Statement
Gunnar Groebler, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl - Photo: Wirtschaftsvereinigung Stahl
24.11.2025

2. Mittelständischer Stahlgipfel: WV Stahl legt Maßnahmenpaket vor

Beim Spitzengespräch am 21. November 2025 mit mittelständischen Mitgliedsunternehmen der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Berlin hat die Branche vor akuten Wettbewerbsnachteilen gewarnt und schnell wirksame politische Entscheidungen gefordert.

Neben dem Verband und der IG Metall waren Unternehmensvertreterinnen und -vertreter von den Ministerpräsidenten der Freistaaten Bayern, Sachsen, Thüringen und des Landes Niedersachsen in die Sächsische Landesvertretung nach Berlin eingeladen worden, um einen spezifischen Blick auf die Herausforderungen der Elektrostahlroute zu werfen – und, um den Umsetzungsstand der auf dem Kanzler-Stahlgipfel am 6. November 2025 gemachten Zusagen zu prüfen.

Dabei machte der Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Gunnar Groebler, deutlich:
„Elektrostahlwerke sind das Rückgrat der Kreislaufwirtschaft und zentrale Treiber der industriellen Dekarbonisierung. Gleichzeitig kämpfen sie mit international nicht wettbewerbsfähigen Stromkosten, massivem Importdruck und einer historisch schwachen Nachfrage. Ohne klare politische Antworten stehen Investitionen, Standorte und zehntausende Arbeitsplätze auf dem Spiel.“

Die Elektrostahlindustrie steht für rund 30 Prozent der Stahlproduktion und 32.000 direkte Arbeitsplätze in Deutschland. Wie die Stahlindustrie insgesamt muss sie zur Erreichung der Klimaziele erhebliche Investitionen in neue Technologien stemmen und sieht sich dabei mit zentralen Belastungen konfrontiert:
– zu hohe Stromkosten und steigende Netzentgelte,
– ein Rückgang der Produktion auf ein historisches Tief,
– unsichere Verfügbarkeit hochwertigen Stahlschrotts
– zunehmender Importdruck infolge globaler Überkapazitäten

Um gegenzusteuern, fordert die Branche in einem aktuellen Positionspapier ein entschlossenes politisches Maßnahmenpaket mit vier zentralen Handlungsfeldern:

1. Wettbewerbsfähige Strompreise sichern
Das Ziel muss ein Strompreis für die Industrie von 30 bis 60 Euro pro Megawattstunde „all in“ sein – also inklusive Netzentgelten sowie sämtlicher Abgaben und Umlagen. Die Senkung der Übertragungsnetzentgelte im kommenden Jahr ist ein wichtiger und überfälliger Schritt, der allerdings auch für die Folgejahre verlässlich abgesichert werden muss. Dass sich die Bundesregierung – wie beim Stahldialog angekündigt – für eine Vertiefung der CO2-Strompreiskompensation einsetzt, ist ebenfalls von fundamentaler Bedeutung. Jetzt ist die EU-Kommission gefordert, dieses Instrument entsprechend weiterzuentwickeln. Um einen tatsächlich international wettbewerbsfähigen Strompreis für besonders energieintensive Unternehmen wie die Elektrostahlwerke zu erreichen, muss zudem der Beihilferahmen überarbeitet werden: Ein wirksamer Industriestrompreis muss für den gesamten Stromverbrauch gelten und uneingeschränkt mit der CO2-Strompreiskompensation kombinierbar sein.

2. Fairen Handel und wirksamen CO₂-Grenzausgleich gewährleisten
Die Bundesregierung muss sich jetzt aktiv in Brüssel für die Vorschläge der EU-Kommission für ein neues handelspolitisches Instrument im Stahlbereich einsetzen. Zudem muss sie auf eine Lückenschließung beim Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) drängen: Also eine Exportlösung schaffen, den Schutz auf stahlintensive Produkte erweitern, Umgehungsstrategien verhindern sowie faire CBAM-Benchmarks einführen. Bis diese Lücken geschlossen sind, muss sich die Politik für den entsprechenden Erhalt der freien Zuteilung einsetzen.

3. Verfügbarkeit von hochwertigem Stahlschrott langfristig sichern
Notwendig sind strengere Überwachungen europäischer Schrottströme, die konsequente Anwendung bestehender EU-Instrumente, die Überarbeitung der Altfahrzeugrichtlinie sowie die Anerkennung von Stahlschrott als strategischem Sekundärrohstoff.

4. Heimische Produktion stärken und Leitmärkte für grünen Stahl schaffen
EU-Präferenz- und Nachhaltigkeitskriterien im Vergaberecht und Leitmärkte für klimafreundlichen Stahl sollen industrielle Resilienz und technologische Souveränität fördern.
Daten und Fakten zur Elektrostahlproduktion

Die Elektrostahlroute vermeidet bereits heute rund 10 Millionen Tonnen CO₂ jährlich, recycelt pro Jahr mehr als 10 Millionen Tonnen Stahlschrott und ist damit der emissionsärmste Weg der Rohstahlproduktion.

(Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)

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