Unternehmen
26.04.2024

EPCG erwirbt 20 Prozent am Stahlgeschäft von thyssenkrupp

Die EP Corporate Group des tschechischen Milliardärs Daniel Křetínský erwirbt 20 Prozent der Anteile am Stahlgeschäft von thyssenkrupp. Darauf haben sich die thyssenkrupp AG und die EP Corporate Group a.s. (EPCG) am 26. April 2024 geeinigt. Über die Konditionen der Transaktion haben die Parteien Stillschweigen vereinbart. Das Closing der Transaktion ist noch im laufenden Geschäftsjahr der thyssenkrupp AG geplant, vorbehaltlich einer etwaigen Zustimmung der zuständigen Behörden und des Aufsichtsrates der thyssenkrupp AG.

Darüber hinaus sprechen die Parteien über den Erwerb weiterer 30 Prozent der Anteile am Stahlgeschäft durch die EPCG. Ziel ist die Bildung eines gleichberechtigten 50/50-Joint Ventures.

Die strategische Partnerschaft mit EPCG, einem führenden europäischen Energieunternehmen, ist ein bedeutender Schritt zur Sicherung einer resilienten, kosteneffizienten und klimaschonenden Stahlproduktion von thyssenkrupp Steel – und damit auch ein wesentlicher Beitrag zur Sicherung der Stahlindustrie in Deutschland. Der Einstieg von EPCG vereinigt das führende Werkstoff-Knowhow von thyssenkrupp Steel Europe mit der Energieexpertise von EPCG.

„Unser Ziel ist ein Zukunftskonzept, das zu wirtschaftlicher Selbstständigkeit und unternehmerischem Erfolg von thyssenkrupp Steel führt, den Anforderungen des Klimaschutzes entspricht, betriebsbedingte Kündigungen vermeidet und eine breite Akzeptanz findet. Die Kooperation mit der EP CG verdeutlicht das Zutrauen beider Partner in die erfolgreiche Zukunft unseres Stahlbereiches“, sagte Miguel López, Vorstandsvorsitzender der thyssenkrupp AG.

EPCG erwerbe bewusst zum jetzigen Zeitpunkt und zu den aktuellen Marktbedingungen 20 Prozent des Stahlbereiches, um an der Gestaltung und Neuausrichtung von thyssenkrupp Steel aktiv mitzuwirken.

„Gemeinsam wollen wir ein leistungsstarkes, profitables und zukunftsorientiertes Stahlunternehmen schaffen, das die Kosten der Dekarbonisierung auf ein wettbewerbsfähigeres Niveau senkt und so die grüne Transformation der Stahlindustrie auf dem Weg zur CO2-Neutralität beschleunigt. Ein starker Energiepartner wie die EP Corporate Group ist dafür essenziell“, verdeutlichte López.

Daniel Křetínský, CEO und Mehrheitseigentümer der EP Corporate Group, sagte: „Die Vereinbarung über den Erwerb der 20-prozentigen Beteiligung an thyssenkrupp Steel Europe ist ein erster Schritt auf dem geplanten Weg zu einer umfassenderen strategischen Partnerschaft. EPCG hat die jüngsten dynamischen Marktbedingungen im Energiesektor erfolgreich gemeistert, ist finanziell stark aufgestellt, wächst und ist ein zuverlässiger Anbieter von Energie und Dienstleistungen für unsere Kunden.

Auf dieser Grundlage sind wir überzeugt, dass das Joint-Venture-Konzept mit thyssenkrupp Steel eine widerstandsfähigere Position sichern wird. Denn der gesamte europäische Stahlsektor wird eine ähnliche Transformation durchlaufen wie der Energiesektor. Wir zollen thyssenkrupp Steel, einem traditionsreichen Pfeiler der deutschen Wirtschaft, Respekt und fühlen uns geehrt, mit vereinten Kräften an dem bahnbrechenden Transformationsprozess zur Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft mitzuwirken. Gemeinsam werden wir einen wichtigen Beitrag bei der Dekarbonisierung der Stahlindustrie leisten.“

Den Einstieg in die Dekarbonisierung der Stahlproduktion hat thyssenkrupp bereits gemacht. Im März dieses Jahres haben die Arbeiten für den Bau der ersten wasserstofffähigen Direktreduktionsanlage mit zwei Einschmelzern am Standort Duisburg begonnen. Für die Errichtung der Anlage investiert thyssenkrupp Steel Europe rund drei Milliarden Euro. Diese Gesamtinvestition für das Projekt unterstützen der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen mit rund zwei Milliarden Euro. Das Projekt gilt als Blaupause für die Dekarbonisierung der Industrie und als Motor der europäischen Wasserstoffwirtschaft. Durch die staatlich geförderte Umstellung auf Wasserstoff als Primärenergieträger der Stahlproduktion steigt der Bedarf an Grünstrom in den kommenden Jahren signifikant an. Allein für den Wasserstoffbetrieb der ersten Direktreduktionsanlage werden jährlich rund zehn Terawattstunden (TWh) Grünstrom benötigt.

Die zuverlässige Beschaffung von ausreichenden Mengen an Grünstrom zu wettbewerbsfähigen Konditionen ist erfolgskritisch für das Gelingen der Transformation der Stahlindustrie. Lag der Anteil der Energiekosten für die Herstellung einer Bramme Rohstahl bisher bei rund zehn Prozent der Gesamtkosten, werden es bei CO2-neutralen, wasserstoffbasierten Verfahren zukünftig bis zu 50 Prozent sein.

Als strategischer Partner von thyssenkrupp Steel wird EPCG seine Kompetenzen einbringen, um eine ausreichende Versorgung mit Energie in Form von Wasserstoff, Grünstrom sowie der Bereitstellung von anderen Energierohstoffen zu gewährleisten. EPCG, das in neun europäischen Märkten aktiv ist, bringt als Energiehändler, -versorger und -lieferant umfangreiche Branchenkenntnisse mit. Im Jahr 2023 haben die Energieanlagen von EPCG zusammen 72,5 Terawattstunden (TWh) an Nettostrom erzeugt. Damit gehört EPCG zu einem der führenden Energieerzeugern in Europa. EPCG verfügt in Europa derzeit über eine Erzeugungskapazität von rund 22 Terawatt (TW) an installierter Nettoleistung und trägt damit erheblich zur Zuverlässigkeit der europäischen Energieversorgung bei.

Gleichzeitig unternimmt EPCG bedeutende Schritte im Bereich der erneuerbaren Energien. Allein in Deutschland will das Unternehmen bis 2030 seine Erzeugungskapazitäten an erneuerbarer Energie mit mehr als acht Gigawatt installierter Leistung ausbauen. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Bereichen Wind, Solar und Biomasse. Beispielsweise hat EPCG bereits mit dem Bau der größten schwimmenden Solaranlage Deutschlands an dem Cottbuser Ostsee in der Lausitz begonnen.

Zusätzliche Mengen an Grünstrom, Wasserstoff und zunächst auch Erdgas könnten bei Bedarf der Stahlproduktion in Duisburg über den Energiehandel von EPCG zur Verfügung gestellt werden. Auch im Projektmanagement und bei der Umsetzung von Großprojekten der grünen Transformation ergeben sich sinnvolle Schnittstellen für beide Unternehmen. So betreibt und entwickelt die EPCG in Deutschland große Energiespeicherlösungen sowie wasserstoffbetriebene Gaskraftwerke zur Abfederung von Spitzenlasten bzw. zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit bei schwankender Stromproduktion durch Wind- und Sonnenenergie.

Neuausrichtung von thyssenkrupp Steel Europe
Mit der Erweiterung des Gesellschafterkreises und der Neuausrichtung steht thyssenkrupp Steel Europe am Beginn eines mehrjährigen Prozesses mit dem Ziel einer vollständigen unternehmerischen Eigenständigkeit. Auf die bestehenden Betriebsvereinbarungen und Tarifverträge hat die angestrebte Erweiterung des Gesellschafterkreises keinen Einfluss.

Wesentliche Bausteine für die Verselbstständigung von thyssenkrupp Steel sind der derzeit entstehende Business Plan inklusive Investitionsplanung sowie eine Kapitalausstattung, die neben dem Bau einer wasserstofffähigen Direktreduktionsanlage auch weitere Schritte zur klimagerechten Transformation berücksichtigt.

(Quelle: thyssenkrupp AG)

Schlagworte

AnlagenAnlagenAufsichtsratAufsichtsratBrammeBrammeBundBundCO2CO2CO2-neutralCO2-neutralDekarbonisierungDekarbonisierungDeutschlandDeutschlandDirektreduktionDirektreduktionDSVDSVDuisburgDuisburgEnergieEnergieErdgasErdgasEssenEssenEUEUGesellschaftGesellschaftHandelHandelIndustrieINGINGInvestitionInvestitionJoint-VentureJoint-VentureKlimaKlimaKlimaschutzKlimaschutzKooperationKooperationMarktbedingungenMarktbedingungenPartnerschaftPartnerschaftProduktionProduktionProjektmanagementProjektmanagementRohstoffeRohstoffeSchmelzeSchmelzeStahlStahlStahlindustrieStahlindustrieStahlproduktionStahlproduktionStahlunternehmenStahlunternehmenThyssenkrupp AGThyssenkrupp AGThyssenkrupp Steel EuropeThyssenkrupp Steel EuropeTransformationTransformationTransformationsprozessTransformationsprozessUnternehmenUnternehmenUSAUSAVereinbarungVereinbarungWasserstoffWasserstoffWasserstoffbasiertWasserstoffbasiertWerkstoffWerkstoffWettbewerbWettbewerbWirtschaftWirtschaft

Verwandte Artikel

Feier zur Inbetriebnahme JSW
06.11.2026

Zweite Säureregenerationsanlage bei JSW Steel Coated Products in Betrieb

Die Anlage wurde bei JSW Steel Coated Products Limited am Standort Vasind im indischen Bundesstaat Maharashtra vom Technologiekonzern Andritz erfolgreich in Betrieb genom...

ANDRITZ AG Anlagen Beizlinie Bund EU Gesellschaft Inbetriebnahme Indien Industrie Säureregenerationsanlage Stahl Umwelt Unternehmen Verkauf Zink
Mehr erfahren
Das Tata Steel Kalinganagar und das SMS group Team feiern die erfolgreiche Inbetriebnahme der Anlage
06.11.2026

Tata Steel nimmt Brammengießanlage in Betrieb

Tata Steel und SMS group haben im Stahlwerk Nr. 1 von Tata Steel Kalinganagar die dritte Zweistrang-Brammengießanlage in Betrieb genommen. Nach kurzer Zeit erreichte sie...

2016 ABB Anlagen Automatisierung Bramme Entwicklung Ergebnis EU Inbetriebnahme ING KI Ltd Ltd. Partnerschaft Produktion Schmelze Schmelzen SMS SMS group Stahl Stahlwerk USA Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Von links: Jacobus Steyn, Leiter des Geschäftsbereichs Energie bei Alleima; Hanhee Lee, Vizepräsidentin der Abteilung Wachstum/Beschaffung bei Doosan Enerbility; Göran Björkman, Geschäftsführer bei Alleima; Alistair Black, Vizepräsident für den Geschäftsbereich Großbritannien bei X-Energy; Robert Leone, leitender Direktor für die Lieferkette bei X-Energy; und Carl von Schantz, Leiter des Geschäftsbereichs Rohre bei Alleima.
05.11.2026

Alleima erhält ersten Auftrag für Rohrleitungen für Kernreaktoren

Alleima hat von Doosan Enerbility seinen ersten Auftrag über Dampferzeugerrohre für einen heliumgekühlten kleinen modularen Reaktor (SMR) der nächsten Generation erhalten...

Elektrifizierung Energie Entwicklung EU Getriebe Industrie Investition Kernenergie Produktion Rohre Sandvik Schweden Temperatur Tube Unternehmen USA Werkstoff Werkstoffe Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Mitarbeiter von Nucor Steel Berkeley, Primetals Technologies und Clecim an der neuen Kontinuierlichen  Verzinkungsanlage in Huger, South Carolina, nach der erfolgreichen Produktion des ersten  Premiumklasse-Coil.
05.11.2026

Nucor produziert ersten Bund auf Durchlaufverzinkungsanlage

Die Anlage produziert Automobil-Außenstähle in Sichtqualität und höchstfeste Stähle (AHSS). Die firmeneigenen Technologien Rapid Cooling und Querfeld-Induktionserwärmung...

Aluminium Anlagen Automatisierung Automobil Brenner Brennertechnik Bund Entwicklung Ergebnis EU HZ Inbetriebnahme Indien ING Japan Lieferung Montage Nordamerika Primetals Produktion Service Stahl Strategie Technik Unternehmen USA Walzwerk Zink Zusammenarbeit
Mehr erfahren
Visualisierung der Direktreduktionsanlage von thyssenkrupp Steel in Duisburg: Der angepasste Förderbescheid schafft eine verlässliche Grundlage für die weitere Umsetzung des Dekarbonisierungsprojekts tkH2Steel.
03.11.2026

Förderung stärkt Dekarbonisierungsprojekt tkH2Steel

thyssenkrupp Steel hat den Änderungsbescheid zur Förderung seines Dekarbonisierungsprojekts tkH2Steel erhalten. Diese bereits angekündigte Anpassung der Förderauflagen is...

Anlagen Anpassung CO2 Dekarbonisierung Direktreduktion Duisburg Emissionen Entwicklung Erdgas EU EU-Kommission Europa Förderung Hochofen IBU Industrie ING Klima Klimaziel Klimaziele Lieferketten Marktbedingungen Produktion Schmelze Stahl Stahlindustrie Stahlproduktion Stahlwerk Thyssen thyssenkrupp Thyssenkrupp Steel Europe Thyssenkrupp Steel Europe AG Transformation Transport Unternehmen Vorstand Wasserstoff Wettbewerb Wirtschaft
Mehr erfahren