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Industrie und Politik setzen gemeinsames Signal für den Wasserstoffhochlauf (v.l.n.r.): Gitta Connemann (Parlamentarische Staatssekretärin im BMWE), Stefan Dohler (CEO EWE AG), Gunnar Groebler (CEO Salzgitter AG) und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies bei der offiziellen Vertragsunterzeichnung für die langfristige Lieferung von grünem Wasserstoff in Berlin - Photo: © Gerd Markert Fotografie
10.06.2026

Salzgitter AG vereinbart Wasserstofflieferung

Es ist ein Meilenstein auf dem Weg in eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft in Deutschland. Der Energiedienstleister EWE und die Salzgitter Flachstahl GmbH, ein Tochterunternehmen der Salzgitter AG, haben eine langfristige Vereinbarung über die Lieferung von grünem Wasserstoff geschlossen. Die Vertragsunterzeichnung fand heute in der EWE-Repräsentanz in Berlin gemeinsam mit der Parlamentarischen Staatssekretärin Gitta Connemann sowie Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies statt.

Erster Großvertrag für grünen Wasserstoff aus Emden

Es ist der erste Großabnahmevertrag für Wasserstoff aus der 320-Megawatt-Erzeugungsanlage, die EWE derzeit in Emden errichtet, und auch der erste Großvertrag der Salzgitter AG mit einem Wasserstoff-Lieferanten. Vorgesehen ist ab 2030 eine Lieferung von jährlich rund 10.000 Tonnen über das Wasserstoff-Kernnetz. Mit dem Vertrag, der zunächst eine Laufzeit von sieben Jahren besitzt, wird ein wesentlicher Teil der ersten Ausbaustufe der Anlage in Emden vermarktet und rund 6,5 Prozent des Wasserstoffbedarfs von SALCOS® gedeckt. Weitere Liefermengen von EWE stehen damit grundsätzlich auch für zusätzliche industrielle Partnerschaften zur Verfügung.

Der grüne Wasserstoff aus Emden soll im SALCOS®-Programm – Salzgitter Low CO2 Steelmaking – der Salzgitter AG eingesetzt werden. Dort kann mit dem Einsatz von Erdgas in einer Direktreduktionsanlage bereits eine Reduzierung der CO2-Emissionen von 60 Prozent im Vergleich zur Hochofenroute mit Kohle und Koks erreicht werden. Das langfristige Ziel der Salzgitter AG bleibt aber eine nahezu klimaneutrale Produktion von Stahl, die nur über die Verwendung von grünem Wasserstoff erreicht werden kann. Statt CO₂ entsteht dabei Wasser. Insgesamt können in der Direktreduktionsanlage des SALCOS®-Programms bis zu 150.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr eingesetzt werden. Rund 9.000 Tonnen davon wird die Salzgitter AG in einer 100-MW-Elektrolyseanlage auf dem eigenen Hüttengelände selbst herstellen.

Für einen Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland bedarf es aber weiterer Bemühungen. Es müssen dringend weitere Maßnahmen umgesetzt werden, um erneuerbaren Wasserstoff zu einem international wettbewerbsfähigen Energieträger zu machen. Dazu zählt beispielsweise eine frühzeitige und verlässliche Verlängerung der Strompreiskompensation für Elektrolyseure sowie eine vorgezogene Überarbeitung der Grünstromkriterien für erneuerbaren Wasserstoff.

Mit dem Liefervertrag gehen beide Unternehmen aber jetzt schon eine langfristige wirtschaftliche Verpflichtung auf Erzeuger- und Abnehmerseite ein. Für den Industriestandort Niedersachsen ist dies ein starkes Signal: Die Industrie übernimmt Verantwortung und schließt belastbare Vereinbarungen, noch bevor der Markt für grünen Wasserstoff vollständig etabliert ist.

Gunnar Groebler, CEO der Salzgitter AG, erklärt:
„Mit dem SALCOS®-Programm stellen wir unsere Stahlproduktion schrittweise auf eine nahezu CO₂-freie Route um. Der Einsatz von grünem Wasserstoff ist dafür ein zentraler Baustein. Der Vertrag mit EWE ist ein wichtiger Schritt auf diesem Weg und stärkt unsere Rolle als Frontrunner der Transformation in der Stahlindustrie. Wieder einmal haben wir eine Henne-Ei-Dilemma aufgelöst und eine unternehmerisch bedeutende Entscheidung getroffen. Ohne erste Lieferverträge wird sich keine deutsche Wasserstoffwirtschaft entwickeln. Dieser Vertrag ist aber auch mit einem dringenden Appell in Richtung Politik verbunden: Der Wasserstoff-Hochlauf steht weiterhin vor hohen Hürden. Es bedarf nach wie vor umfassender Maßnahmen, um die Kostenlücke zu schließen und unternehmerischen Risiken zu minimieren. Ansonsten bleibt dieser Vertrag eine Ausnahme.“

EWE-CEO Stefan Dohler:
„Eine funktionierende Wasserstoffwirtschaft schützt nicht nur das Klima. Sie stärkt auch die industrielle Resilienz Europas, macht uns unabhängiger von fossilen Energieimporten und hilft dabei, Energie langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Dieser Vertrag ist ein Meilenstein, aber noch nicht das Ziel. Er zeigt, dass Angebot und Nachfrage für grünen Wasserstoff zusammenfinden können. Gleichzeitig gibt es erste positive Signale bei den regulatorischen Rahmenbedingungen. Jetzt müssen wir dieses Momentum nutzen, weitere industrielle Partnerschaften auf den Weg bringen und den Markt Schritt für Schritt aufbauen. Dafür braucht es weiterhin wettbewerbsfähige Strompreise, praktikable Regeln für grünen Wasserstoff und langfristige Investitionssicherheit. Nur dann kann aus einzelnen Projekten ein tragfähiger Markt werden.“

Industrie übernimmt Verantwortung beim Markthochlauf

EWE bündelt dabei wesentliche Teile der Wasserstoff-Wertschöpfungskette – von der Erzeugung über Transport und Speicherung bis zur Lieferung. Im Rahmen des IPCEI-Großvorhabens „Clean Hydrogen Coastline“ entstehen dafür in Nordwestdeutschland Elektrolyse-, Speicher- und Pipelineinfrastrukturen.
Der grüne Wasserstoff soll künftig im SALCOS®-Programm der Salzgitter AG eingesetzt werden und dort einen zentralen Beitrag zur nahezu klimaneutralen Stahlproduktion leisten.

Verlässliche Rahmenbedingungen bleiben entscheidend

Die Lieferung steht unter dem Vorbehalt einer RFNBO-Zertifizierung. Maßgeblich sind die europäischen Vorgaben zur Zusätzlichkeit sowie zur zeitlichen und geografischen Korrelation des Strombezugs. Nach aktuellen Berechnungen können die bestehenden Kriterien die Produktionskosten von grünem Wasserstoff erheblich erhöhen.

Beide Unternehmen setzen sich deshalb für praktikable Anpassungen der EU-Vorgaben ein. Konkret geht es darum, die Übergangsfristen bei der Zusätzlichkeit zu verlängern und die stündlichen Stromvorgaben flexibler zu gestalten. Ohne wirtschaftlich tragfähige Regeln bleiben viele Projekte im Pilotstadium stecken.

Stefan Dohler ergänzt:
„Wenn wir wollen, dass aus einzelnen Projekten ein Markt wird, brauchen wir sinnvolle Strombezugskriterien, funktionierende Leitmärkte und Investitionssicherheit für großtechnische Speicher. Sonst können Unternehmen keine neuen Investitionen in Wasserstoffprojekte freigeben.“

Politik als Ermöglicher

Der Bund und das Land Niedersachsen haben mir ihrer Förderung den Vertragsabschluss zwischen Salzgitter AG und EWE erst möglich gemacht.

Gitta Connemann, Parlamentarische Staatssekretärin im BMWE:
„Heute wird aus Förderung Fortschritt. Und aus einer Idee ein starkes Bündnis für den Standort Deutschland. Der Vertrag zwischen EWE und Salzgitter zeigt: Die Wasserstoffwirtschaft nimmt Fahrt auf. Das eine Unternehmen produziert. Das andere setzt den Wasserstoff ein. So entsteht ein Kreislauf mit Zukunft. Deshalb unterstützen wir als Bund den Umbau der Stahlproduktion in Salzgitter mit 925 Millionen Euro. So sichern wir Wertschöpfung und gute Arbeitsplätze in einer Schlüsselindustrie. Gleichzeitig fördern wir die Wasserstoffproduktion in Emden mit 267 Millionen Euro. Denn Wasserstoff muss nicht nur genutzt, sondern auch hierzulande erzeugt werden. Die Lage in der Welt macht deutlich: Wir brauchen mehr eigene Energiequellen. Mehr Unabhängigkeit. Mehr Sicherheit. Wasserstoff kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Jetzt müssen wir die Bedingungen weiter verbessern. Für Investitionen. Für Planungssicherheit. Und für einen starken Markt. Damit aus ersten Vorhaben ein dauerhaftes Erfolgsmodell wird.“

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies betonte bei der Veranstaltung in Berlin:
„Niedersachsen ist Energie- und Industrieland zugleich. Wir verbinden erneuerbare Erzeugung, leistungsfähige Häfen, Speicher und Industrie zu einer integrierten Wasserstoffwirtschaft. Mit einem bedeutenden Teil der in Deutschland geplanten EU-Großprojekte zur Produktion von grünem Wasserstoff, rund 1.800 Kilometern des Wasserstoff-Kernnetzes im Land und IPCEI-Fördermitteln in Milliardenhöhe schaffen wir die Grundlage für neue Wertschöpfung und sichere Industriearbeitsplätze. Dass mit EWE und der Salzgitter AG zwei starke niedersächsische Unternehmen hier vorangehen und langfristige Verantwortung übernehmen, ist ein wichtiges Signal für den Industriestandort Deutschland. Verträge wie dieser zeigen: Die Transformation wird konkret. Jetzt gilt es, den Hochlauf mit verlässlichen Rahmenbedingungen weiter zu beschleunigen. Und das unterstützen wir aus voller Überzeugung.“

(Quelle: EWE AG / Salzgitter AG)

 

Die Projekte „Clean Hydrogen Coastline“ und SALCOS® werden unterstützt und gefördert von:

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