Unternehmen
Die Mittelbandstraße von thyssenkrupp Hohenlimburg heute: digitalisiert und ausgelegt für höchste Präzision bei der Herstellung anspruchsvoller Warmbandgüten für Fahrzeuge, Kaltwalzindustrie, Maschinenbau und Elektroindustrie. - Bild: thyssenkrupp Steel
10.07.2025

70 Jahre Mittelbandstraße Hohenlimburg

Vor 70 Jahren nahm die kontinuierliche Mittelbandstraße in Hohenlimburg ihren Betrieb auf. Was 1955 als technologische Pionierleistung begann, ist heute ein hochmodernes Produktionssystem für anspruchsvolle Warmbandlösungen. Die Anlage steht sinnbildlich für die Innovationskraft und Wandlungsfähigkeit des Standorts – damals wie heute.

Ein mutiger Schritt in die Zukunft

Die Entscheidung zum Bau der Mittelbandstraße fiel Anfang der 1950er Jahre in einer Zeit des industriellen Aufbruchs. Die bestehenden Walzanlagen waren nach dem Krieg überholt, der internationale Wettbewerb zog an.

Die Antwort: eine vollkontinuierliche Walzstraße, ausgelegt für Bandbreiten bis 530 mm – eine Seltenheit in Europa. Eine Anekdote aus der Planungsphase erzählt von einem Ingenieur, der die ersten Entwürfe der Anlage mit Kreide auf den Hüttenflur zeichnete – mangels geeigneter Zeichenfläche.

André Matusczyk, Geschäftsführer von thyssenkrupp Hohenlimburg, wird grundsätzlich:
„Diese Entschlossenheit und auch dieser Pioniergeist prägen unseren Standort bis heute.“ 

Im Sommer 1955 wurden schließlich die ersten Brammen gewalzt. Die Anlage bestand aus sechs Duo-, fünf Quarto- und sechs Stauchgerüsten, zwei Haspelanlagen und einem Zunderwäscher. Bereits im ersten Jahr wurden über 224.000 Tonnen Bandstahl produziert – ein Meilenstein für die Region.

Bild: thyssenkrupp Steel
Blick auf die Mittelbandstraße von thyssenkrupp Hohenlimburg kurz nach ihrer Inbetriebnahme 1955: Als erste vollkontinuierliche Walzanlage Europas für Bandstahl bis 530 mm Breite setzte sie neue Maßstäbe in der Bandstahlproduktion Bild: thyssenkrupp Steel

Technologische Entwicklung über Jahrzehnte

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Mittelbandstraße kontinuierlich modernisiert. 1985 erfolgte ein umfassender Umbau, 1995 die Einführung digitaler Prozesstechnik. Heute produziert die Anlage Warmband in über 300 Werkstoffen – von unlegierten Baustählen bis zu hochwarmfesten Sonderlegierungen – in Dicken von 1,5 bis 16 mm und Breiten bis 720 mm.

Matusczyk betont:
„Unsere Mittelbandstraße ist nicht nur ein Stück Industriegeschichte, sondern ein hochflexibles Aggregat für die Anforderungen von morgen. Sie verbindet Präzision, Effizienz und Nachhaltigkeit auf einzigartige Weise.“

Seit 1955 wurden auf der Mittelbandstraße über 25 Millionen Tonnen Bandstahl produziert. Dabei wurde die Anlage von den Hohenlimburgern immer wieder an moderne Anforderungen angepasst – technologisch, organisatorisch und strategisch. Heute ist sie ein integraler Bestandteil von thyssenkrupp Steel und ein Symbol für die Verbindung von Tradition und Zukunft.

Investition in die Zukunftsfähigkeit des Standorts

Jüngstes Beispiel für diesen Anspruch ist die Modernisierung des Hubbalkenofens 3, die im Frühsommer 2025 abgeschlossen wurde. Mit einem Investitionsvolumen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich wurde die Anlage umfassend erneuert: 91 Brenner wurden durch wasserstofffähige Modelle ersetzt, die Steuerung digitalisiert, die Energieeffizienz deutlich gesteigert.

Auch in puncto Energieversorgung geht thyssenkrupp Hohenlimburg neue Wege: Seit Juni 2024 wird der Standort direkt mit grünem Strom aus einem nahegelegenen Windpark versorgt – als erstes deutsches Industriewerk mit einer solchen Direktanbindung. Bereits heute deckt der Windstrom rund 40 Prozent des jährlichen Strombedarfs und spart in einem ersten Schritt bis zu 11 Prozent der CO₂-Emissionen des Standorts ein.

Dennis Grimm, Sprecher des Vorstands von thyssenkrupp Steel, erklärt:
„Hohenlimburg steht exemplarisch für das, was thyssenkrupp Steel stark macht: industrielle Kompetenz, technologische Exzellenz und höchste Qualitätsansprüche. Hinzu kommen eine besondere, über Jahrzehnte gewachsene Kundennähe und eine große Innovationsfreude und -kraft, die den Standort zu einem integralen Bestandteil einer zukunftsfesten Aufstellung von thyssenkrupp Steel machen.“

(Quelle: thyssenkrupp Steel)

Schlagworte

AnlagenBandstraßeBrammeBrennerEmissionenEnergieEnergieeffizienzEntwicklungEUHaspelHaspelanlageHohenlimburgHubbalkenofenIndustrieINGInnovationInvestitionLegierungenModernisierungNachhaltigkeitProduktionStahlSteuerungTechnikThyssenthyssenkruppThyssenkrupp HohenlimburgVorstandWalzanlageWarmbandWasserstoffWerkstoffWerkstoffeWettbewerbWindpark

Verwandte Artikel

Juliusburg/Krukow
29.05.2026

SSAB liefert CO2-armen Stahl für Solarpark in Norddeutschland

Beim neuen Freiflächen-Solarpark Juliusburg/Krukow in Schleswig-Holstein achtet Betreiber Vattenfall auf ein klimafreundliche Bauweise

Deutschland Emissionen Energie Energiewende EU Gesellschaft Klima Konstruktion Profile Schrott SSAB Stahl Unternehmen Vattenfall
Mehr erfahren
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl
28.05.2026

Sondernetzentgelte: Industrielle Realität berücksichtigen, atypische Netznutzung fortsetzen

Bundesnetzagentur legt Vorschlag zur künftigen Ausgestaltung von Netzentgeltermäßigungen vor.

Bund Energie Energiewende EU Industrie ING Kabel Produktion Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion TEMA Unternehmen USA Wettbewerb Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung
Mehr erfahren
Von links nach rechts: Klaus Neumann, Hans-Otto Weber, Fred Neumann, Georg Früh, Martin Kopf, Marco Göllrich.
28.05.2026

Innovations- und Nachhaltigkeitspreis Feuerverzinken 2026

Im Rahmen des Branchenevents Feuerverzinken am 21. Mai im Berliner Futurium hat der Bundesverband Feuerverzinken herausragende Entwicklungen mit dem Innovations- und Nach...

Berlin Bund Emissionen Entwicklung EU IBU ING Innovationspreis Konstruktion Kran Kreislaufwirtschaft Mining Nachhaltigkeit Produktion Stahl Stahlbau Unternehmen USA Verzinken Wirtschaft Zink
Mehr erfahren
: Geschäftsführer Klaus Bökels und das Team Ausbildung der BIBUS METALS GmbH in Berlin auf dem Weg zur Preisverleihung des DIHK Bildungspreises.
27.05.2026

Bibus Metals GmbH: Nominiertes Ausbildungskonzept

Das Ausbildungskonzept „Ausbilden mit Herz“ der Bibus Metals GmbH wurde für den DIHK‑Bildungspreis nominiert.

Ausbildung Auszeichnung Berlin Bund Deutschland E-Commerce Entwicklung Ergebnis EU IBU IHK KI Schweiz Seminar Technik Unternehmen USA Veranstaltung
Mehr erfahren
Grafische Darstellung des zukünftigen Elektrostahlwerks
27.05.2026

SSAB setzt Bauarbeiten am neuen Elektrostahlwerk fort

Nach Abschluss der Analyse für Ursachen der Krankheitssymptome wurde der Baustopp in Luleå aufgehoben

Arbeitsschutz Ergebnis Essen EU ING Kran Messe Messung Produktion Stahl Stahlwerk Transformation Umzug USA Zusammenarbeit
Mehr erfahren