Forschung
Hochofenschlacke, ein Nebenprodukt der Stahlherstellung, ist ein wertvoller Sekundärrohstoff. Bild Honorarfrei verwendbar nur in engem redaktionellen Zusammenhang - Bild: : FEhS-Institut/Michael Wieschke
17.12.2024

FEhS-Institut: Sekundärrohstoffe verbindlicher stärken

Das Kabinett der scheidenden Bundesregierung hat am 4. Dezember 2024 die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie beschlossen. Das FEhS – Institut für Baustoff-Forschung sieht darin einen weiteren, aber zu verhaltenen Schritt zur Schonung natürlicher Ressourcen und zum Schutz von Umwelt und Klima.

Die Experten für die Nebenprodukte der Stahlherstellung vermissen vor allem in Bezug auf die prioritären Handlungsfelder „Bau- und Gebäudebereich“ sowie „Öffentliche Beschaffung“ konkrete, rechtssicher formulierte und verbindliche Vorgaben. Dies betrifft sowohl die derzeit verfügbaren Nebenprodukte der Stahlindustrie als auch zukünftige aus dekarbonisierten Herstellungsverfahren.

Bessere Rahmenbedinungen sind elementar

Bessere Rahmenbedingungen in Bund und Ländern zur Verwendung von Sekundärrohstoffen und -baustoffen sind aus Sicht des FEhS-Instituts elementar zur Intensivierung der Kreislaufwirtschaft und für einen gesteigerten, nachhaltigen Einsatz von Sekundärrohstoffen.

In besonderem Maße kommen hier Ausschreibungen der öffentlichen Hand in Betracht: Die im Kreislaufwirtschaftsgesetz vorgeschriebene bedingte Bevorzugung von Sekundärmaterialien bei gleicher technologischer Eignung muss, anders als derzeit häufig zu beobachten, ausnahmslos in der Praxis angewendet werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die einheitliche und praxisorientierte Bewertung der Umweltauswirkung von Rohstoffen unabhängig von ihrer Herkunft.

Forderung: Baustoffe nach gleichen Kriterien bewerten

Vor allem beim Bauen: Primär- und Sekundärbaustoffe müssen nach den gleichen Kriterien bewertet werden. In diesem Zusammenhang fordert das FEhS-Institut wie auch andere Institutionen, Verbände und Unternehmen auch für den Hochbau einheitliche Elutionsverfahren anstelle von Feststoffgrenzwerten, die das Endprodukt und nicht einzelne Bestandteile untersuchen.

Nicht zuletzt ist auch ein nicht-diskriminierendes Wording vonnöten. Es sollte von „Sekundärrohstoffen/-baustoffen“ anstelle von „Recyclingrohstoffen/-baustoffen“ die Rede sein, um die Einbeziehung aller relevanten Stoffe zu gewährleisten.

Reiche: Mittelkürzungen für Industrieforschung passen nicht zur Strategie

Thomas Reiche, Geschäftsführer des FEhS-Instituts erklärt:
„Aus unserer Sicht bleibt die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie deutlich hinter dem zurück, was für eine in der Praxis wirksame und zukunftsweisende Förderung von Sekundärrohstoffen notwendig ist.

So hätten wir uns gewünscht, dass die Ergebnisse des Abschlussberichts der vom Bundeswirtschaftsministerium initiierten Dialogplattform Recyclingrohstoffe der Deutschen Rohstoffagentur im August 2023 wie auch unsere Kernforderungen für ein nachhaltiges Ressourcenmanagement für die Nebenprodukte der Stahlindustrie hinreichend berücksichtigt worden wären.

Um den Einsatz von Sekundärrohstoffen wirklich zu fördern, müssen wir zeitnah vom Sollen und Planen in ein praxisgerechtes, ressortübergreifendes Müssen und Machen kommen.

Das gilt auch für die angewandte Forschung, der in der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Die im Entwurf zum Bundeshaushalt 2025 geplanten Mittelkürzungen für die Industrieforschung laufen diesen Zielen aus unserer Sicht jedoch diametral entgegen.“

Die Verwendung von Eisenhüttenschlacken in Zement und Beton, im Verkehrswegebau und in Düngemitteln hat bis heute in Deutschland den Abbau von über einer Milliarde Tonnen Naturgestein und die Emission von 210 Millionen Tonnen CO2 vermieden.

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