Trendthema
Offizielle Inbetriebnahme einer der größten Wasserstofferzeugungsanlagen Deutschlands:   Siemens-Vorstand Matthias Rebellius, Siemens-Deutschlandchef Uwe Bartmann und Projektleiter Andreas Schmuderer übergeben symbolisch Wasserflaschen an die beiden Geschäftsführer der Betreibergesellschaft WUN H2, Thilo Rießner und Philipp Matthes sowie Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Im Bild v.l.: Philipp Matthes, Uwe Bartmann, Andreas Schmuderer, Marko Krasser, Geschäftsführer SWW Wunsiedel, Thilo Rießner, Matthias Rebellius, Veronika Bienert, CEO Siemens Financial Services, Ministerpräsident Markus Söder und Bürgermeister Nikolas Lahovnic. - Photo: Siemens AG
14.09.2022

Leuchtturmprojekt für die Energiezukunft in Wunsiedel

Siemens nimmt eine der größten grünen Wasserstoffproduktionen Deutschlands in Betrieb

Eine der größten grünen Wasserstofferzeugungsanlagen Deutschlands, digital geplant und realisiert von Siemens, ging am 14. September 2022 im oberfränkischen Wunsiedel in Betrieb. Gut ein Jahr nach dem offiziellen Spatenstich übergaben Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Siemens-Vorstand Matthias Rebellius und Siemens Financial Services-CEO Veronika Bienert die Anlage an die Betreibergesellschaft WUN H2, vertreten durch die Geschäftsführer Thilo Rießner und Philipp Matthes.

Bis zu 1.350 Tonnen grüner Wasserstoff können nun jährlich im Energiepark Wunsiedel aus regenerativer Sonnen- und Windkraft erzeugt werden. Zur Wasserstofferzeugung kommt ein Elektrolyseur der neuesten und leistungsstärksten Produktlinie von Siemens Energy mit einer elektrischen Gesamtleistung von 8,75 Megawatt zum Einsatz. Der “Silyzer 300” beruht auf der PEM-Technologie, die optimal geeignet ist für den Betrieb mit regenerativen Energien. Der grüne Wasserstoff soll vornehmlich in Industrie- und Gewerbebetrieben der Region, aber
auch im Kraftverkehr eingesetzt werden. Rechnet man mit einer regionalen Fahrleistung von 150 Kilometern pro Tag, so könnten beispielsweise 400 wasserstoffbetriebene 40-Tonnen-LKWs mit dieser Menge ein ganzes Jahr CO2-frei fahren. Jährlich können durch den Einsatz der in Wunsiedel produzierten Wasserstoffmenge und der damit verbundenen Verdrängung von fossilen Energieträgern bis zu 13.500 Tonnen Kohlendioxid vermieden werden.

Als Generalunternehmer verantwortete Siemens Smart Infrastructure die Errichtung der Gesamtanlage sowie den Aufbau eines intelligent überwachten und gesteuerten Energienetzes. Abnehmer für den erzeugten grünen Wasserstoff ist die regionale Wirtschaft – von der Glas- und Keramikindustrie über Transportunternehmen und Automobilzulieferbetrieben bis zum benachbarten Sägewerk. Der Wasserstoff wird im Sinne des dezentralen Ansatzes über LKW-Trailer an die Endkunden vornehmlich im Umkreis von rund 150-200 Kilometern (Nordbayern, Thüringen, südliches Sachsen und Westböhmen) verteilt. Mit der für 2023 geplanten Errichtung einer H2 -Tankstelle am Energiepark Wunsiedel kann zusätzlich die regionale Nutzfahrzeugflotte dekarbonisiert werden.

„Da globale Erwärmung, Energieabhängigkeit und steigende Kosten zu immer drängenderen Themen werden, sind reale Lösungen für die Energiezukunft von entscheidender Bedeutung“, sagte Siemens-Vorstandsmitglied und CEO Smart Infrastructure Matthias Rebellius. „Das Projekt Wunsiedel ist ein hervorragender Beweis dafür, wie Weitblick und Eigeninitiative in Kombination mit der richtigen Technologie und Finanzierung die Entwicklung einer CO2-freien Energieversorgung vorantreiben können.“

Siemens Financial Services unterstützt mit einem intelligenten Finanzierungskonzept und ist mit einem Anteil von 45 Prozent an der Betreibergesellschaft WUN H2 beteiligt. Weitere Anteilseigner sind die Rießner- Gase aus Lichtenfels, ebenfalls mit 45 Prozent sowie die Stadtwerke Wunsiedel (SWW) mit zehn Prozent.

„Zukunftsweisende Projekte brauchen eine solide Finanzierungsbasis“, sagte Veronika Bienert, CEO von Siemens Financial Services, dem Finanzierungsarm der Siemens AG. „In Wunsiedel konnten wir gemeinsam mit der Umweltbank Nürnberg als externen Kreditgeber eine der ersten regresslosen Projektfinanzierungen, das heißt ohne Rückhaftung der Gesellschafter, für eine derartige Anlage in Deutschland umsetzen und so die wirtschaftliche Machbarkeit unter Beweis stellen.“

In Wunsiedel ist die Energiewende heute schon Realität: Die Kommune mit 10.000 Einwohnern nutzt zu 100 Prozent klimaneutrale Energie und ist Selbstversorger für Strom und Wärme. Die Wasserstofferzeugungsanlage wird mit dem bereits vorhandenen Batteriespeicher von Siemens und benachbarten Industriebetrieben vernetzt. Diese können zum Beispiel Abwärme oder den bei der Elektrolyse abgespaltenen Sauerstoff nutzen. Aber auch in der Dekarbonisierungsstrategie Deutschlands spielt Wasserstoff eine zentrale Rolle, wenn es darum geht Mobilität, Stahlproduktion oder Chemieindustrie CO2-neutral zu gestalten. Denn mit Wasserstoff lassen sich viele Prozesse umsetzen, für die bisher fossile Energieträger nötig waren – ohne, dass bei der Rückwandlung in Energie CO2 frei wird. Wasserstoff ist außerdem ein wichtiger Speicher für regenerative Energien.

Allein in der Europäischen Union sollen bis 2030 jährlich zehn Millionen Tonnen grüner Wasserstoff erzeugt werden. Mit der Inbetriebnahme der Wasserstofferzeugungsanlage beginnt die kommerzielle Produktion des Energieträgers H2 in Wunsiedel. Aktuell werden bereits Gespräche über eine Erweiterung der Anlage auf 17,5 Megawatt Leistung geführt.

(Quelle: Siemens AG)

 

Photo: Siemens AG
Energiepark Wunsiedel mit der neuen Wasserstoffanlage in weiß unten links. Photo: Siemens AG

Schlagworte

AnlagenAutomobilBundCO2CO2-neutralDekarbonisierungDeutschlandElektrolyseElektrolyseurEnergieEnergiewendeEntwicklungEUFinanzierungGesellschaftInbetriebnahmeIndustrieINGKlimaPresseProduktionSachsenServiceSiemens AGSiemens EnergyStahlStahlproduktionStrategieTransportUmweltUnternehmenWasserstoffWirtschaft

Verwandte Artikel

Laborversuch im 1-kg-Maßstab
29.09.2026

Outokumpu stellt EvoMaterials vor

Proprietäre Technologieplattform für die Herstellung CO₂-armer hochangereicherter Metalle – auf dem Weg zur Pilotproduktion

Bund Chrom DSV Emissionen Entwicklung EU Europa Forschung HZ Industrie ING Innovation KI Klima Legierungen Lieferketten Outokumpu Patent Produktion Projektmanagement Unternehmen USA Vereinbarung Verteidigung Vorstand Werkstoff Werkstoffe Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren
28.09.2026

steelbuy: Neue Plattform von tk accelis in den USA gestartet

Die Plattform unterstützt die Strategie von tk accelis, in Nordamerika zu expandieren und die Digitalisierung von Lieferketten voranzutreiben

Aluminium Blech Bleche Coils Digitalisierung Edelstahl EU Handel Industrie ING Lieferketten Modernisierung Nordamerika Service Stahl Stahlhandel Stahlindustrie Stahlwerk Strategie Tk accelis Unternehmen USA Verkauf Verlag Vertrieb
Mehr erfahren
25.09.2026

CO₂-Rechnung für Stahl könnte sich verdoppeln

EUROFER schätzt, dass die steigenden EU-CO₂-Abgaben den konventionellen Hochofenstahl nach 2030 drastisch verteuern werden

Dekarbonisierung Emissionen Energie Entwicklung Essen EU EUROFER Europa Handel Hochofen HZ IBU Importe Industrie ING Investition Klima Klimaneutraler Stahl Messe Schrott Transformation Unternehmen Verkauf Verlag Wettbewerb Wirtschaft Zahlen Zertifikat
Mehr erfahren
24.09.2026

Rohstahlerzeugung im August 2026: Weiterhin verhaltene Erholung

Die Rohstahlproduktion in Deutschland hat im August 2026 mit einem Plus von 1,7 Prozent im Vorjahresvergleich nur leicht zugelegt.

Deutschland EU Hochofen ING Konverter Produktion Rohstahlproduktion Schrott Stahl Stahlerzeugung Stahlproduktion Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung
Mehr erfahren
Nicklas Magnusson, Leiter Sustainability & Safety bei Ovako
23.09.2026

Erstellung von Umweltproduktdeklarationen optimieren

Mit seiner digitalen Lösung kann Ovako, ein skandinavische Stahlhersteller, Umwelt-Produkt-Deklarationen (EPD) für Stahlprodukte in nur wenige Minuten erstellen.

Emissionen Energie Ergebnis Essen EU IBU Industrie ING KI Lieferketten Ltd Nachhaltigkeit Ovako Produktion Produktionsprozess Rohstoffe Spezialstahl Stahl Transport Umwelt Umweltproduktdeklaration USA Zusammenarbeit
Mehr erfahren