Unternehmen Trendthema
Dr. Michael Dohlen, Leiter bei thyssenkrupp MillServices & Systems den Bereich Forschung und Entwicklung - Photo: thyssenkrupp
07.02.2022

Recycling statt Deponie

thyssenkrupp MillServices & Systems startet Forschungsprojekt mit Klimaschutzeffekt

Einen vielversprechenden Ansatz zur Wiederverwendung der bei der Roheisenentschwefelung entstehenden Schlacke und zur Reduktion des CO2 Fußabdrucks verfolgt thyssenkrupp MillServices & Systems: Statt die bei der Entschwefelung entstehende Schlacke zu entsorgen, sollen deren Bestandteile industrieübergreifend wiederverwendet werden – als Baustoff, als Dünger in der Landwirtschaft und in der Stahlproduktion.

Ein entsprechendes Forschungsprojekt startete das Unternehmen am 1. Januar 2022 gemeinsam mit zwei Fraunhofer-Instituten, der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, einem Zementhersteller sowie einem Anlagenbauer.

„Wir verfolgen einen Zero-Waste-Ansatz: Unser Ziel ist die vollumfassende Wiederverwendung der bei der Roheisenentschwefelung entstehenden Schlacke“, erklärt Dr. Michael Dohlen, der bei thyssenkrupp MillServices & Systems den Bereich Forschung und Entwicklung leitet und das Projekt federführend
betreut.

Das Prinzip: Bevor das im Koks-Hochofen erzeugte Roheisen im Stahlwerk weiterverarbeitet wird, wird der Schwefelgehalt mit Hilfe von Kalkverbindungen reduziert. Dabei entsteht Roheisenentschwefelungsschlacke, die Eisen, calcium- und siliciumhaltige Mineralien und Schwefel enthält. Bisher werden Teilmengen in der Eisenherstellung wiederverwendet, der Großteil wird auf knapper werdenden Deponien entsorgt.

thyssenkrupp MillServices & Systems will das ändern: Mit Hilfe der am Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP genutzten elektrodynamischen Fragmentierung soll das gesamte Eisen aus der Schlacke zurückgewonnen und wiederverwendet werden. Die enthaltenen kalk- und siliciumhaltigen Mineralien
werden ebenfalls extrahiert. Sie kommen beispielsweise in der Zementindustrie zur Anwendung. Der Schwefel wird der Düngemittelindustrie zur Verfügung gestellt.

Von den geschätzt 450.000 Tonnen Roheisenentschwefelungsschlacke, die pro Jahr in Deutschland entstehen, könnten mit diesem Verfahren 200.000 Tonnen in der Eisen- und Stahlindustrie wiederverwendet werden, 180.000 Tonnen in der Zementbranche und 22.000 Tonnen in der Düngemittelindustrie. Dies schafft eine Kreislaufwirtschaft: Natürliche Ressourcen wie Kalkstein- und natürliche Sandvorkommen werden geschont, die CO2-Emissionen in den beteiligten Industriezweigen reduziert.

Das Forschungsprojekt zahlt damit auf die Nachhaltigkeitsstrategie von thyssenkrupp Materials Services ein, der Dachgesellschaft von thyssenkrupp MillServices & Systems. Der globale Werkstoffhändler und -dienstleister hat sich zum Ziel gesetzt, ab 2030 klimaneutral zu agieren. Neben den Ansprüchen an die eigene Organisation, unterstützt Materials Services seine Kunden mit grünen Produkten und nachhaltigen Supply-Chain-Lösungen auf diesem Weg.

Das Verbundprojekt mit dem Titel „Reduzierte Prozessemissionen in der Stahl- und Zementherstellung – Aufbereitung und Nutzung von Roheisenentschwefelungsschlacke (RESycling)“ läuft über vier Jahre und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit der Maßnahme „Vermeidung von klimarelevanten Prozessemissionen in der Industrie (KlimPro-Industrie)“gefördert.

Die thyssenkrupp MillServices & Systems ist ein führender Anbieter von Industriedienstleistungen mit System. Die Industriedienstleistungen gliedern sich in fünf Geschäftsbereiche. Eines davon ist das Schlackenmanagement. Es umfasst Flüssigschlackentransporte, Aufbereitung, Metallseparation, Schlackenvermarktung sowie Forschung & Entwicklung. Die Gesellschaft gehört zu Materials Services.

(Quelle: thyssenkrupp Materials Services)

Schlagworte

AnlagenAnlagenbauBundCO2CO2-EmissionenDeutschlandEmissionenEntwicklungEUForschungForschungsprojektFraunhoferGesellschaftHochofenIndustrieINGKlimaKlimaschutzKoksKreislaufwirtschaftNachhaltigkeitProduktionRoheisenSchlackeSchwefelServiceStahlStahlindustrieStahlproduktionStahlwerkStrategieThyssenthyssenkruppThyssenkrupp Materials ServicesTransportUnternehmenWerkstoffWirtschaft

Verwandte Artikel

Primetals Technologies modernisiert das Beiz-Tandem-Kaltwalzwerk (PLTCM) BETA 2 der voestalpine
08.01.2026

Modernisierung eines Beiz-Tandem-Kaltwalzwerks bei voestalpine

Primetals Technologies führt an dem Beiz-Tandem-Kaltwalzwerk (PLTCM) BETA 2 der voestalpine stahl in Linz, Österreich, eine Softwareaktualisierung der gesamten Basis- und...

Anlagen Automatisierung Automobil Bauindustrie EU Inbetriebnahme Industrie Kaltwalzwerk Modernisierung Österreich Partnerschaft Primetals Prozessautomatisierung Software Stahl Voestalpine Walzwerk
Mehr erfahren
Sud Sivaji tritt die Nachfolge von Tim di Maulo an, der zum Jahresende 2025 aus dem Unternehmen ausgeschieden ist
08.01.2026

Sud Sivaji tritt sein Amt als Chief Executive Officer bei Aperam an

Sud Sivaji tritt die Nachfolge von Tim di Maulo an, der zum Jahresende 2025 aus dem Unternehmen ausgeschieden ist

Blech Edelstahl Industrie Kreislaufwirtschaft Legierungen Luxemburg Produktion Stahl Stahlproduktion Transformation Unternehmen Wirtschaft
Mehr erfahren
FNsteel in Alblasserdam
08.01.2026

Kartellbehörden geben grünes Licht für Erwerb von FNsteel

Die Saarstahl Aktiengesellschaft hat alle erforderlichen kartellrechtlichen Genehmigungen für die Übernahme von FNsteel B.V. erhalten.

EU FNsteel B.V. Gesellschaft Kartellrecht Langstahl Saarstahl Stahl Übernahme Vorstand
Mehr erfahren
Darstellung einer Radialschmiedelinie der SMS group, vergleichbar mit der Anlage, die am Standort Kokomo von Haynes International in Indiana errichtet werden soll.
07.01.2026

SMS liefert moderne Radialschmiedemaschine

SMS wurde von Haynes International, einem Hersteller von Legierungen auf Nickel- und Kobaltbasis, mit der Lieferung einer hydraulischen Radialschmiedelinie beauftragt.

Adjustage Anpassung Antrieb Brenner Einsparung Energie Energieeffizienz EU Gesellschaft Handel Inc. Industrie ING Innovation Investition Legierungen Lieferung Optimierung Partnerschaft Produktion SMS group Software Steuerung Strategie Temperatur Umformung USA Wirtschaft WTO
Mehr erfahren
Die Hoa Phat Group hat ein neues Draht- und Stab-Walzwerk und eine Vierstrang-Stranggießanlage bei Danieli in Auftrag gegeben
07.01.2026

Hoa Phat Group baut weiteres Werk für Betonstahl und Walzdraht in Vietnam

Die Anlage ist für eine Gesamtkapazität von 700.000 Tonnen pro Jahr ausgelegt und soll im ersten Quartal 2027 in Betrieb gehen

Anlagen Asien Betonstahl Danieli Draht Energie Hoa Phat Inbetriebnahme Langprodukte Lieferung Messung Stahl Temperatur Umwelt Vietnam Walzwerk
Mehr erfahren