Wirtschaft
Bernhard Osburg, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl - Foto: thyssenkrupp
21.05.2024

WV Stahl: Politische Maßnahmen müssen Mittelstand absichern

Der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Bernhard Osburg, betont beim Spitzengespräch auf Einladung der Ministerpräsidenten der Freistaaten Sachsen und Thüringen in der sächsischen Landesvertretung in Berlin:

„Die mittelständische Stahlindustrie in Deutschland steht vor existenziellen Herausforderungen. In der für uns alle kritischen Phase der Transformation brauchen wir jetzt dringend tatkräftige politische Maßnahmen – gerade auch um die Wettbewerbsfähigkeit unserer mittelständischen Stahlindustrie zu sichern.

Die drängenden Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, erfordern entschlossenes Handeln. Es braucht insbesondere eine Lösung für wettbewerbsfähige Strompreise und ganz akut eine Wiedereinführung des Zuschusses zur Stabilisierung der Übertragungsnetzentgelte."

Mittelständische Unternehmen produzieren Stahl ausschließlich über die stromintensive Elektrostahlroute. In Deutschland entfallen knapp 30 Prozent der Stahlproduktion auf dieses Verfahren, das eine Schlüsselrolle in der Kreislaufwirtschaft und im Klimaschutz einnimmt:

Hohe Energiekosten belasten die mittelständische Produktion

Beim Elektrostahl entstehen mit dem heutigen Strommix nur ein Viertel der CO2-Emissionen, die bei der konventionellen Hochofenroute anfallen. Allerdings stehen die Elektrostahlhersteller gegenwärtig vor existenziellen Herausforderungen: Hohe Energiekosten im Vergleich zum internationalen Markt, unfaire Importe aufgrund globaler Überkapazitäten und einer schwächelnden Konjunktur in Deutschland.

Bei dem Spitzengespräch wurde ein Positionspapier der Wirtschaftsvereinigung Stahl vorgelegt, das die in der Januar-Resolution der Stahlallianz genannten Handlungsfelder verstärkt und die derzeit dringendsten politischen Maßnahmen ausformuliert, die notwendig sind, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit dieser Produktionsroute zu erhalten und ihre Transformation zu flankieren:

  • Entlastungen bei den Stromkosten, insbesondere bei den seit Jahresbeginn massiv gestiegenen Übertragungsnetzentgelten.
  • Sicherstellung des Zugangs zu grünem Strom durch den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien samt Infrastrukturen.
  • Anpassung der staatlichen Förderlandschaft, um transformative Investitionen zu unterstützen.
  • Bereitstellung einer Wasserstoffinfrastruktur für die Klimaneutralität der Elektrostahlroute.
  • Sicherstellung der Verfügbarkeit von Stahlschrott in erforderlicher Qualität.

Die Elektrostahlindustrie ist nicht nur ein wichtiger Arbeitgeber, sondern auch ein zentraler Baustein für die Dekarbonisierung der deutschen Stahlindustrie und trägt zur Resilienz der deutschen Wirtschaft bei.

Klimaneutraler Stahl bis 2045

Die Vision der Stahlindustrie in Deutschland ist es, so schnell wie möglich, spätestens im Jahr 2045, klimaneutralen Stahl zu produzieren. Auf diese Weise kann die Stahlindustrie, auf die heute rund ein Drittel der industriellen Emissionen Deutschlands entfällt, entscheidend zum Erreichen der Klimaziele beitragen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhalten. Wesentlicher Teil dieser Vision ist, den Stahlstandort Deutschland in seiner
Vielfalt und Breite zu erhalten - wettbewerbsfähige Stromkosten sind dafür der unentbehrliche Schlüssel.

Im Januar 2024 hatten die Länder der Stahlallianz in Berlin eine Resolution verabschiedet, in der sie die Bundesregierung dazu aufrufen, auf faire Wettbewerbsbedingungen für die heimische Stahlindustrie hinzuwirken. 
Der Stahlallianz gehören die elf Bundesländer mit Stahlstandorten an: Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

(Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)

Schlagworte

AnpassungBerlinBrandenburgBremenBundCO2CO2-EmissionenDekarbonisierungDeutschlandEmissionenEnergieEUHandelHochofenIndustrieINGInvestitionKIKlimaKlimaneutraler StahlKlimaschutzKlimazielKlimazieleKreislaufwirtschaftNiedersachsenPolitikProduktionSaarlandSachsenSchrottStahlStahlindustrieStahlproduktionTransformationUnternehmenWasserstoffWettbewerbWirtschaft

Verwandte Artikel

Juliusburg/Krukow
29.05.2026

SSAB liefert CO2-armen Stahl für Solarpark in Norddeutschland

Beim neuen Freiflächen-Solarpark Juliusburg/Krukow in Schleswig-Holstein achtet Betreiber Vattenfall auf ein klimafreundliche Bauweise

Deutschland Emissionen Energie Energiewende EU Gesellschaft Klima Konstruktion Profile Schrott SSAB Stahl Unternehmen Vattenfall
Mehr erfahren
Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl
28.05.2026

Sondernetzentgelte: Industrielle Realität berücksichtigen, atypische Netznutzung fortsetzen

Bundesnetzagentur legt Vorschlag zur künftigen Ausgestaltung von Netzentgeltermäßigungen vor.

Bund Energie Energiewende EU Industrie ING Kabel Produktion Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion TEMA Unternehmen USA Wettbewerb Wirtschaft Wirtschaftsvereinigung
Mehr erfahren
Von links nach rechts: Klaus Neumann, Hans-Otto Weber, Fred Neumann, Georg Früh, Martin Kopf, Marco Göllrich.
28.05.2026

Innovations- und Nachhaltigkeitspreis Feuerverzinken 2026

Im Rahmen des Branchenevents Feuerverzinken am 21. Mai im Berliner Futurium hat der Bundesverband Feuerverzinken herausragende Entwicklungen mit dem Innovations- und Nach...

Berlin Bund Emissionen Entwicklung EU IBU ING Innovationspreis Konstruktion Kran Kreislaufwirtschaft Mining Nachhaltigkeit Produktion Stahl Stahlbau Unternehmen USA Verzinken Wirtschaft Zink
Mehr erfahren
Grafische Darstellung des zukünftigen Elektrostahlwerks
27.05.2026

SSAB setzt Bauarbeiten am neuen Elektrostahlwerk fort

Nach Abschluss der Analyse für Ursachen der Krankheitssymptome wurde der Baustopp in Luleå aufgehoben

Arbeitsschutz Ergebnis Essen EU ING Kran Messe Messung Produktion Stahl Stahlwerk Transformation Umzug USA Zusammenarbeit
Mehr erfahren
: Geschäftsführer Klaus Bökels und das Team Ausbildung der BIBUS METALS GmbH in Berlin auf dem Weg zur Preisverleihung des DIHK Bildungspreises.
27.05.2026

Bibus Metals GmbH: Nominiertes Ausbildungskonzept

Das Ausbildungskonzept „Ausbilden mit Herz“ der Bibus Metals GmbH wurde für den DIHK‑Bildungspreis nominiert.

Ausbildung Auszeichnung Berlin Bund Deutschland E-Commerce Entwicklung Ergebnis EU IBU IHK KI Schweiz Seminar Technik Unternehmen USA Veranstaltung
Mehr erfahren