Trendthema
Am 2. Juli unterzeichneten Vertreter der Badische Stahlwerke GmbH (BSW), der Badischen Stahl Engineering GmbH (BSE), der RWTH Aachen, des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) und des Projektträgers Jülich bei den BSW ein Forschungsprojekt für den flexiblen Einsatz von Wasserstoff in Elektrostahlwerken. V.l.n.r.: Andreas Volkert (Technischer Geschäftsführer BSW), Sebastian Baumgartner (Geschäftsführer BSE), Professor Christian Wuppermann (Institutsleiter RWTH Aachen), Florian Glück (Kaufmännischer Geschäftsführer BSW), Matthias Breithaupt (Betriebschef Stahlwerk) - Photo: Badische Stahlwerke/Michael Bode
04.07.2024

Badische Stahlwerke starten Forschungsprojekt

Die Badische Stahlwerke GmbH (BSW) startet zusammen mit der Badische Stahl-Engineering GmbH (BSE) und der RWTH Aachen ein Forschungsprojekt. Ziel ist die Entwicklung einer neuen Brennertechnologie für den Wasserstoffeinsatz in Elektrostahlwerken. Damit möchten die Badischen Stahlwerke nicht nur ihre eigenen CO2-Emissionen noch weiter senken, sondern auch einen Beitrag zur Dekarbonisierung der gesamten Stahlbranche leisten.

Das Projekt soll über drei Jahre laufen und wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Am 2. Juli trafen sich Vertreter der drei Projektpartner sowie des Ministeriums und des Projektträgers Jülich bei den Badischen Stahlwerken, um den Forschungsvertrag zu unterzeichnen.

Die Badischen Stahlwerke haben sich ein ambitioniertes Ziel gesetzt: Bis 2045 wollen sie klimaneutral sein. Eine wichtige Basis dafür haben sie bereits geschaffen, denn durch die strombasierte Stahlproduktion erzeugt das Unternehmen aus Kehl schon heute rund 80 Prozent weniger Kohlendioxid als klassische Stahlwerke mit Hochofen. Die BSW gelten als eines der energetisch effizientesten Stahlwerke Europas.

Doch die Stahlproduktion ist und bleibt energieintensiv. Auf dem Weg zur vollständigen Klimaneutralität sind die BSW daher auf den Einsatz von klimaneutralen Energien wie grünem Strom, aber auch grünem Wasserstoff angewiesen. Denn auch in einem Elektrostahlwerk gibt es Prozesse, bei denen Erdgas nicht einfach durch Strom ersetzt werden kann. Das Vorwärmen der Pfannen etwa, in denen der geschmolzene Stahl vom Schmelzofen zur weiteren Verarbeitung und schließlich zur Gießanlage transportiert wird, ist nur unter Einsatz von gasförmigen Brennstoffen möglich. Für den künftigen Einsatz von Wasserstoff allerdings sind die heutigen Erdgas-Brenner nicht ausgelegt.

Vorbereitung für künftigen Einsatz von Wasserstoff

Um sich für die Zukunft zu rüsten, starten die BSW jetzt gemeinsam mit der BSE und der RWTH Aachen ein Forschungsprojekt zur Entwicklung einer neuen Brennertechnologie, die es ermöglichen soll, Wasserstoff und alternativ auch Ammoniak – eine Verbindung aus Wasserstoff und Stickstoff – flexibel als Brennstoffe zu nutzen. Damit möchten die BSW den Einsatz von Erdgas künftig reduzieren oder gar vollständig vermeiden und so den Kohlendioxid-Ausstoß beim Betrieb der Pfannen erheblich senken.

„Wasserstoff ist als klimaneutraler Brennstoff von zentraler Bedeutung zur Vermeidung von CO2-Emissionen in der Beheizung unserer Prozesse“, erläutert BSWGeschäftsführer Andreas Volkert. „Doch aufgrund der Versorgungssituation ist es möglich, dass wasserstoffbasierte Brennstoffe zunächst nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und daher anfangs dem Erdgas zugemischt werden müssen. Die wechselnde Verfügbarkeit erfordert flexible Brennersysteme, die mit unterschiedlichen Brenngasmischungen umgehen können, ohne dass dies die Effizienz und Sicherheit der Anlage beeinträchtigt.“

Neue Technologie als Wegbereiter für grünen Stahl

Entwickelt wird das neue, flexible Brennersystem von der BSE, einem weltweit agierenden Anlagenbauer für die Elektrostahlindustrie und Schwestergesellschaft der Badischen Stahlwerke. Bei den BSW soll die neue Technologie dann an einer Versuchsanlage getestet und optimiert werden. Zwei renommierte Forschungsinstitute der RWTH Aachen, nämlich das Institut für Industrieofenbau und Wärmetechnik (IOB) sowie der Lehrstuhl für Keramik am Institut für Gesteinshüttenkunde (GHI), werden den Entwicklungs- und Optimierungsprozess mit computergestützten Simulationen und praktischen Tests unterstützen.

„Die zu entwickelnde Brennertechnologie ist ein Wegbereiter für die Transformation zur Produktion von grünem Stahl“, sagt IOB-Institutsleiter Professor Wuppermann von der RWTH Aachen. „Sie garantiert nicht nur einen effizienten und schadstoffarmen Betrieb bei der vollständigen Umstellung auf Wasserstoff oder Ammoniak, sondern bietet auch auf dem Weg dorthin, wenn die Verfügbarkeit beider Gase zunächst noch begrenzt ist, große Vorteile. Denn Wasserstoff oder Ammoniak können bei dem System flexibel fossilen Brennstoffen beigemischt werden, ohne dass Anpassungen an den Anlagen nötig sein werden.“

Beitrag zur Dekarbonisierung der Stahlbranche

Sebastian Baumgartner, Geschäftsführer der Badische Stahl-Engineering GmbH, ergänzt: „Das Forschungsprojekt hat nicht nur das Potenzial, die CO2-Emissionen der Pfannenfeuer-Systeme der Badischen Stahlwerke durch den flexiblen Einsatz von wasserstoffbasierten Brennstoffen erheblich zu reduzieren. Die neue Technologie könnte auch auf das gesamte Elektrostahlwerk – beispielsweise den Schmelzofen – übertragen und über die BSE als internationalem Anlagenbauer auch für die gesamteBeitrag zur Dekarbonisierung der Stahlbranche Stahlindustrie weltweit verfügbar gemacht werden. Die Technologie kann damit einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der gesamten Stahlbranche leisten!“

Das Forschungsprojekt, das über drei Jahre laufen soll, wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) mit 2,3 Millionen Euro gefördert. Der Forschungsvertrag wurde am 2. Juli von allen Beteiligten bei den Badischen Stahlwerken unterzeichnet.

(Quelle: Badische Stahlwerke GmbH)

Schlagworte

AnlagenAnlagenbauAnpassungBMWBrennerBSWBundCO2CO2-EmissionenDekarbonisierungElektrostahlwerkEmissionenEnergieEntwicklungErdgasEUForschungForschungsprojektGesellschaftHochofenIMUIndustrieINGKlimaKlimaschutzLehrstuhlOptimierungProduktionRWTHRWTH AachenStahlStahlindustrieStahlproduktionStahlwerkTechnikTransformationTransportUnternehmenUSAWasserstoffWasserstoffbasiertWirtschaftWuppermann

Verwandte Artikel

17.02.2026

Stahl Krebs wird Vertriebspartner von Alleima

Der Solinger Stahlhändler nimmt die Premium-Messerstähle des schwedischen Herstellers in sein Sortiment auf

Deutschland Distribution Edelstahl EU IBU Industrie ING Legierungen Lieferung Logistik Messe Nachhaltigkeit Partnerschaft Produktion Schmieden Service Spezialstahl Stahl Stahlherstellung Stahlproduktion Unternehmen USA Vertrieb Zertifikat Zusammenarbeit
Mehr erfahren
17.02.2026

Klöckner & Co SE empfiehlt Annahme des Übernahmeangebotes von Worthington Steel

Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Klöckner & Co SE haben am 13. Februar 2026  ihre gemeinsame begründete Stellungnahme zum freiwilligen öffentlichen Übernahmeangebot...

Anlagen Aufsichtsrat Entwicklung Essen EU Finanzierung Gesellschaft Goldman Sachs HZ Inc. ING Kartellrecht Messe Nordamerika Partnerschaft Presse Refinanzierung Service Strategie Swoctem Übernahme Unternehmen USA Vereinbarung Verkauf Vorstand Wirtschaft
Mehr erfahren
Brammen im Werk in Tornio
16.02.2026

Outokumpu: Geschäftsbereich Europa schwächelt

Für Outokumpu endete das Geschäftsjahr schwach, geprägt von Gegenwind im Geschäftsbereich Europa. Das bereinigte EBITDA im Zeitraum Januar–Dezember 2025 betrug 167 Mio. €...

ABB Beizlinie Chrom Dekarbonisierung Deutschland Edelstahl Einsparung Ergebnis EU Finnland Geschäftsjahr Handel IBU ING Investition Krefeld Kreislaufwirtschaft Legierungen Lieferung Machbarkeitsstudie Nachhaltigkeit Optimierung Produktion Restrukturierung Rohstoffe Schweden Stahl Stahlwerk Strategie Studie Unternehmen USA Verkauf Werkstoff Werkstoffe Wettbewerb Wirtschaft Zahlen
Mehr erfahren
Steven Endress (links) wird neuer Präsident des Endress+Hauser Verwaltungsrats und folgt damit auf Matthias Altendorf (rechts). Sandra Genge (Zweite von links) ist zur stellvertretenden Vorsitzenden des Familienrats ernannt worden. Sie soll die Nachfolge von Dr. h. c. Klaus Endress (Zweiter von rechts) antreten, der angekündigt hat, 2027 als Vorsitzender zurückzutreten.
13.02.2026

Wechsel im Endress+Hauser Verwaltungsrat

Der Generationswechsel in der Endress+Hauser Gruppe setzt sich fort. Nun wird es auch an der Spitze des Verwaltungsrats zu einem Wechsel kommen.

Ausbildung Automatisierung Bund Entwicklung Essen EU Generalversammlung Gesellschaft HZ Industrie ING Karriere Schweiz Software Technik Unternehmen USA Verwaltungsrat Weiterbildung Wirtschaft Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Dr. Christian Morawetz, Chief Operating Officer (COO) bei der RATH AG
13.02.2026

Veränderung im Vorstand der Rath AG

Zum 1. Januar 2026 hat Dr. Christian Morawetz (45) die Position des Chief Operating Officer (COO) übernommen.

Aufsichtsrat Automation Dekarbonisierung Energie Energieeffizienz Entwicklung EU Feuerfest Forschung Fraunhofer Industrie ING Innovation Marktbedingungen Produktion Rath AG Schienen Stahl Stahlindustrie Temperatur Transformation Unternehmen Vorstand Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren