Wirtschaft
Skyline von Manhatten, New York City - Bild: Aleksi Koskinen
22.09.2025

Edelstahlversorgung durch Zölle und Geopolitik kritisch

Die jüngsten Zollverhandlungen und geopolitische Spannungen verändern die Beschaffungsstrategien für Edelstahl weltweit. Das belegt Outokumpu, der weltweit führende Anbieter von nachhaltigem Edelstahl, in einem neuen Whitepaper, das sich mit der Evolution von Werkstoffen befasst. 

Die Studie mit dem Titel „The Evolution of Materials“ basiert auf einer globalen Umfrage unter 70 hochrangigen Entscheidern in Unternehmen mit einem kumulierten Jahresumsatz von 400 Milliarden Euro (2024) – darunter einige der weltweit größten industriellen Verbraucher von Stahl in den Sektoren Energie, Konsumgüter, Automobilindustrie, Bauwesen und Infrastruktur*.

Die Erhebung wurde im Mai 2025 während der ersten Welle umfassender Zollmaßnahmen durchgeführt, die in den Anfangsmonaten der neuen US-Regierung verhängt wurden. Diese Phase markierte einen tiefgreifenden Eingriff in die Dynamik des Welthandels.

Die Ergebnisse belegen, dass jedes dritte Unternehmen seine Edelstahlbestellungen aufgrund der Zollverwerfungen ausgesetzt oder verschoben hat, was Fortschritte bei der Umsetzung großer Infrastrukturprojekte weltweit infrage stellt.

Über die Hälfte der Befragten überdenkt derzeit seine Beschaffungsstrategie vollumfänglich, während weitere 30 Prozent als Antwort auf die veränderten Rahmenbedingungen im Handel bereits auf alternative Lieferanten umgestiegen sind.

Die Umfrage zeigt zudem regionale Unterschiede im Umgang mit der Marktsituation. Nordamerikanische Unternehmen handelten reaktiver: viele sicherten sich langfristige Preisbindungen, um sich gegen Volatilität abzusichern.

Europäische Befragte neigten eher dazu, Lagerbestände aufzubauen, um sich gegen künftige Unwägbarkeiten zu rüsten.

Forderung nach politischen Entscheidungen

Kati ter Horst, Vorstandsvorsitzende und CEO von Outokumpu, erklärt:
„Handelszölle und geopolitische Verschiebungen destabilisieren nicht nur die Märkte – sie zwingen viele  Industriezweige dazu, ihre Materialbeschaffung grundlegend zu überdenken. Anhaltende Unsicherheit und veränderliche Regulierungen führen zu weitreichender Disruption.

Politische Entscheidungsträger weltweit sind gefordert, zentrale Infrastrukturprojekte abzusichern und weitere Verzögerungen zu verhindern. Angesichts der Konvergenz politischen, ökologischen und wirtschaftlichen Drucks gewinnt das Material erheblich an Bedeutung in der gebauten Umwelt.“ 

Trotz kurzfristiger Zurückhaltung erwarten zwei von drei Befragten einen Anstieg des Edelstahlbedarfs in den kommenden fünf Jahren; ein Drittel davon sogar einen signifikanten Zuwachs. Selbst im Zwölf-Monats-Horizont rechnet knapp die Hälfte der Unternehmen mit steigenden Abnahmemengen.

Der mittel- bis langfristige Nachfrageanstieg wird durch die wachsende Bedeutung von Edelstahl weit über klassische Spezialanwendungen hinaus angetrieben. Klimawandel, rapides urbanes Wachstum und verschärfte Umweltauflagen sind dabei die wesentlichen Treiber.

Infrastruktur durch extreme Wettereignissen stark beansprucht

Extreme Temperaturen, Überflutungen und andere Wetterereignisse setzen die Infrastruktur einem bislang unbekannten Belastungsniveau aus, wodurch die Korrosionsbeständigkeit und Festigkeit von Edelstahl wertvoller sind denn je – vom Einsatz bei Brücken und im Küstenschutz bis hin zu Tunneln und Wolkenkratzern. Seine Recyclingfähigkeit und lange Lebensdauer stärken zudem die Bedeutung von Edelstahl beim Bau widerstandsfähiger, umweltverträglicher Infrastrukturen.

Darüber hinaus gewinnt Edelstahl auch in der Verteidigungs- und Luftfahrtindustrie an Bedeutung, da wachsende Sicherheitsbedenken zu höheren Investitionen im Militärsektor führen.

Das 800-Milliarden-Euro-Programm ReArm Europe der EU, das Rohstoffresilienz und nachhaltigen Werkstoffen eine höhere Priorität einräumt, dürfte die Nachfrage nach hochentwickelten Edelstahlsorten steigern, die die Lebensdauer von Ausrüstungsgütern verlängern und den Übergang zu einer CO₂-armen Militärinfrastruktur unterstützen.

Von wiederverwendbaren Raketen bis hin zu energieeffizienten Überwachungssystemen: Edelstahl ist überall dort unverzichtbar, wo Haltbarkeit, Hitzebeständigkeit und Kreislauffähigkeit gefragt sind.

*) Die Umfrage umfasste Einfachauswahlfragen, offene Antworten und standardisierte Bewertungen mittels Likert-Skala. Die quantitative und qualitative Auswertung wurde durch das Marktforschungsinstitut „Kairos Future“ durchgeführt. Insgesamt gingen 49 vollständige Antworten ein (Rücklaufquote: 70 %).

Die geografische Verteilung der Befragten: Europa (41 %), Vereinigte Staaten (24 %), global tätige Unternehmen (35 %) – eine Zusammensetzung, die eine ausgewogene Perspektive auf regionale Prioritäten und Herausforderungen ermöglicht.

(Quelle: Outokumpu)

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