Wirtschaft News Statement
Fünf Zuliefererverbände appellieren an alle neuen Bundestagsabgeordneten, die aktuellen existenzgefährdenden Probleme der mittelständischen Industrie nicht noch zu verschärfen. Zu den Unterzeichnern gehören der IBU GF Bernhard Jakobs - Photo: Industrieverband Blechumformung (IBU) und Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK)
04.12.2021

Fünf Zuliefererverbände richten Appell an alle neuen Bundestagsabgeordneten

„Staat darf Probleme nicht noch verschärfen – mittelständische Industrie und Investitionen in Deutschland sind infrage gestellt“

„Die mittelständische Industrie als Innovationsmotor am Standort Deutschland, ihre Arbeitsplätze und der Wohlstand sind infrage gestellt. Der Staat darf die existenzgefährdenden Probleme nicht noch verschärfen, sondern muss Raum für unternehmerisches Handeln geben.“

Diesen Appell haben fünf Industrieverbände gerade an alle Abgeordneten des neuen Bundestags geschickt. Unterzeichner sind der Industrieverband Blechumformung (IBU), der Industrieverband Massivumformung (IMU), die Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK), der Deutsche Schraubenverband (DSV) und der Fachverband Metallwaren- und verwandte Industrien (FMI).

„Die politischen Vertreter müssen die Probleme unserer Industrien kennen und sollen diese in die politische Abwägung einbringen“, unterstreichen die Organisationen und fordern ein gemeinsames Schultern aktueller Mehrbelastungen entlang der Lieferkette.  

Die gefährliche Kombination aus gestiegenen Materialpreisen und ‑mangel, Produktionseinschränkungen, wachsenden Energiekosten, Steuerbelastungen und Klimaanforderungen bringt Automobilzulieferer – und zunehmend weitere Branchen – ins Straucheln.

„Betroffene müssen steigende Kosten in der Lieferkette geltend machen können“, betont IBU-Geschäftsführer Bernhard Jacobs.

Auch die monatelange Vorfinanzierung von verteuertem Vormaterial bis zur nächsten Preisverhandlungsrunde sei kaum mehr leistbar. Steigende Stahlpreise treffen den Zulieferer aufgrund seines höheren Bedarfs viel stärker als Automobilhersteller und Systemlieferanten. Ein Anstieg um 50 Prozent führt bei Zulieferern zu 20 Prozent Mehrkosten, während es beim Hersteller nur zwei bis fünf Prozent sind. Hinzu kommt die niedrigere Gewinnmarge von etwa zwei bis drei Prozent bei Zulieferunternehmen – beim OEMs liegt sie bei rund 20 Prozent.  

Materialimporte erleichtern Wichtig für Stahlverarbeiter ist auch, dass die Politik Stahlimporte aus Drittländern wieder erleichtert und Einfuhrein-schränkungen abbaut – Stichwort Safeguards. Das ermöglicht wieder einen Wettbewerb und verbessert die Versorgungslage.  

Energie- und Steuerkosten deckeln Mit Blick auf extreme Energie- und Logistikkosten fordern die Verbände staatliche Unterstützung.

DSV-Geschäftsführer Hans Führlbeck: „Es ist überlebenswichtig, dass die Politik Energiekosten deckelt und Steuern reduziert. Alles andere führt zu wettbewerblichen Verzerrungen innerhalb der EU.“

Das fördere Investitionsentscheidungen Richtung Ausland und gefährde den Standort Deutschland.

„Verlierer wären die Belegschaften“, unterstreicht Werner Liebmann vom FMI.  

Klimavorschriften sollen mittelstandsfreundlicher werden. Die Fachverbände wünschen eine technikoffene Förderung von klimabezogenen Maßnahmen und ein Ende der einseitigen Diskussion über CO2-Verursacher:
„Sie reduziert sich auf Verbrenner- bzw. Elektroantriebe und lässt andere CO2-Emittenten außen vor“, so IMU-Geschäftsführer Tobias Hain.

Ein vorausschauender Blick auf die Konsequenzen ist auch bei den Green Deals und Klimazöllen gefragt:
„Die Verantwortlichen müssen die gesamte Wertschöpfungskette – einschließlich der Stahlverarbeiter – berücksichtigen“, erklärt Martin Kunkel von der FVK.  

Der Appell ging schriftlich an alle derzeit 736 Mitglieder des neuen Bundestags.

„Wir stehen jederzeit in Berlin oder vor Ort in den Wahlkreisen zum Gespräch zur Verfügung“, unterstreichen die Branchenvertreter.

Im neuen Koalitionsvertrag der Ampel steht der Satz „Unsere Wirtschaftspolitik setzt auf zukunftsorientierte Rahmenbedingungen für einen wettbewerbsfähigen Mittelstand“ – dieses Versprechen gilt es nun einzulösen. 

(Quelle: Industrieverband Blechumformung e.V. (IBU) , : Industrieverband Massivumformung e. V. (IMU), Fachvereinigung Kaltwalzwerke e. V., Deutscher Schraubenverband e.V., Fachverband Metallwaren- und verwandte Industrien (FMI) e.V.)

 

Fünf Zuliefererverbände appellieren an alle neuen Bundestagsabgeordneten, die aktuellen existenzgefährdenden Probleme der mittelständischen Industrie nicht noch zu verschärfen. Zu den Unterzeichnern gehören die FVK GF Martin Kunkel - Photo: Industrieverband Blechumformung (IBU) und Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK)
Photo: Industrieverband Blechumformung (IBU) und Fachvereinigung Kaltwalzwerke (FVK)

Schlagworte

ABBAntriebAutomobilBerlinBlechBrennerBundCO2Deutscher SchraubenverbandDeutschlandDSVEnergieEUFachvereinigung Kaltwalzwerke e. V.FinanzierungHandelIBUIMUIndustrieIndustrieverband BlechumformungIndustrieverband Blechumformung (IBU)Industrieverband Massivumformung e. V.INGInnovationInvestitionKaltwalzwerkKlimaLogistikMassivumformungPolitikProduktionStahlStahlpreiseTechnikUmformungUnternehmenWalzwerkWettbewerbWirtschaft

Verwandte Artikel

Das Abkommen dient als Absicherung gegen steigende Stromkosten.
21.02.2024

Octopus Energy liefert Solarstrom für Salcos

Die Salzgitter Flachstahl GmbH (SZFG) hat mit der Erzeugungssparte von Octopus Energy einen Stromabnahmevertrag (Power Purchase Agreement, PPA) geschlossen. Das Unternehm...

Brandenburg CO2 Dekarbonisierung Deutschland Emissionen Energie Energiewende Energiewirtschaft Ergebnis EU Flachstahl Fonds Gesellschaft Handel Industrie ING Partnerschaft Produktion Salzgitter AG Salzgitter Flachstahl GmbH Spanien Stahl Unternehmen Wasserstoff Wirtschaft
Mehr erfahren
Dirk Held, neuer Leiter des Geschäftsbereichs Stahl bei der Nordwest Handel AG
21.02.2024

Nordwest: Neuer Leiter für Geschäftsbereich Stahl

Die Nordwest Handel AG hat den Geschäftsbereich Stahl neu aufgestellt. Dirk Held wurde zum neuen Bereichsleiter ernannt. Damit fokussiert sich das Unternehmen auf den wei...

Aluminium Bund Edelstahl Essen EU Handel ING Kemper Nordwest Handel AG Rohre Stahl Stahlhandel Stahlrohre Strategie Unternehmen Vertrieb
Mehr erfahren
Cogne Acciai Speciali ist im Bereich Edelstahlprodukte aktiv.
20.02.2024

Salzgitter AG verkauft Mannesmann Stainless Tubes

Der Salzgitter-Konzern hat die Mannesmann Stainless Tubes-Gruppe (MST) dem Best-Owner Prinzip folgend an die italienische Cogne Acciai Speciali für 135 Mio. Euro verkauft...

Anlagen Anlagenbau Automobil Bund Deutschland Edelstahl Energie Energiewirtschaft Entwicklung EU Frankreich Gesellschaft Industrie ING Italien Legierungen Maschinenbau Produktion Rohre Stahl Strategie Technik Tube Unternehmen USA Verkauf Werkstoff Werkstoffe Wirtschaft
Mehr erfahren
Ein 3D-Bild der Zwischenkühlung von Primetals Technologies für Hyundai Steel.
20.02.2024

Hyundai Steel bestellt Kühlung für Walzstraße

Primetals Technologies hat von Hyundai Steel den Auftrag erhalten, im Werk in Dangjin, Südkorea, eine neue Zwischenkühlung (Intermediate Cooling, IC) in der Grobblechwalz...

ABB Anlagen Automatisierung Automobil Baustahl Bauwesen Blech Bleche Coils Edelstahl Elektrolichtbogenofen EU Grobblech Hochofen Inbetriebnahme Industrie ING Lichtbogenofen Lieferung Offshore Primetals Produktion Profile Schulung Stahl Stahlblech Stahlguss Stahlproduktion Stahlunternehmen Steuerung Strategie Unternehmen Walzen Walzstraße Walzwerk
Mehr erfahren
Fabian Seus, Leiter Competence Center Arbeitsmarkt, fordert Maßnahmen zum Erhalt der Beschäftigung.
16.02.2024

VDMA: Fachkräftemangel so stark wie nie zuvor

Laut VDMA waren 45 Prozent der Unternehmen vom Fachkräftemangel betroffen. Es fehlten allerdings nicht nur Fachkräfte, sondern Arbeitskräfte insgesamt. Laut Verband muss...

Anlagen Anlagenbau Bund Deutschland EU Industrie ING Kurzarbeit Lieferketten Maschinenbau TEMA Unternehmen
Mehr erfahren