Mehr als 200 Vertreter der europäischen Stahl-, Metallhandels-, Metallverarbeitungs-, Logistik- und Fertigungsindustrie nahmen am 7. September 2026 am Europäischen Konvoi für industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Brüssel teil.
Die groß angelegte Initiative führte 15 LKW sowie 10 symbolische Industriesärge in das Europäische Viertel der belgischen Hauptstadt und machte damit auf den wachsenden Druck aufmerksam, dem die europäische Industrie ausgesetzt ist. Gleichzeitig wurde die dringende Notwendigkeit betont, die Wettbewerbsfähigkeit entlang der gesamten europäischen industriellen Wertschöpfungskette wiederherzustellen. Teilnehmer aus zahlreichen europäischen Ländern reisten nach Brüssel, um den politischen Entscheidungsträgern der Europäischen Union eine klare Botschaft zu übermitteln: „HALTEN SIE DIE INDUSTRIE IN EUROPA.“
Während der LKW-Konvoi durch Brüssel in Richtung des Europäischen Viertels fuhr, bewegte sich zeitgleich ein Demonstrationszug mit zehn symbolischen Industriesärgen zum Hauptsitz der Europäischen Kommission am Berlaymont-Gebäude. Beide Züge trafen nahezu gleichzeitig ein. Die Särge wurden vor der Kommission niedergelegt und bildeten symbolisch einen „Friedhof der europäischen Industrie“.
Die Installation stand für Unternehmen, Arbeitsplätze, Investitionen und Produktionsstandorte, die durch die zunehmenden Wettbewerbsnachteile europäischer Hersteller gegenüber importierten stahlintensiven Produkten gefährdet sind. Gleichzeitig verdeutlichte sie die Sorge vieler Industriezweige, dass die derzeitigen politischen Rahmenbedingungen den industriellen Niedergang, Investitionsabwanderungen und den Verlust qualifizierter Arbeitsplätze in Europa beschleunigen könnten.
Ein Vertreter der Europäischen Kommission empfing die Delegation am Berlaymont nicht persönlich. Ein Mitglied des Sicherheitsdienstes nahm jedoch das Positionspapier sowie den „Call to Action“ von EUROMETAL stellvertretend für die Institution entgegen. EUROMETAL fordert die Europäische Kommission nun auf, die Vorschläge der Industrie sorgfältig zu prüfen und einen substantiellen Dialog mit den betroffenen Branchen aufzunehmen.
Die Initiative wurde von EUROMETAL, dem Europäischen Verband des Stahl-, Rohr- und Metallhandels, organisiert. Die Veranstalter betonten ausdrücklich, dass sich die Aktion weder gegen Europa noch gegen die europäischen Klimaziele richtet. Vielmehr handele es sich um einen konstruktiven Appell für politische Rahmenbedingungen, die Wettbewerbsfähigkeit sichern, Investitionen fördern, Beschäftigung erhalten und die industrielle Widerstandsfähigkeit Europas stärken.
Im Positionspapier von EUROMETAL wird darauf hingewiesen, dass Stahl, der in Europa hergestellt oder direkt in die Europäische Union eingeführt wird, umfangreichen handelspolitischen Schutzmaßnahmen, CO₂- Kosten und regulatorischen Verpflichtungen unterliegt. Viele importierte stahlintensive Endprodukte seien dagegen nicht vergleichbaren Anforderungen ausgesetzt. Dadurch entstehe ein zunehmendes Risiko für Carbon Leakage im nachgelagerten Bereich, Produktionsverlagerungen sowie Arbeitsplatzverluste entlang der europäischen industriellen Wertschöpfungsketten.
Während der Demonstration und in den anschließenden Gesprächen forderten die Teilnehmer:
• Faire Wettbewerbsbedingungen entlang der gesamten europäischen Stahl- und Industrie- Wertschöpfungskette.
• Wirksame Maßnahmen zur Verhinderung von Carbon Leakage im nachgelagerten Bereich.
• Handels- und Klimaschutzinstrumente, die stahlintensive Endprodukte dort einbeziehen, wo dies sachgerecht ist.
• Verbesserte Rückverfolgbarkeit und strengere Herkunftsnachweise.
• Eine stärkere Unterstützung europäischer Wertschöpfungsketten sowie strategischer Industrieprojekte nach dem Prinzip „Made in Europe“.
• Den Abbau unnötiger bürokratischer Belastungen bei gleichzeitiger Wahrung der europäischen Umwelt- und Klimaziele.
Alexander M. Julius, Präsident von EUROMETAL, erklärte:
„Die Botschaft unseres Konvois war einfach: Europa kann seine Klimaziele, seine strategische Autonomie und seine wirtschaftliche Resilienz nicht erreichen, wenn es zulässt, dass seine industrielle Basis verschwindet. Die europäischen Hersteller unterstützen die Dekarbonisierung und fairen Wettbewerb. Doch die regulatorischen Rahmenbedingungen müssen entlang der gesamten Wertschöpfungskette konsequent und gleichmäßig angewendet werden.
Heute gelangen zu viele stahlintensive Produkte auf den europäischen Markt, ohne vergleichbaren Handelsmaßnahmen, CO₂-Kosten oder regulatorischen Verpflichtungen zu unterliegen. Die Folge sind Investitionsabwanderungen, Produktionsverlagerungen ins Ausland und der Verlust qualifizierter Industriearbeitsplätze.
Die LKW und Särge, die gemeinsam am Berlaymont ankamen, symbolisieren die Entscheidung, vor der Europa steht: Entweder bewahren und stärken wir die Grundlagen unserer industriellen Wertschöpfung oder wir erleben, wie weitere Produktionsstandorte und Industrieunternehmen aus Europa verschwinden. Es gibt keinen Green Deal ohne Industrie, keine strategische Autonomie ohne Produktion und kein widerstandsfähiges Europa ohne starke europäische Stahl- und Metallwertschöpfungsketten.“
Im Anschluss an die Demonstration wurden die Teilnehmer im Europäischen Parlament von Elena Donazzan, Vizevorsitzende des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie (ITRE), empfangen. Sie unterstützte die Initiative und organisierte einen eigenen Meinungsaustausch über die Zukunft der europäischen industriellen Wettbewerbsfähigkeit.
An der Diskussion nahmen Industrievertreter, politische Entscheidungsträger und weitere Interessengruppen teil. Im Mittelpunkt standen jene legislativen und regulatorischen Anpassungen, die erforderlich sind, um die Wettbewerbsfähigkeit der stahlverarbeitenden Industrien Europas wiederherzustellen, industrielle Investitionen innerhalb der Europäischen Union zu halten und hochwertige Arbeitsplätze in der Produktion zu sichern.
Die Gespräche konzentrierten sich insbesondere auf die Frage, wie Europa seine Klima-, Industrie- und Handelspolitik besser miteinander verzahnen kann, damit die industrielle Produktion auch künftig ein Grundpfeiler wirtschaftlichen Wachstums und strategischer Autonomie bleibt.
Der Europäische Konvoi für industrielle Wettbewerbsfähigkeit baut auf einem breiten industriepolitischen Appell auf, der von Hunderten Unternehmen, Verbänden und industriellen Akteuren unterstützt wird und Millionen Arbeitsplätze in Europa repräsentiert. Die Organisatoren betonten, dass die grüne Transformation, die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit und die sicherheitspolitische Handlungsfähigkeit Europas von starken heimischen Wertschöpfungsketten abhängen, die die für die Zukunft des Kontinents notwendigen
Materialien, Komponenten und Ausrüstungen produzieren können.
Mit dem Niederlegen der symbolischen Industriesärge vor dem Berlaymont übermittelten die Teilnehmer ihre abschließende Botschaft an die europäischen Institutionen:
Europas industrielle Zukunft kann noch gesichert werden. Dafür sind jetzt entschlossene politische Maßnahmen erforderlich, damit Investitionen, Innovationen, Produktion und Arbeitsplätze in Europa
bleiben.
(Quelle: EUROMETAL)
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