Technik
Herzstück der Steelanol-Anlage – die Bioreaktoren, in denen Ethanol hergestellt wird. - Foto: Primetals Technologies
14.12.2023

Steelanol CCU Werk produziert erstmals Ethanol

Im November 2023 wurde im Steelanol-Werk auf dem Gelände von ArcelorMittal im belgischen Gent erstmals Ethanol im industriellen Maßstab hergestellt. Dies ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur vollständigen Inbetriebnahme dieser neuartigen Anlage. Das Projekt basiert auf der Zusammenarbeit von ArcelorMittal, LanzaTech, ERM und Primetals Technologies.

CO2-Abscheidung aus kohlenstoffreichen Abgasen

Mit Steelanol geht das erste europäische Projekt für Carbon Capture and Utilization (CCU) an den Start. Die Anlage ist an die Hochöfen von ArcelorMittal in Gent angeschlossen und wandelt deren kohlenstoffreiche Abgase biologisch in Ethanol um. Die von LanzaTech entwickelte Technologie funktioniert ähnlich wie eine Brauerei: Speziell gezüchtete Bakterien wirken als "Biokatalysatoren" und wandeln das kohlenstoffreiche Gas in nachhaltige Rohstoffe wie Ethanol um.

Mit der Steelanol-Anlage können die jährliche CO2-Emissionen des Werks in Gent um bis zu 125.000 Tonnen verringert werden. Das produzierte Ethanol kann etwa als nachhaltiges Kerosin, in der Verpackungs- und Textilproduktion oder für Parfüms und Haushaltsreiniger verwendet werden. 

Zugang zu neuen Märkten

Nachdem einige Wochen lang Hochofenabgase sicher in die Steelanol-Anlage eingeleitet wurden, konnte am 7. November 2023 die erste industrielle Produktion von Ethanol aus einem der vier Bioreaktoren gestartet werden. Über die kommenden Monate hinweg wird die Produktion schrittweise hochgefahren, um die geplante Produktionskapazität von 80 Millionen Litern Ethanol pro Jahr zu erreichen.

Auf die Einweihung der Anlage im Dezember 2022 folgte zunächst die kalte Inbetriebnahme und schließlich die Beimpfung der Anlage, um das Wachstum der Mikroorganismen in Gang zu setzen. Im Juni 2023 wurden dann die ersten ethanolhaltigen Proben hergestellt.

Die wegweisende Kohlenstoff-Biorecycling-Technologie von LanzaTech ermöglicht nicht nur die Vermeidung von CO2-Emissionen, das aus der Stahlproduktion gewonnene Ethanol kann auch zur
Herstellung neuer Produkte genutzt werden, was Stahlherstellern einen Zugang zu Märkten jenseits des Stahls eröffnet.

Primetals Technologies und LanzaTech arbeiten bereits seit über zehn Jahren gemeinsam an neuen Technologien für die Dekarbonisierung der Stahlindustrie. Im Sommer 2023 haben die beiden Unternehmen ihre Partnerschaft um weitere zehn Jahre verlängert.

Steelanol – die beteiligten Partner

LanzaTech, mit Sitz in Chicago, USA, hat die Technologie für die Steelanol-Anlage entwickelt und besitzt die Rechte daran. ERM erstellt auf Basis der Anlagendaten aus Gent die vollständige Ökobilanz von Steelanol, die Aufschluss über die Umweltverträglichkeit dieser Art der Ethanolproduktion geben wird. ArcelorMittal betreibt und wartet die Steelanol-Anlage in Gent.

Primetals Technologies bringt als Marktführer für Umweltinnovationen in der Metallindustrie seine hohe technische Kompetenz für das Engineering sowie Beratungsleistungen zur Prozessgestaltung und -umsetzung ein.

Finanzielle Förderung erhielt das Steelanol-Projekt unter anderem aus dem EU-Programm „Horizon 2020“, von der Europäischen Investitionsbank sowie von der belgischen Regierung und der Region Flandern.

(Quelle: Primetals Technologies)

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