Wirtschaft
Gunnar Groebler, Präsident der WV Stahl - Bild: WV Stahl
27.02.2025

WV Stahl bewertet Clean Industrial Deal positiv

Am 26. Februar 2025 hat die EU-Kommission ihre Pläne zum Clean Industrial Deal veröffentlicht.

Dazu Gunnar Groebler, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl:
„Es war längst überfällig, dass die EU-Kommission die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie stärker berücksichtigt; insbesondere mit Blick auf die angestrebte Klimaneutralität Europas. Die Stahlindustrie hat sich konsequent auf den Weg zur wettbewerbsfähigen Klimaneutralität gemacht. Ohne uns lässt sich dieses Ziel nicht erreichen, insbesondere wenn Europa wirtschaftlich stark bleiben und seine strategische Autonomie sichern will!

Doch die Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren massiv verschärft. Mit enorm ansteigenden unfairen Billigimporten aus Fernost bei gleichzeitig schwacher Nachfrage, dramatisch gestiegenen Energiekosten und einem zunehmend härteren geoökonomischen Wettbewerb hat unsere Branche stark zu kämpfen.

Unter den geplanten Zollmaßnahmen der Trump-2.0-Administration wird sich die Lage zudem weiter verschärfen. Um gegenzusteuern ist daher auf europäischer Ebene zeitnahes und geeintes politisches Handeln erforderlich. Wir hoffen, dass auf dem Strategischen Dialog, zu dem EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Stahlindustrie zum 4. März eingeladen hat, nun konkrete Maßnahmen formuliert werden.”

Bild: WV Stahl
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl Bild: WV Stahl

Der Clean Industrial Deal ist dafür aus Sicht der Wirtschaftsvereinigung Stahl eine wichtige Grundlage.

Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl erläutert:
„Mit der angekündigten Verbesserung beim Handelsschutz, dem Aktionsplan für bezahlbare Energie und den geplanten Initiativen zur Einführung von Leitmärkten für emissionsarme Grundstoffe inklusive European-Content-Kriterien werden die richtigen Handlungsfelder adressiert.“

Allerdings seien weitere Konkretisierungen erforderlich. Hier komme der angekündigte Steel and Metals Action Plan ins Spiel. Rippel sagt dazu:
„Es braucht dringend eine Verschärfung der laufenden Safeguards und eine effektive, nachhaltige Nachfolgelösung für die Zeit ab Mitte 2026. Nur damit kann ein wirksamer Schutz vor den Auswirkungen globaler Umlenkungen von Überkapazitäten im Stahlbereich gewährt werden.“

Der Aktionsplan für bezahlbare Energien sei indes enttäuschend. Rippel erläutert:
„Hier hatten wir neben der Reduzierung von Energiesteuern und Netzentgelten auch die Grundlagen für einen wettbewerbsfähigen Industriestrompreis erwartet. Umso wichtiger ist jetzt, dass die neue Bundesregierung das Thema wettbewerbsfähige Energiepreise ganz oben auf ihrer nationalen Agenda und ganz vorne in ihrem Zeitplan hält.“

Auch die Passagen zur Überarbeitung des CO2-Grenzausgleichs bleiben hinter den Erwartungen der Stahlindustrie zurück. Rippel erklärt:
„Hier brauchen wir mehr Tempo. Denn mit diesem Instrument sollen Wettbewerbsnachteile ausgeglichen werden, die regionale Produzenten durch den europäischen Emissionshandel im Vergleich zu internationalen Anbietern, die keine vergleichbaren CO2-Zertifikatskosten schultern müssen, haben.“

Hier seien noch gravierende Konstruktionsfehler zu beheben – wie in den Regelungen zur Berücksichtigung von Exporten, die Einbeziehung nachgelagerter Produkte und die Verhinderung von Umgehungsstrategien. Die Hauptgeschäftsführerin der WV Stahl warnt:
„Der Clean Industrial Deal geht in die richtige Richtung. Aber ohne Nachbesserungen und klar abgeleitete Maßnahmenpläne droht Europa den Anschluss zu verlieren. Ad hoc ist eine sofortige Verschärfung der bestehenden Safeguards erforderlich, und noch in diesem Jahr muss die CBAM-Ausgestaltung verbessert werden.

Auch ein Leit- oder Pioniermarkt-Konzept für emissionsarme Grundstoffe muss zeitnah etabliert werden – sonst ziehen andere Regionen an uns vorbei.“

Eine wesentliche Stellschraube für die Ausgestaltung von Clean Lead Markets hat die Wirtschaftsvereinigung Stahl mit dem Low Emission Steel Standard (LESS) bereits 2024 vorgelegt und zu den Anforderungen an Leitmärkte für emissionsarme Grundstoffe jüngst ein Positionspapier veröffentlicht.

(Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)

Schlagworte

BundCO2EnergieEUEU-KommissionHandelHZIndustrieINGKlimaKonstruktionStahlStahlindustrieStrategieWettbewerbWirtschaftZertifikat

Verwandte Artikel

19.06.2026

thyssenkrupp-Aufsichtsrat stimmt für Verselbstständigung von tk accelis

tk accelis (vormals thyssenkrupp Materials Services) soll im Wege einer Abspaltung als eigenständiges Unternehmen aufgestellt werden und an die Börse geführt werden.

Distribution DSV Entwicklung EU Getriebe Handel IBU Industrie ING Lieferketten Service Strategie Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp AG Thyssenkrupp Materials Services Transformation Unternehmen Verteidigung Vorstand Werkstoff
Mehr erfahren
Von links: Herbert Eibensteiner, CEO der voestalpine AG und Franz Kainersdorfer, Mitglied des Vorstandes der voestalpine AG und Leiter der Metal Engineering Division
19.06.2026

voestalpine: greentec steel im Zeitplan

Die voestalpine nimmt an ihrem Standort Donawitz in knapp einem Jahr wie geplant einen Elektrolichtbogenofen (EAF) in Betrieb und kombiniert so Elektrostahlproduktion mi...

Aufsichtsrat CO2 CO2-Emissionen Donawitz Einsparung Elektrolichtbogenofen Emissionen EU Hochofen Inbetriebnahme Industrie ING Investition Kernaggregate Klima Klimaschutz Lichtbogenofen Logistik Metallurgie Montage Produktion Schrott Schulung Sinter Sinteranlage Stahl Stahlproduktion Stahlwerk Strategie Transformation Umwelt Voestalpine AG Vorstand Weiterbildung
Mehr erfahren
Hauptgeschäftsstelle Berlin
18.06.2026

Gesamtmetall meldet Verluste an Arbeitsplätzen

M-E-Beschäftigung sinkt seit nunmehr zweieinhalb Jahren ununterbrochen. Arbeitsplatzverluste bislang trotzdem nur halb so hoch wie Produktionsrückgang. Ausrüstungsinvesti...

ABB Bund Deutschland EU IBU Industrie ING Investition Produktion Unternehmen Wettbewerb Zahlen
Mehr erfahren
Vormaterial-Lager, Burbach
18.06.2026

SHS erhält Auszeichnung für Klimaschutz

SHS-Gruppe erhält erneut Bestnote für klimafreundliches Lieferketten-Engagement.

Auszeichnung CDP Dekarbonisierung Dillinger EU Europa ING Klima Klimaschutz Lieferketten Nachhaltigkeit Saarstahl SHS – Stahl-Holding-Saar GmbH & Co. KGaA Stahl Strategie Transformation Unternehmen
Mehr erfahren
Marcel Hergarten, Geschäftsführer der Hergarten Gruppe
17.06.2026

Hergarten Gruppe wird zur emissionsfreien Spedition

Bis 2031 vollständige Umstellung auf emissionsfreie Fahrzeuge geplant .

Antrieb Bund Dekarbonisierung Deutschland Digitalisierung Einsparung Elektrifizierung Energie Entwicklung EU Hergarten GmbH HZ Industrie ING Investition Klima Lieferketten Logistik Managementsystem Nachhaltigkeit Produktion Produktionsprozess Profile Software Spedition Stahl Stahlindustrie Stahlspedition Steuerung Strategie Technik Transformation Transport Unternehmen Wettbewerb Wirtschaft Zahlen
Mehr erfahren