Unternehmen
Photo: Endress+Hauser Group Services AG
06.04.2023

Mit starker Bilanz ins Jubiläumsjahr

2022 neue Höchstwerte bei Auftragseingang, Umsatz und Beschäftigung erreicht

2022 war für Endress+Hauser weltweit von starkem Wachstum geprägt. Trotz angespannter Beschaffungs- und Logistikketten hat der Spezialist für Mess- und Automatisierungstechnik so viele Sensoren ausgeliefert wie noch nie. Auftragseingang, Umsatz und Beschäftigung erreichten Höchstwerte, der Gewinn sank wegen eines negativen Finanzergebnisses. Das Unternehmen, das 2023 den 70. Geburtstag feiert, zeigt sich für das laufende Jahr weiter zuversichtlich.
 
Russlands Angriff auf die Ukraine hatte zu Beginn des vergangenen Jahres die Aussichten verdüstert. Drohender Energiemangel in Europa, hohe Inflation und steigende Leitzinsen in vielen Ländern, weiter angespannte Liefer- und Logistikketten sowie immer neue Corona-Lockdowns in China:
 
„Selten war unser Umfeld von so vielen Herausforderungen geprägt wie 2022“, sagte CEO Matthias Altendorf auf der Bilanzpressekonferenz in Basel. „Doch unser Geschäft hat sich das ganze Jahr über stabil entwickelt.“
 
Der Nettoumsatz der Firmengruppe stieg um 16,4 Prozent auf 3,351 Milliarden Euro. Das organische Wachstum – ohne Währungseinflüsse – bezifferte CFO Dr. Luc Schultheiss mit 11,6 Prozent. Das Unternehmen lieferte weltweit mehr als 2,9 Millionen Messgeräte mit hoher Termintreue aus.
 
„Endress+Hauser hat über Jahre leistungsfähige Produktions- und Logistiknetzwerke aufgebaut; mit unseren Lieferanten pflegen wir langfristige Beziehungen“, betonte Matthias Altendorf.
 
Alle Branchen und Regionen trugen zum guten Wachstum bei. In Amerika und Asien entwickelten sich die Verkäufe dynamisch, in Europa und Nahost stark, nur in Afrika ging das Geschäft zurück. China behauptete sich als umsatzstärkster Markt vor den USA, beide inzwischen mit deutlichem Abstand zu Deutschland, der Nummer drei. Die Prozessmesstechnik von Endress+Hauser und das Sensorgeschäft der Gruppenfirma Innovative Sensor Technology IST entwickelten sich kräftig. Wie erwartet, ging nach Ende der Pandemie die Nachfrage nach Laborinstrumentierung von Analytik Jena etwas zurück.
 
240,5 Millionen Euro investierte Endress+Hauser in neue Gebäude und Anlagen – 24,7 Prozent mehr als 2021. In fünf Jahren floss damit über eine Milliarde Euro in eine bessere Infrastruktur. „Mit diesen Investitionen bereiten wir den Boden für künftiges Wachstum“, sagte der CEO. Derzeit sind Vorhaben im Umfang von 500 Millionen Euro in der Umsetzung. Die vier größten Projekte betreffen die Standorte Maulburg (Deutschland), Suzhou (China), Jena (Deutschland) und Greenwood (Indiana/USA).
 
„Produktinnovationen sind ein Treiber unseres Wachstums“, sagte Matthias Altendorf. 2022 brachte Endress+Hauser 43 Produkte neu auf den Markt. 242,4 Millionen Euro, rund 7,2 Prozent des Umsatzes, wandte die Firmengruppe für Forschung und Entwicklung auf, 13,6 Prozent mehr als im Vorjahr. 235 Erstanmeldungen bei Patentämtern in aller Welt zeugen von der Innovationskraft der Firmengruppe.
 
Den Rückblick trübt die Schließung des russischen Vertriebs als Folge der Sanktionen nach dem Angriff auf die Ukraine. Ein Ausfuhrverbot für Messtechnik entzog dem Russland-Geschäft die Grundlage. 170 Arbeitsplätze gingen verloren. Zum Jahresende zählte das Familienunternehmen weltweit 15.817 Mitarbeitende – ein Plus von 700 Stellen. Auch neue Ausbildungsplätze wurden geschaffen. Fünf Prozent aller Stellen sollen künftig für Praktikanten, Lernende, Studierende und Trainees reserviert sein.
 
Währungseinflüsse und Preiserhöhungen beflügelten den Umsatz der Firmengruppe, belasteten aber das Ergebnis. Weil der betriebliche Aufwand stärker stieg als der Umsatz, wuchs das Betriebsergebnis lediglich um 9,1 Prozent auf 473,7 Millionen Euro. Endress+Hauser erreichte damit eine operative Marge von 14,1 Prozent – ein Prozentpunkt weniger als im Vorjahr, „aber ein sehr respektabler Wert“, so Finanzchef Luc Schultheiss.
 
Gestiegene Kosten für die Währungsabsicherung und vor allem hohe Verluste aus den Finanzanlagen resultierten in einem stark negativen Finanzergebnis. Das Ergebnis vor Steuern ging um 12,0 Prozent auf 408,1 Millionen Euro zurück. Eine Steuerquote von 25,6 Prozent (plus 2,5 Punkte) ließ das Ergebnis nach Steuern um 14,9 Prozent auf 303,5 Millionen Euro sinken. Finanziell steht das Familienunternehmen dennoch solide da: 2022 erreichte die Eigenkapitalquote 80,2 Prozent, 1,1 Punkte mehr als im Vorjahr; die Firmengruppe ist praktisch schuldenfrei.
 
Mit 76 von 100 Punkten belegte Endress+Hauser 2022 erneut eine Spitzenposition im EcoVadis Nachhaltigkeits-Benchmark und platzierte sich im obersten Prozent der Vergleichsgruppe. Die Firmengruppe ermittelte als Grundlage für eine Klimastrategie den CO2-Fußabdruck entlang der Wertschöpfungskette. Inzwischen trat Endress+Hauser der Science Based Targets Initiative bei mit dem Ziel, bis 2050 die Emissionen auf netto-null zu senken.
 
Das Denken in Generationen zeigt sich auch in der Nachfolgeplanung. Wenn Dr. h. c. Klaus Endress Ende 2023 altershalber als Präsident des Verwaltungsrats aufhört, wird ihm CEO Matthias Altendorf nachfolgen. Chef der Firmengruppe wird Dr. Peter Selders, der das Kompetenzzentrum für Füllstands- und Druckmesstechnik leitet. Als zweiter Vertreter der Familie wird Steven Endress im Verwaltungsrat Platz nehmen, derzeit noch Geschäftsführer in Großbritannien.
 
„Gesellschafter, Familie und Verwaltungsrat haben alle diese Entscheidungen in bestem Einvernehmen getroffen“, erklärte Klaus Endress.
 
Weil der Auftragseingang 2022 noch einmal 8 Prozentpunkte stärker wuchs als der Umsatz, konnte Endress+Hauser mit einem hohen Bestand an Bestellungen ins laufende Jahr starten. Auch im ersten Quartal 2023 entwickelte sich der Auftragseingang positiv. Die Firmengruppe erwartet zwar, dass sich die Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte abschwächen wird, rechnet aber auch für 2023 mit zweistelligem Wachstum. Daran geknüpft ist der Aufbau von weltweit 500 Arbeitsplätzen.
 
Verwaltungsratspräsident Klaus Endress ist überzeugt, dass der Messtechnik-Spezialist in einem zukunftsträchtigen Feld tätig ist. Dekarbonisierung und Digitalisierung sorgten für zusätzliche Impulse. Im Jubiläumsjahr lädt Endress+Hauser mehr als 1.000 Kunden, Partner und Fachleute nach Basel ein, um über den nachhaltigen Umbau der verfahrenstechnischen Industrie zu diskutieren.
 
Matthias Altendorf meinte: „Wir haben 70 Jahre lang alles dafür getan, eine gute Zukunft zu haben – und das werden wir auch weiter tun.“
 
(Quelle: Endress+Hauser Group Services AG)
 
 

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