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Sitz der voestalpine in Linz - Bild: voestalpine AG
12.02.2025

voestalpine sieht sich mit Diversifikation auf Kurs

Das konjunkturelle Umfeld vor allem in Europa stellte sich für die voestalpine in den ersten drei Quartalen des Geschäftsjahres 2024/25 (1. April – 31. Dezember 2024) als besonders herausfordernd dar. Der internationale Stahl- und Technologiekonzern profitierte jedoch von seiner globalen Aufstellung und seiner Branchendiversifikation und verzeichnete generell eine zufriedenstellende Nachfrage nach seinen hochtechnologischen Produkten.

Vor allem der Bereich Bahninfrastruktur entwickelte sich in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres besonders gut. Auch der Bereich Luftfahrt konnte den bestehenden Aufwärtstrend weiter fortsetzen. Der Bedarf der Energieindustrie kühlte sich im Verlauf des Geschäftsjahres ab, die Nachfrage nach den Produkten der Steel Division der voestalpine in diesem Segment zeigte hingegen eine sehr gute Nachfragedynamik.

Ebenso hielt im Geschäftsbereich Lagersysteme die Nachfrage nach automatisierten Hochregallagern weiter an. Weiterhin auf niedrigem Niveau verharrten die Konsumgüterindustrie sowie die Bau- und Maschinenbauindustrie. Bei der europäischen Automobilindustrie verringerte sich die Marktdynamik weiter.

Herausforderung durch aktives Management begegnen

Der voestalpine-Vorstand reagierte, wie bereits berichtet, aktiv auf die sich verändernden Rahmenbedingungen und initiierte ein umfassendes Reorganisationsprogramm der europäischen und insbesondere der deutschen Standorte des Geschäftsbereichs Automotive Components.

Mit dem Ende Januar abgeschlossenen Verkauf von Buderus Edelstahl konzentriert die High Performance Metals Division der voestalpine ihr Produktportfolio auf das technologisch anspruchsvolle Segment der Hochleistungswerkstoffe.

Herbert Eibensteiner, CEO der voestalpine AG, erklärt:
„Dem aktuell schwierigen konjunkturellen Umfeld in Europa begegnen wir mit aktivem Management und einer globalen Wachstumsstrategie. Unsere Konzernstrategie ist robust und wir sind finanziell solide aufgestellt. Das ist gerade in diesen herausfordernden Zeiten ein Stabilitätsfaktor und die Basis für unsere Investitionen in die Zukunft.“

Bild: voestalpine AG
Herbert Eibensteiner, CEO der voestalpine AG Bild: voestalpine AG
„Local for local“ – internationale Wachstumsprojekte

Der voestalpine-Konzern treibt auch in diesem Geschäftsjahr seine Strategie „local for local“ in unterschiedlichen Unternehmensbereichen weiter voran. So ist etwa im Bereich Lagersysteme für den nordamerikanischen Standort in Louisville, Kentucky, eine Erweiterung der Produktions- und Vertriebskapazitäten geplant.

Im Nischenbereich Schweißtechnik, in dem der Konzern als weltweit führend gilt, hat die voestalpine in Indien in den Ausbau ihrer Produktion von Schweißzusatzstoffen sowie in die Stärkung der Anwendungstechnik investiert, um Kunden noch umfassender lokal servicieren zu können. Auch im Bereich Bahninfrastruktur verfolgt die voestalpine seit Jahren erfolgreich ihre Strategie der Errichtung lokaler Weichenfertigungen in strategisch wichtigen Märkten.

Jüngstes Beispiel dafür ist die Produktion von Hochleistungsweichen in Kairo, Ägypten. voestalpine Railway Systems liefern für die Errichtung der ersten ägyptischen Hochgeschwindigkeitsstrecke („Green Line“) rund 260 Hochgeschwindigkeitsweichen inkl. Weicheninstandhaltungssoftware.

Die Finanzkennzahlen im Detail

Die Umsatzerlöse sind in den ersten drei Quartalen des aktuellen Geschäftsjahres um 5,2 % von 12,4 Mrd. EUR auf 11,7 Mrd. EUR gesunken. Das operative Ergebnis (EBITDA) verringerte sich im Vorjahresvergleich um 23,6 % auf 968 Mio. EUR (Q1 – Q3 2023/24: 1,3 Mrd. EUR). Das Betriebsergebnis EBIT fiel im Jahresvergleich um 43,9 % auf 391 Mio. EUR (Vorjahreswert: 697 Mio. EUR) und ist auch von negativen Einmaleffekten in Höhe von rund 170 Mio. EUR beeinflusst.

Diese beinhalten insbesondere den bereits im ersten Halbjahr verarbeiteten Abwertungsbedarf im Zusammenhang mit dem Verkauf von Buderus Edelstahl, Einmaleffekte aus der Reorganisation des Automotive-Components-Bereiches in Deutschland und Bewertungseffekte des voestalpine Gasspeichers.

Das Ergebnis vor Steuern lag mit 254 Mio. EUR um 54,5 % unter dem Vorjahreswert von 558 Mio. EUR. Das Ergebnis nach Steuern reduzierte sich auf 207 Mio. EUR (Q1 – Q3 2023/24: 415 Mio. EUR). Der Free Cash Flow konnte im 3. Quartal deutlich auf ca. 130 Mio. EUR gesteigert werden.

Die Nettofinanzverschuldung konnte im Jahresvergleich per 31. Dezember 2024 um 2,6 % auf 2 Mrd. EUR (31. Dezember 2023: 2,01 Mrd. EUR) reduziert werden, im Vergleich zum Bilanzstichtag am 31. März 2024 (1,7 Mrd. EUR) ergibt sich ein Zuwachs um 18,7 %. Das Eigenkapital liegt mit 7,5 Mrd. EUR auf dem Niveau vom 31. März 2024, die Eigenkapitalquote konnte von rund 45 % auf 48 % gesteigert werden.

Die Gearing Ratio (Nettofinanzverschuldung im Verhältnis zum Eigenkapital) blieb per 31. Dezember 2024 im Vergleich mit dem Vorjahreswert unverändert bei 26,2 %. Gegenüber dem Bilanzstichtag 31. März 2024 (22,0 %) nahm die Gearing Ratio leicht zu.

Die Anzahl der Beschäftigten (Vollzeitäquivalent) des voestalpine-Konzerns blieb mit 50.670 per 31. Dezember 2024 auf dem Vorjahresniveau (50.712). Gegenüber dem Bilanzstichtag 31. März 2024 (51.589) verringerte sich der Beschäftigtenstand um 1,8 %.

Bild: voestalpine AG
Das Edelstahlwerk in Karpfenberg Bild: voestalpine AG
Ausblick

Während das Geschäftsjahr 2024/25 zu Beginn noch eine solide Entwicklung aufzeigte, kühlte sich das wirtschaftliche Umfeld im weiteren Verlauf zusehends ab.

Europa verzeichnete über die gesamte Berichtsperiode kaum nennenswerte Wachstumsimpulse. Zudem schwächte sich die für die voestalpine wichtige Automobilindustrie im 3. Geschäftsquartal deutlich ab. Außerhalb Europas entwickelte sich die Wirtschaftslage deutlich besser.

In Nordamerika verlief die Konjunktur aus Sicht der voestalpine insgesamt zufriedenstellend, lediglich die Investitionstätigkeit bremste sich im 3. Geschäftsquartal im Zuge des Präsidentschaftswahlkampfes etwas ein. In Brasilien verlor die Konjunktur im letzten Berichtsquartal hingegen etwas stärker an Fahrt.

China hielt sich die Nachfrage nach Produkten des voestalpine-Konzerns im bisherigen Geschäftsjahr 2024/25 insgesamt gut, mit Ausnahme der europäischen OEMs, die in China im 3. Geschäftsquartal Absatzeinbußen hinnehmen mussten.

Für das 4. Geschäftsquartal 2024/25 erwartet der Vorstand der voestalpine AG eine Fortsetzung der bislang guten Nachfragesituation bei Eisenbahninfrastruktur, Lagertechnik und Luftfahrt in allen Wirtschaftsregionen weltweit. Für Europa sind für die nächsten Monate kaum positive wirtschaftliche Impulse erkennbar.

Für die Bereiche Bau, Maschinenbau, Konsumgüter und Automobil wird für das letzte Quartal des aktuellen Geschäftsjahres mit keiner Erholung gerechnet, eine Ausnahme bilden Lagerergänzungen in einzelnen Segmenten.

Für Nordamerika sind die Erwartungen zweigeteilt. Die lokalen nordamerikanischen Standorte des voestalpine-Konzerns sollten weiterhin von der guten Wirtschaftsdynamik profitieren, wohingegen Exporte in die USA aufgrund der angekündigten Zölle auf Stahlprodukte mit Unsicherheiten behaftet sind.

Für Brasilien zeichnet sich im Lichte der letzten Zinsanhebung der BCB (Zentralbank Brasiliens) keine wesentliche Verbesserung des Konjunkturumfelds ab. Die chinesischen voestalpine-Standorte, welche primär an der lokalen Industrieproduktion hängen, sollten sich auch in den nächsten Monaten weiter gut entwickeln.

Vor dem Hintergrund der auflaufenden Ergebnisse für die ersten neun Monate des aktuellen Geschäftsjahres 2024/25 sowie den Erwartungen für das letzte Quartal rechnet der Vorstand der voestalpine AG aus heutiger Sicht mit einem EBITDA von in etwa 1,3 Mrd. EUR und damit etwas geringer als zuletzt kommuniziert (Bereich von in etwa 1,4 Mrd. EUR).

Dies entspricht einem EBIT von in etwa 500 Mio. EUR. Diese Ergebniserwartung beinhaltet negative Einmaleffekte von in Summe knapp 200 Mio. EUR., unter anderem aus dem Verkauf von Buderus Edelstahl sowie verschiedener Reorganisationsprojekte, wie etwa der Automotive Components-Werke in Deutschland.

(Quelle: voestalpine AG)

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