Trendthema
Computergrafik der künftigen DRI- und REF-Anlagen - (Photo: Tata Steel Nederland)
30.08.2022

65 Millionen Euro in die nächste Phase der Wasserstoffroute investiert

Tata Steel Nederland hat Verträge mit drei Unternehmen - McDermott, Danieli und Hatch - für die weiteren technischen Vorbereitungen der Wasserstoffroute in IJmuiden in den Niederlanden unterzeichnet. Tata Steel möchte so schnell wie möglich auf die Herstellung von grünem Stahl in einer umweltfreundlichen Produktionsstätte umsteigen.

Alle drei Unternehmen haben ihr eigenes spezifisches Fachwissen, das gemeinsam benötigt wird, um Tata Steel bei der Gestaltung und Umsetzung der wasserstoffbasierten Stahlherstellung zu unterstützen. Die Kosten für diesen ersten Entwicklungsschritt belaufen sich auf über 65 Millionen Euro und werden zu einem Engineering-Paket führen, das die Grundlage für eine endgültige Genehmigung und Projektplanung bildet. Das Gesamtprojekt wird vom internen Projekt- und Nachhaltigkeitsteam von Tata Steel geleitet, mit enger Unterstützung der wichtigsten Lieferpartner. McDermott ist für den bautechnischen Teil und die Unterstützung des technischen Projektmanagements verantwortlich. Danieli ist verantwortlich für die technische Planung der Anlage und der Technologie, die das direktreduzierte Eisen (DRI) liefert, den ersten Schritt im Eisenerzeugungsprozess. Hatch ist der Technologielizenzgeber für die Elektroöfen (REF), die das DRI einschmelzen und dazu beitragen, den Sauerstoffgehalt weiter zu reduzieren, wodurch die endgültige Stahlqualität verbessert wird. Die REF- und DRI-Anlage sind eng miteinander verbunden und bilden ein integriertes Produktionssystem.  

"Wir haben kürzlich mit zwei Ministerien und der Provinz Nordholland Vereinbarungen über unsere Zukunft unterzeichnet. Darin haben wir uns verpflichtet, bis 2045 CO2-neutral zu sein und bis 2030 zwischen 35 und 40 % weniger CO2 auszustoßen. Dies wird in erster Linie über die Wasserstoffroute erreicht, bei der die Hochöfen durch moderne saubere Stahlerzeugungstechnologie ersetzt werden, die Wasserstoff oder Gas anstelle von Kohle verwendet", erklärt Hans van den Berg, CEO von Tata Steel Nederland.

"Was wir tun, ist ein kompliziertes und einzigartiges Unterfangen", erklärt Annemarie Manger, Nachhaltigkeitsdirektorin von Tata Steel Nederland. "Die neuen Anlagen werden auf unserem Gelände gebaut, während alle bestehenden Anlagen in Betrieb bleiben, bis die neuen Anlagen in Betrieb sind. Das erfordert eine intensive Abstimmung zwischen den Anlagen und eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten und unseren Mitarbeitern. Die Kooperation, die jetzt mit McDermott, Danieli und Hatch gebildet wird, markiert den Beginn des Basic Engineering, um unsere Pläne zu konkretisieren."

Die Einführung von grünem Stahl ist die größte Veränderung in der mehr als 100-jährigen Geschichte des Unternehmens. Es ist ein technologischer Kraftakt mit vielen tiefgreifenden Folgen. Im vergangenen Jahr wurde in verschiedenen Bereichen hart gearbeitet, um diese Umstellung vorzubereiten. So hat Tata Steel beispielsweise mit dem nationalen Netzbetreiber TenneT eine Vereinbarung über einen direkten Anschluss an das nationale Stromnetz unterzeichnet, um in Zukunft grüne Energie nutzen zu können. Die Auslegung der neuen Anlagen und die physische Integration in die bestehenden Anlagen stellen eine besondere Herausforderung dar und haben starke Auswirkungen auf die Projektausführung, die gesamte Betriebslogistik und die Umweltauswirkungen.

Im Sommer haben wir eine erste Informationsveranstaltung organisiert, an der über 80 Unternehmen und Zulieferer teilnahmen. Diese Unternehmen sind in der Regel Teil des Tata Steel-Betriebs und übernehmen einen großen Teil der betrieblichen Instandhaltung an unserem Standort in IJmuiden. Die frühzeitige Information und Einbeziehung hilft ihnen, die Auswirkungen unseres Wandels besser einzuschätzen. Die Tata Steel Academy (das unternehmenseigene Ausbildungsinstitut) hat sich an die Arbeit gemacht, um zu ermitteln, welche Kompetenzen und Qualifikationen unsere Mitarbeiter benötigen, und entwickelt neue Schulungsmodule. Außerdem bereitet die Akademie den Unterricht für Schüler der weiterführenden Schulen in der Region vor, indem sie ein praktisches Modul zur Herstellung von Wasserstoff anbietet.  

Die DRI-Technologie (Direct Reduced Iron) ist eine relativ neue Produktionstechnologie, bei der Eisenerze nicht mit Kohle, sondern direkt mit Erdgas oder Wasserstoff reduziert werden. Die Reduktion von Eisenerzen findet in einer DRI-Anlage in einem Schachtreaktor bei einer relativ niedrigen Temperatur von bis zu etwa 1000 °C statt. Das reduzierte Eisen (Eisenschwamm) wird dann in einem Elektroofen (REF) zu flüssigem Roheisen weiterverarbeitet. Bei diesem Schritt wird eine exakte Menge an Kohlenstoff zugegeben, um ein sehr genau eingestelltes und hochwertiges Ausgangsmaterial für unser Stahlwerk zu schaffen.

Die DRI-REF-Technologie bietet mehrere Vorteile. Durch die Verwendung von Ökostrom und eines überwiegenden Anteils an Wasserstoff sind die CO2-Emissionen des Prozesses wesentlich geringer als bei der Verwendung von Hochöfen. Das neue Verfahren kann auch höhere Anteile an Recyclingstahl verarbeiten, indem Schrott den REFs oder den Induktionsöfen zugeführt wird.  Darüber hinaus bietet die Produktion mit der DRI-Technologie mehr betriebliche Flexibilität, ohne die hohe Qualität des Stahls zu beeinträchtigen, für den IJmuiden bereits bekannt ist.

(Quelle: Tata Steel)

 

 

Schlagworte

AnlagenAusbildungBundCO2CO2-EmissionenCO2-neutralDanieliDRI-AnlageEisenerzeEmissionenEnergieEntwicklungErdgasEUIJmuidenINGInstandhaltungKooperationLogistikNachhaltigkeitNiederlandeProduktionProjektmanagementRecyclingRoheisenSchmelzeSchmelzenSchrottSchulungStahlStahlerzeugungStahlherstellungStahlwerkTata SteelTemperaturUmweltUnternehmenUSAVeranstaltungVereinbarungWasserstoffWasserstoffbasiertZusammenarbeit

Verwandte Artikel

22.09.2022

Tibnor wird wichtiger Distributionspartner

SSAB wird 2026 damit beginnen, umweltfreundlichen Stahl in kommerziellen Mengen auf den Markt zu bringen.

BSW Entwicklung EU Gesellschaft IBU Industrie ING Lieferung Maschinenbau Modernisierung Schweden SSAB Stahl Stahlindustrie Strategie Transport Umwelt Unternehmen USA Verkauf Vertrieb Wasserstoff Wettbewerb Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Juan Carlos Valladares Eichelmann und Olaf Voss, CEO von thyssenkrupp Materials de Mexico
21.09.2022

34-Millionen-Euro-Investition in Mexiko

thyssenkrupp Materials Services setzt seine Erweiterung in Nordamerika fort und plant einen neuen Standort für den Geschäftsbereich Materials de Mexico in San Luis Potosí...

Aluminium Anarbeitung Automobil Bund Emissionen Entwicklung EU Gesellschaft Industrie ING Investition Lieferung Nachhaltigkeit Nordamerika Schuler Service Stahl Strategie Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Materials Services Transformation Unternehmen USA Werkstoff Wirtschaft Zulieferindustrie Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Barbara Smith, Vorstandsvorsitzende, Präsidentin und Chief Executive Officer
21.09.2022

Commercial Metals Company erwirbt Advanced Steel Recovery

Commercial Metals Company (NYSE: CMC) ("CMC") gab bekannt, dass es im Rahmen seiner strategischen Expansion im Westen der USA Advanced Steel Recovery, LLC (ASR), einen fü...

DSV EU Handel Industrie ING Produktion Recycling Schrott Stahl USA Walzwerk
Mehr erfahren
Das Thema Nachhaltigkeit wird mehr und mehr zum Geschäftsfaktor. „Wir erhalten inzwischen beinahe täglich Anfragen von unseren Kunden und Partnern zu unseren CSR-Aktivitäten“, sagt Gerd Gritsch, Corporate Director Quality bei Endress+Hauser. Er ergänzt: „Wir unterstützen unsere Kunden dabei, nachhaltig zu produzieren. Deshalb müssen wir bei unseren eigenen Geschäfts- und Produktionsprozessen mit gutem Beispiel vorangehen.“ Auch immer mehr Mitarbeitenden liegt das Thema CSR am Herzen. Beim Neubau eines Büro- und Produktionsgebäudes in Reinach setzte Endress+Hauser ganz auf Umwelt- und Klimaschutz. Hierbei flossen auch Vorschläge von Mitarbeitenden ein, die in einem Arbeitskreis regelmäßig nach neuen Ansätzen für mehr Nachhaltigkeit suchen. Dabei entstand unter anderem die Idee, auf dem Dach des Gebäudes zwei Bienenvölker anzusiedeln. Ein Hobby-Imker, der bei Endress+Hauser arbeitet, kümmert sich um die Tiere – und hat schon den ersten Honig geerntet.
20.09.2022

Platin für Nachhaltigkeit

Endress+Hauser hat im EcoVadis-Nachhaltigkeitsrating erneut 76 von 100 Punkten erzielt.

CO2 Entwicklung Ergebnis Essen EU ING Klima Klimaschutz Nachhaltigkeit Neubau Produktion Produktionsprozess Strategie Umwelt Unternehmen Zahlen
Mehr erfahren
20.09.2022

Zukünftige Verwendung industrieller Nebenprodukte

Bei der 11. European Slag Conference unter dem Titel "The Transformation of the steel industry and its effects on the slag value chain" stehen vom 4. bis 7. Oktober 2022...

ABB Australien Baustoffe Brasilien CO2 Dekarbonisierung Deutschland DSV Duisburg Entwicklung EU Forschung Gesellschaft Indien Industrie ING Japan Konferenz Neubau NRW Produktion Schlacke Strategie Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Steel Europe Transformation Unternehmen USA Wirtschaft Wirtschaftsminister
Mehr erfahren