Wirtschaft
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22.07.2026

Rohstahlproduktion in Deutschland erholt sich

Die Rohstahlproduktion in Deutschland hat sich im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum spürbar erholt. Mit insgesamt 18,6 Millionen Tonnen lag sie rund 9 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Von einer nachhaltigen Trendwende kann jedoch noch keine Rede sein: Auf das Gesamtjahr hochgerechnet läge die Rohstahlproduktion mit rund 37 Millionen Tonnen weiterhin unter der Marke von 40 Millionen Tonnen, die für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung erforderlich ist.

Schwerwiegender ist das weiterhin außergewöhnlich niedrige Niveau der Stahlnachfrage in Deutschland: Die Hauptkundenbranchen Bauwirtschaft, Maschinen- und Anlagenbau sowie Automobilindustrie entwickelten sich im bisherigen Jahresverlauf nur schwach.

  „Die Produktionszahlen gehen aufwärts, echte Erholung beginnt aber erst, wenn auch die reale Stahlnachfrage zurückkehrt“, erklärt Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

„Die steigende Produktion darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Stahlindustrie weiterhin in einer schwierigen Lage befindet. Die Zuwächse sind vor allem Ausdruck einer technischen Gegenbewegung, etwa durch wieder aufzufüllende Lagerbestände. Beunruhigender Fakt ist: Die Nachfrage aus unseren wichtigsten Kundenbranchen bleibt weiterhin viel zu schwach.“  

Neben der schwachen Nachfrage im ersten Halbjahr 2026 war auch der Importdruck auf den EU-Stahlmarkt massiv. Umso wichtiger ist das zum 1. Juli in Kraft getretene EU-Handelsschutzinstrument für Stahl. Es sieht länder- und produktspezifische Zollkontingente vor, bei deren Überschreiten ein Zusatzzoll von 50 Prozent greift.

„Das Handelsschutzinstrument ist für den Stahlstandort Deutschland und Europa unverzichtbar“, betont Rippel. „Es sorgt dafür, dass sich eine künftige Erholung der Nachfrage auch tatsächlich in einer höheren Kapazitätsauslastung der Stahlunternehmen in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten niederschlagen kann“, so die Verbandschefin.

Um eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung einzuleiten, sind allerdings zusätzliche Nachfrageimpulse notwendig:
„Jetzt müssen die angekündigten Investitionen – etwa im Rahmen des Gesetzes zur Errichtung eines Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität (SVIKG) – möglichst schnell in der Wirtschaft ankommen.

Daraus kann ein entscheidender Konjunkturimpuls erwachsen. Voraussetzung ist, dass die Mittel zügig in konkrete Projekte fließen, die so ausgestaltet werden, dass industrielle Wertschöpfung, Resilienz und Klimaneutralität in Deutschland und der EU gestärkt werden.“

Ein zentraler Hebel sei dabei die öffentliche Beschaffung.

„Wer Steuermittel in Milliardenhöhe investiert, darf nicht allein den günstigsten Anbieter aus Fernost im Blick haben“, so Rippel.

Das Vergaberecht müsse von Brüssel und Berlin so ausgestaltet werden, dass neben dem Preis auch Nachhaltigkeit, Versorgungssicherheit und lokale industrielle Wertschöpfung berücksichtigt werden. Öffentliche Infrastrukturinvestitionen könnten zudem entscheidend sein, um Leitmärkte für emissionsarme Grundstoffe zu schaffen.

„Ein verbindliches Made-in-EU-Kriterium ist dafür von zentraler Bedeutung“, erläutert Rippel.

Neben der Stärkung der Nachfrage bleibt die Schaffung wettbewerbsfähiger Standortbedingungen entscheidend.

„Konjunkturimpulse sind wesentlich, reichen aber allein nicht aus, um industrielle Produktion am Standort Deutschland zu halten“, betont Rippel.

„Gerade die anhaltend hohen Energiekosten belasten die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Stahlindustrie erheblich. Deshalb brauchen wir einen verlässlichen Strompreis für die Industrie von 50 Euro pro Megawattstunde ‚all in‘ – also inklusive Netzentgelten, Steuern und Umlagen. Klar ist, dass Netzentgeltzuschuss, Strompreiskompensation und Industriestrompreis vollständig erhalten, verstetigt und miteinander kombinierbar weiterentwickelt werden müssen.“  

Eine detaillierte Übersicht über die konjunkturelle Entwicklung der Stahlindustrie in Deutschland im zweiten Quartal 2026 liefert der aktuelle Bericht zur Stahlkonjunktur in Deutschland.

(Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)

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