin festgelegten Kriterien erfüllen, sollten den staatlich fixierten Industriestrompreis erhalten können. Über entsprechende Härtefallkriterien kann dabei zusätzlich geregelt werden, dass auch die Unternehmen einbezogen sind, deren Sektor nicht explizit unter Anhang 1 der KUEBLL-Leitlinien genannt wird.

Abschließend betont der ZVO, dass hierbei weitreichende Eingriffe in den Markt vermieden werden müssen und grundsätzlich auch weiterhin auf Preisbildungsprozesse gesetzt werden sollte. Zu großen Teilen sind es nicht die eigentlichen Strompreise, sondern die zusätzlich zu zahlenden Steuern und Abgaben, die dazu führen, dass die von der Industrie zu zahlenden Preise im internationalen Vergleich zu hoch sind.

Durch eine Anpassung dieser staatlich veranlassten Strompreisbestandteile könnte die Industrie schnell und unbürokratisch entlastet werden, ohne zu stark in die eigentliche Preisbildung einzugreifen und dauerhafte Subventionen möglichst zu vermeiden.

Als Vertreter einer Querschnittbranche des Mittelstandes wird der ZVO sich aktiv an der weiteren Diskussion zum Industriestrompreis und an der Erarbeitung eines wettbewerbsneutralen Modells beteiligen, das entlang der gesamten Wertschöpfungskette wirkt. Dazu sollte die Bundesregierung den Dialog mit den betroffenen energieintensiven Branchen intensivieren und alle relevanten Akteure, von Großunternehmen bis zu KMUs, einbinden.

(Quelle: Zentralverband Oberflächentechnik e.V.)

Schlagworte

AnpassungBMWBundDekarbonisierungDeutschlandEnergieEUIndustrieINGInvestitionKlimaKlimaschutzOberflächentechnikProduktionTechnikTransformationTransformationsprozessUmweltUmweltschutzUnternehmenUSAWettbewerbWirtschaftZahlen

Verwandte Artikel

31.03.2026

VDE-Hinweis zu Netzrückwirkungen kommt Elektrostahlwerken entgegen

Eine jetzt veröffentlichte Broschüre von VDE FNN ist eine wertvolle Unterstützung für den Netzanschluss von elektrischen Anlagen mit EAFs größerer Leistung

Anlagen Elektrostahlwerk Elektrotechnik EU Industrie Klima Lichtbogenofen Netzanschluß Neubau Produktion Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Stahlwerk Strategie Technik Transformation VDEh
Mehr erfahren
: Clarissa Odewald (CEO von thyssenkrupp Rasselstein) mit der neuen Weißblechdose aus bluemint® Steel
30.03.2026

Henkel setzt auf CO₂-reduzierte Verpackung aus CO2-reduziertem Stahl

Der Verpackungsstahlhersteller thyssenkrupp Rasselstein unterstützt Henkel bei der weiteren Reduzierung des CO₂-Fußabdrucks seiner Verpackungen.

Blech Deutschland Emissionen EU Hochofen Industrie ING Klima Metallverpackung Nachhaltigkeit Recycling Rohstoffe Schrott Stahl Stahlherstellung Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Rasselstein Transformation Unternehmen USA Verpackungsstahl Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Vertragsunterzeichnung bei Steel Authority of India (SAIL)
30.03.2026

SAIL bestellt Kokereitechnik für das Burnpur-Projekt

SMS group hat zusammen mit dem Konsortialpartner MCK Kutty Engineers Pvt. Ltd. einen Auftrag über die Lieferung von zwei Trockenlöschanlagen erhalten

Automation Betriebssicherheit Digitalisierung Emissionen Energie Energieeffizienz EU Hochofen Inbetriebnahme Indien ING KI Kokerei Koks Koksofen Koksofenbatterie Lieferung Ltd Ltd. Modernisierung Montage Nachhaltigkeit Partnerschaft Paul Wurth Service Stahl Stahlerzeugung Stahlwerk Umwelt USA Wurth Zusammenarbeit
Mehr erfahren
27.03.2026

Globale Stahl-Überkapazitäten sind ernsthafte Gefahl für Europas Industrie

Die jüngsten OECD-Zahlen bestätigen die existenzielle Gefahr für Europas Stahlindustrie. EUROFER drängt die EU zu handeln.

Ergebnis Essen EU EUROFER Handel HZ Industrie ING Investition Paris Produktion Stahl Stahlhandel Stahlmarkt Stahlproduktion
Mehr erfahren
Die Werke von thyssenkrupp Electrical Steel in Gelsenkirchen und Isbergues stellen kornorientiertes Elektroband her – ein Schlüsselmaterial für Transformatoren in Umspannwerken und Windkraftanlagen. Aufgrund der sich weiter verschärfenden Importkrise reagiert thyssenkrupp Steel mit weiteren Produktionskürzungen. Daher wird der Standort Isbergues von Juni bis September komplett geschlossen
27.03.2026

Importkrise bei kornorientiertem Elektroband

Die Importkrise auf dem Markt für kornorientiertes Elektroband verschärft sich weiter. thyssenkrupp Steel reagiert darauf mit weiteren Produktionskürzungen.

Anlagen Elektroband Energie Energiewende Energiewirtschaft Entwicklung EU EU-Kommission Gesellschaft Handel HZ ING KI Produktion Stahl Studie Thyssen thyssenkrupp Transport Unternehmen Werkstoff Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren