Unternehmen
Die Marienhütte in Graz - Bild: Mathias Kniepeiss
22.08.2025

Grazer Stahlwerk senkt CO₂-Fußabdruck deutlich

Als Industriebetrieb inmitten eines europäischen Stadtgebiets steht die Marienhütte besonders im Fokus, wenn es um Klimaschutz und Nachhaltigkeit geht. Dass der – österreichweit einzige – Erzeuger von Betonstahl öffentliche Aufmerksamkeit nicht scheuen muss, zeigt jetzt eine neue ökologische Bewertung: Mit einem CO₂-Fußabdruck von 293 Kilogramm pro produzierter Tonne Stahl wird das 300-köpfige Unternehmen nun sogar als weltweit führend ausgewiesen.

„Bereits vor zehn bis fünfzehn Jahren haben wir das Thema Nachhaltigkeit fest auf unsere Agenda genommen. Bislang war es jedoch eine Herausforderung, ‚Nachhaltigkeit‘ objektiv messbar zu machen. Neue internationale Prüfnormen schaffen nun Klarheit und liefern konkrete, überprüfbare Kennzahlen“, erklärt Marienhütte-Geschäftsführer Markus Ritter, der auf die sogenannte Umweltproduktdeklaration (EPD) anspielt.  

Dabei wird die Umweltbilanz eines Produkts evaluiert – von der Herstellung bis zur Entsorgung. Während klassische Hochöfen zwischen eineinhalb und zwei Tonnen CO₂ pro Tonne Stahl verursachen, liegen europäische Elektrostahlwerke mit Grünstrom bei etwa einer halben Tonne. Mit einem CO₂-Fußabdruck von nur 293 Kilogramm pro produzierter Tonne Stahl wird dieser Wert von der Marienhütte noch einmal deutlich unterschritten.

Mehr als ein halbes Jahr lang haben Prüfer das Werk dafür unter die Lupe genommen „und uns nunmehr offiziell bestätigt, den klimafreundlichsten Stahl der Welt zu erzeugen“, sagt Ritter. „In den letzten Jahren entwickelte sich der CO₂-Fußabdruck zur harten Währung im internationalen Wettbewerb – und hier steht die Marienhütte an der Spitze“, unterstreicht der Geschäftsführer.  

Bündel an Faktoren ausschlaggebend

Dass das Stahlwerk im international Vergleich am besten abschneidet, liegt für Ritter an drei wesentlichen Faktoren. Erstens ermögliche die kompakte Werksstruktur mit kurzen Wegen, „den noch frisch gegossenen Stahl direkt weiterzuverarbeiten, statt ihn – wie in vielen anderen Stahlwerken üblich – für den Weitertransport abzukühlen und erneut aufzuheizen.

Zweitens stamme der gesamte Strom im Unternehmen zu 100 % aus erneuerbarer Energie wie Wind, Wasser und Solar. Drittens reduziere der eigene Bahnanschluss die Emissionen beim Materialtransport erheblich. Vorteilhaft sei zudem der regionale Aktionsradius: „Sowohl unsere Zulieferer als auch unsere Kunden befinden sich innerhalb von 500 Kilometern“, so Ritter.  

Investitionen in Millionenhöhe

In den vergangenen Jahren habe das Unternehmen darüber hinaus einen zweistelligen Millionenbetrag in die Modernisierung des Werks investiert. Ein zentrales Element der Investitionen sei dabei der Bau einer neuen Entstaubungsanlage um rund acht Millionen Euro gewesen, so Ritter: „Diese Anlage wurde gezielt als Antwort auf die Entwicklung des neuen Stadtteils Reininghaus errichtet.

Der erzielte Reststaubwert liegt bei lediglich 0,1 Milligramm pro Kubikmeter Abluft – ein äußerst niedriger Wert, der um das Hundertfache unter den gesetzlichen Vorgaben liegt“, bestätigt Ritter.  

Nachhaltigkeit als Ausschreibungskriterium

Trotz Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz arbeitet die Marienhütte daran, den CO₂-Fußabdruck noch weiter zu senken. Eine weitere Millioneninvestition sei bereits in Planung. Auch der Einsatz von Biokohle, die derzeit noch deutlich zu kostenintensiv ist, werde im Rahmen von Forschungsprojekten laufend geprüft. Um die Emissionen noch weiter zu reduzieren, stoße man jedoch „langsam an die Grenzen der Physik“, so Ritter.

Ein Herantasten, das notwendig sei: „Die Zeichen deuten klar darauf hin, dass Geld- und Investitionsflüsse – auch unionsrechtlich gewollt – gezielt in Richtung Nachhaltigkeit gelenkt werden. Das hat jedoch seinen Preis“, so Ritter. Gerade deshalb sieht er auch die Politik in der Pflicht: „Ausschreibungen müssen so gestaltet sein, dass Nachhaltigkeit und regionale Wertschöpfung tatsächlich zählen.“  

(Quelle: Grazer Stahlwerk Marienhütte)

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